Rüdiger Schäfer und „Der Geminga-Zwischenfall“

Der „Abspann“ von „Der Schaltmeister von Rumal“ hat in mir die Hoffnung geweckt, dass tatsächlich mal wieder etwas abseits einer Kolonie passiert und dass Handlungsträger wie Perry Rhodan, Thora, Gucky und wie sie alle heißen mal wieder eine Rolle spielen dürfen. Das fehlte mir persönlich in den letzten NEOs ein wenig. Das Ende des Vorgängers und auch das Titelbild deuteten aber bereits deutlich darauf hin.

Ein wie ich finde grandioses Titelbild von Dirk Schulz!
© Pabel-Moewig Verlag KG, Rastatt

Worum geht es in „Der Geminga-Zwischenfall“?

Ohne große Spoiler: um eine wendungsreiche Auseinandersetzung zwischen dem großen Pro- und dem aktuellen Antagonisten. Das Ganze auf einer spannenden Bühne und in actiongeladener und nervenzerreißender Art und Weise.

Echte Spoiler wie immer hier:

https://www.perrypedia.proc.org/wiki/Der_Geminga-Zwischenfall

Wie hat mir „Der Geminga-Zwischenfall“ gefallen?

Hervorragend! Meiner bescheidenen Meinung war das der bisherige Höhepunkt der aktuellen Staffel. Im Gegensatz zu einigen anderen NEO-Lesern war ich bis hierher noch nicht wirklich von der Handlung seit NEO 200 überzeugt und habe mich bei einigen wirklich etwas „durchgequält“. Nicht, dass die Einzelromane wirklich schlecht waren – mal abgesehen von einem vielleicht – aber der große Handlungsbogen hat mich noch nicht eingefangen gehabt. Das ändert sich so langsam, auch wenn ich Iratio Hondro wohl als Bösewicht nicht mehr liebgewinnen werde. Trotzdem muss ich anerkennen, dass er immer mehr Profil gewinnt, einen mysteriösen Hintergrund verpasst bekommen hat, dessen Auflösung mich nun langsam doch interessiert und der von allen beteiligten Autorinnen und Autoren bisher wirklich gut charakterisiert wurde.

Der Geminga-Zwischenfall als Einzelroman war ein wahrer Lesegenuss für mich. Ich habe schon lange keinen NEO mehr in so kurzer Zeit und so gierig „weggelesen“ wie diesen, da die Spannung wirklich grandios war. Mit der einen oder anderen Wendung habe ich nicht gerechnet und genau das macht dann richtig Spaß. Am Ende wird es dramatisch und ich habe ernsthaft mitgefiebert, ob nicht der eine oder andere große Name über die Klinge springt. Ob das der Fall war, verrate ich an dieser Stelle natürlich nicht.

Alles in allem ein rundum gelungener, an einem perfekten NEO kratzender Roman. Lieber Rüdiger, vielen Dank für die spannenden Lesestunden! J

Was war nicht ganz so gelungen?

Mir fällt dieses Mal beim besten Willen nichts ein…nicht mal am ollen Hondro kann ich rummosern. 😉

Fazit:

Kurz und knapp: bisher der beste NEO der Staffel und nah an Perfektion, daher 9,5 von 10 Punkten für „Der Geminga-Zwischenfall“.

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Die Expokraten schicken NEO in eine neue Epoche und wir treffen den „Mann aus Glas“

Lange haben wir darauf gewartet und hingefiebert: nach dem großen Jubiläum der Erstauflage feierte nun auf NEO einen runden, großen Band. Perry Rhodan NEO mit der Nummer 200 lag ab dem 17. Mai 2019 im Handel und ich konnte mich dank Abo sogar schon am 16. Mai darüber freuen. Als Abonnent gab es sogar ein wirklich schönes Gimmick oben drauf, nämlich eine wunderschöne Sternenkarte mit einer Übersicht der bekannten Milchstraßensysteme und Planeten sowie der neuen, terranischen Kolonien.

Wunderschöne Sternenkarte zur NEOversum-Milchstraße und der „lokalen Blase“

Nun geht es also in eine neue Epoche, nachdem ANDROS besiegt wurde und – Überraschung – Perry entgegen der Prophezeiung von ES überleben durfte 😉

Worum geht es in „Mann aus Glas“?

Wie das mit einem Staffelstart so ist, gäbe es hier so einige Dinge aufzuzählen. Nach einem Zeitsprung sowie dem Start einer ganz neuen Epoche natürlich nochmal umso mehr. Vielleiht nur die wichtigsten Eckpunkte: unser Unsterblicher hat ein schickes neues Flaggschiff bzw. Protektorenschiff mit einem aus der Erstauflage recht bekannten Namen. Eine wichtige Rolle spielen Perrys Sohnemänner, die inzwischen natürlich erwachsen sind, ein gewisser „Mann aus Glas“, der ebenfalls aus der EA bekannt ist, hier aber ganz neu interpretiert wird, der Kaiser von Olymp hat seinen ersten Auftritt und auch andere bekannte Namen treten erstmals in Erscheinung. Wer es genauer wissen möchte liest wie immer hier nach:

https://www.perrypedia.proc.org/wiki/Mann_aus_Glas

Wie hat mir „Mann aus Glas“ gefallen?

Der Epochenstart ist meines Erachtens gut gelungen. Es war vielleicht kein riesiges Feuerwerk und ging relativ gemächlich los, aber das war nach dem furiosen Staffelende auch eine gute Entscheidung. Der Leser wird langsam in die neuen Gegebenheiten des Jahres 2088 eingeführt. Wichtige Entwicklungen werden geschildert, wichtige Personen (neu) vorgestellt, denn die vergangenen Jahrzehnte haben natürlich auch mit den bekannten Handlungsträgern etwas gemacht. Ein paar Dinge werden (noch) nicht aufgeklärt, wie zum Beispiel (ACHTUNG SPOILER) die Abwesenheit von Team Leyden, welche nicht weiter erwähnt werden. Ein paar neue Fragen werden aufgeworfen, wie zum Beispiel „Wo kommen diese liduurischen Zellaktivatoren her, bei denen man in den Winterschlaf gehen muss und wer hat sie bekommen?“. Was ich sehr schön fand, war die immer wieder eingestreute Erwähnung alter, nicht unsterblicher Charaktere und was aus ihnen geworden ist. Der Eine genießt seinen Ruhestand, der Nächste hat in hohem Alter eine neue Funktion übernommen etc. Da geht dem NEO-Leser das Herz auf. Wie gesagt, der Start in die neue Epoche ist gelungen und nun kann es richtig losgehen. Voller Vorfreude harre ich der kommenden NEOs von denen mit Nummer 201 der erste heute im Briefkasten liegen sollte…durch meinen Fuerteventura-Urlaub bin ich mit dieser Besprechung total in Verzug… 🙂

Was war nicht ganz so gelungen?

Ganz ehrlich gesagt möchte ich hier überhaupt nicht rummeckern. Es gab für mich wenige, bis gar keine größeren Kritikpunkte. NEO 200 war ein grundsolider Epochenstart und ich warte jetzt die Entwicklung gespannt ab, bevor ich anfange zu mosern. 😉

Fazit:

Das große Jubiläum hat mir wirklich gut gefallen. Natürlich war es kein Feuerwerk wie NEO 199. Das war aber auch weder zu erwarten, noch zu wünschen. Stattdessen wurden wir sanft in die neue Zeit eingeführt, einige alte Charaktere wurden liebevoll in den Ruhestand verabschiedet und ein paar neue hatten ihren Auftritt. Mir hat das viel Spaß gemacht und ich freue mich auf mehr.  

Für einen gelungenen und grundsoliden Epochenstart gibt es von mir 7 von 10 Punkten.

Die Expokraten brennen ein Feuerwerk ab, und zwar „Am Ende aller Tage“

Große Vorfreude, große Erwartungen und ein wenig Skepsis ob der vielen offenen Fragen hielten sich im Vorfeld dieses Epochenfinales bei mir die Waage. Die Vorfreude war durchaus berechtigt, die Erwartungen wurden zu großen Teilen erfüllt, allerdings hatte auch meine Skepsis ihre Berechtigung. Aber dazu später mehr.

Worum geht es in „Am Ende aller Tage“?

Der Titel passt hervorragend zu einem Roman, der die Ereignisse von 85 Millionen (Handlungs-) Jahren abschließt, oder? Ich persönlich fand das sehr treffend. Natürlich geht es im Staffel- und Epochenfinale um den Abschluss des großen Feldes um den Konflikt zwischen ANDROS und ES, das Ende des sogenannten Ringens, darum, ob die Menschheit weiter existieren darf oder pulverisiert wird und ein bisschen auch darum, welche Haupt- und Nebenfiguren noch über die Klinge springen müssen. Ganz viel Stoff für ganz knappe 160 Seiten wie ich finde.

Die ausführliche Zusammenfassung findet ihr wir immer hier:

https://www.perrypedia.proc.org/wiki/Am_Ende_aller_Tage

Wie hat mir „Am Ende aller Tage“ gefallen?

Vorneweg: insgesamt sehr gut! War der Abschluss perfekt? Nein, aus meiner Sicht nicht…aber wer oder was ist schon wirklich perfekt? War der Abschluss spannend, unterhaltend, mitreißend und im Großen und Ganzen rund und gelungen? Aus meiner Sicht definitiv! Unsere Expokraten haben hier ein echtes Feuerwerk abgebrannt. Um das etwas klarer zu besprechen muss ich (zumindest ein wenig) spoilern:

Dass unser guter, alter Perry irgendwie überlebt war wohl so ziemlich jedem, der in irgendeiner Weise mit der Materie vertraut ist, klar. Wie er das schafft, fand ich persönlich etwas eigen, siehe unten, aber klar war es. Dass Tuire Sitareh über die Klinge springen soll oder muss, wurde vorher oft genug erwähnt. Allerdings bleibt diese Tür – zumindest einen winzigen Spalt breit – offen, denn sein endgültiger Tod wurde nicht erwähnt! Ich glaube zwar nicht daran und es wäre auch schwierig, das glaubhaft zu verkaufen, aber ein wenig hoffe ich noch immer, dass der olle Aulore wieder auftaucht. Ich mochte diese Figur immer sehr gerne.

Insgesamt kommt das Finale mit erstaunlich wenigen – bestätigten – Toten aus, nämlich mit genau einem: Huang Wei, der für ein Täuschungsmanöver von ES in den Tod ging. Alle anderen sind wohlauf.

Die verschiedensten Handlungsfäden wurden von Rüdiger und Rainer in diesem Band zusammengeführt. Angefangen von der Frühzeit von NEO bis hinein in die aktuelle Staffel. Ich finde, dass die beiden das sehr schön gelöst haben und tatsächlich das Spielfeld einmal komplett freigeräumt haben für die neue, kommende Epoche. Mir hat dieser NEO wahnsinnig viel Spaß gemacht und ich habe ihn „in einem Rutsch“ gelesen, was bei mir eher selten vorkommt. Ein paar kleine ABERs gibt es dann allerdings doch noch:

Was war nicht ganz so gelungen?

Mir fehlten ein paar Dinge in diesem Abschluss. Zunächst einmal: wo zur Hölle sind Eric Leyden, Abha Prajapati und Luan Perparim? Die wurden mit Tro Khon so effektvoll aus der Handlung geschrieben, dass ich mir absolut sicher war, dass sie irgendwie mit einem Knalleffekt im Abschlussband auftauchen. Aber keiner davon, auch nicht Tro Khon. Am Ende dachte ich, ich habe ein paar Seiten ausgelassen. Das hat mich ziemlich irritiert und ich hoffe, dass diese Figuren wieder auftauchen, denn sie stillschweigend zu vergessen würde mich wirklich ärgern. Das macht ihr nicht liebe Expokraten oder? Ihr wollt mich nicht ärgern, oder? 😉

Dann ist da diese Sache mit dem Geschenk von Avandrina di Cardelah auf dem Mars. Da war doch was? Ich dachte auch hier, dass wir noch mehr erfahren, vermute und hoffe aber stark, dass das in NEO 200 erfolgt. Hier kann ich noch ganz gut akzeptieren, wenn das später geklärt wird, beim Leyden-Team bin ich – wie gesagt – mehr irritiert.

Ein weiterer offener Handlungsfaden: dieses komische Artefakt aus NEO 188, welches Icho Tolot damals unter Einsatz seines Lebens und eines seiner Herzen Massmer Tronkh entwendet hat. Danach hat man von dem Ding nie mehr gehört! Dabei schien es in dem Roman so ungemein wichtig und geheimnisvoll. Was war das denn? Da habe ich seitdem drauf gewartet, denke aber, dass ich auch weiter warten werde…und zwar erfolglos. 😦

Zu guter (oder schlechter) Letzt: Rhodans Rettung durch Atlan und Mirona. Ganz ehrlich ist das für mich irgendwie haarsträubend an selbigen herbeigezogen gewesen. Es herrscht das absolute hyperphysikalische Chaos, die Verrytsphäre ist angeblich das einzige Schiff, welches sich Palagola nähern kann und das dabei nicht sofort zerbröselt. Es wird sogar explizit erwähnt, dass auch Schaltschiffe der Meister der Insel Probleme bekommen…und dann, kurz vor Perrys Exitus finden die beiden Turteltauben den Terraner in seinem ultimativen Anti-ANDROS Schiffchen, welches auseinanderfällt und retten ihn per spontan aufgebautem Halbraumtunnel, Millisekunden bevor es tatsächlich pulverisiert wird…

Mir war das zu viel seltsamer Zufall. Versteht mich nicht falsch, ich weiß selber keine viel bessere Lösung, aber diese war mir zu konstruiert. Allerdings muss ich es auch nicht besser machen, ich bin ja kein Autor, geschweige denn Expokrat. 😉

Fazit:

Bei aller Kritik – ich finde die muss erlaubt sein – hat mich NEO 199 wahnsinnig gut unterhalten und hat die meisten Handlungsfäden zu einem würdigen und sinnvollen Abschluss gebracht. Es gab das nötige Feuerwerk, es gab Pathos, es gab Überraschungsmomente (wenn auch nicht so viele wie ich dachte) und es gab ein happy End. Wie gesagt würde ich nicht von perfekt sprechen, von sehr gut aber allemal. Daher für das Staffel- und Epochenfinale:

8 von 10 Punkten.

Nun ist die Vorfreude auf NEO 200 angesagt…Kolonien, das heißt Siganesen, Plophoser, Epsaler und viele mehr. Dazu Tekener und „der Mann aus Glas“. Was für NEO-Aussichten! 🙂

Rüdiger Schäfer erzählt die Geschichte von „Tuire“

Im Laufe der Zeit hat sich Tuire Sitareh, der mysteriöse Aulore ohne Gedächtnis, aber dafür mit einem geistigen Begleiter der Sorte „Extrasinn – aber irgendwie anders“, zu einem meiner Lieblingscharaktere bei NEO entwickelt. Immer irgendwie geheimnisumwittert und sich selbst nicht geheuer, hat er mir immer viel Spaß gemacht. Nun heißt der aktuelle NEO „Tuire“, es war also klar um wen es gehen wird. Die Vorfreude war bei mir persönlich riesig , zumal mit Rüdiger Schäfer auch noch einer meiner liebsten NEO-Autoren auf dem Cover steht. Gute Voraussetzungen!

Worum geht es in „Tuire“?

Das geht – glaube ich – durch ohne als Spoiler zu gelten: es geht um die Lebensgeschichte von Tuire Sitareh. Dieses Mal die vollständige Lebensgeschichte. Bruchstücke haben wir nach und nach ja immer mal wieder bekommen, aber hier liegt sie nun offen vor uns: die Story des mysteriösen Auloren. Wir erfahren heuer sogar was ein „Aulore“ eigentlich ist. Das fand ich ja beim Lesen irgendwie grandios gelöst. 🙂

Eine ausführliche Zusammenfassung findet ihr, wie immer, hier:

https://www.perrypedia.proc.org/wiki/Tuire

Wie hat mir „Tuire“ gefallen?

Ehrlich gesagt bin ich beim Schreiben dieser Zeilen noch minimal unschlüssig. An sich würde ich sagen, das war ein sehr starker NEO den Rüdiger da (mal wieder) abgeliefert hat. Die Story hat mich fast durchgehend gefesselt, Tuire Sitareh ist – sagte ich das schon? – ein cooler Charakter, wir werden durch Höhen und gaaaanz tiefe Tiefen seines Lebens geführt und am Ende ist sein Mysterium für den Leser gelöst.

Tuire bekommt in diesem Roman noch mehr Tiefe als er ohnehin schon hatte, flüchtige Bilder seiner Vergangenheit aus vorigen Romanen bekommen einen sinnvollen Kontext – das hat Spaß gemacht.

Was war nicht ganz so gelungen?

Ich fand die Entwicklung des Charakters schon grundsätzlich toll beschrieben, an zwei oder drei Stellen aber irgendwie für meinen Geschmack zu „sprunghaft“…mir fällt kein besseres Wort dafür ein.

Dazu folgender, kleiner SPOILER:

Tuire durchlebt mindestens zwei Mal von jetzt auf gleich sehr gegensätzliche Emotionen wie „Ich bin ein schlimmer Loser“ zu „Ich nehme mein kosmisches Schicksal an, schaka wir schaffen das!“.

Auch wenn sowohl Ernst Ellert als auch Avandrina di Cardelah sicherlich so ihre eigenen, ganz speziellen Möglichkeiten haben, schien mir das doch „per Handauflegen“ irgendwie sehr abrupt.

Dann das Ende des Romans…

Auch hier SPOILERWARNUNG: Ich muss gestehen, dass ich das Ende nur bedingt verstanden habe. ES gesteht Thora, dass er bzw. sie eigentlich gekommen ist um der Arkonidin „persönlich“ zu sagen, dass Tuire und Perry sterben müssen, damit ANDROS besiegt werden kann. Okay…das kann er ja machen, aber warum erzählt er vorher die ausführliche Lebensgeschichte von Tuire Sitareh? Das erschließt sich mir irgendwie nicht zu 100%, aber wer bin ich, dass ich ES verstehen will? 😉

Fazit:

Insgesamt, den Schluss vielleicht mal etwas ausgeklammert, ein wirklich guter NEO. Vielleicht nicht ganz so grandios wie der Vorgänger, aber trotzdem weiter auf dem sehr hohen Niveau der Bestien-Staffel. Rüdiger Schäfer kriegt von mir für „Tuire“ daher

8,5 von 10 Punkten.