Michelle Stern, Lucy Guth und „Der schreiende Stein“

Heute gibt es mal kein Video, dafür fehlt mir diese Woche schlicht die Zeit. Über den aktuellen NEO 211 der beiden Autorinnen Michelle Stern und Lucy Guth möchte ich aber trotzdem ein paar Worte verlieren.

Mit der ersten Zusammenarbeit der beiden und damit dem Debütroman von Lucy Guth – bürgerlich Tanja Bruske-Guth – hatte ich damals ja so meine Probleme. Das war dieses Mal anders, was vor allem daran lag, dass der Roman erfrischend „anders“ war. Dazu aber später mehr.

Der schreit so laut, dass „schreiende“ plötzlich groß geschrieben wird… 😉

Worum geht es in „Der schreiende Stein“?

Hui, das geht nicht ohne gleich zu spoilern:

Die Ausgangssituation ist ja bekannt: die FANTASY ist auf halbem Wege nach Lashat – wo Perry Rhodan gerettet werden soll – havariert und treibt hilflos nahe eines unbekannten Sonnensystems herum. Zu allem Übel ist mit Chefingenieur Metscho auch noch ein unfreiwilliger – und unerkannter – Agent Iratio Hondros und Saboteur an Bord.

Während die Reparaturen anlaufen – die überraschenderweise nicht so aussichtslos scheinen wie erst gedacht – wird die ganze Mannschaft plötzlich von schlimmer werdenden Alpträumen geplagt. Merkosh zieht sich in sein Vitron zurück und allen geht es nach und nach schlechter, weil sie keinen erholsamen Schlaf mehr bekommen. Einziger glücklicher Passagier: Ronald Tekener, der plötzlich alptraumfrei ist, statt wie bisher jede Nacht darunter zu leiden.

Es stellt sich heraus, dass die Alpträume von Impulsen ausgelöst werden, die von einem der drei Planeten des Systems ausgehen. Merkosh, der nach einiger Zeit dann doch mal wieder vorbeischaut, erklärt, dass dies ein Abwehrsystem des Compariats sei um Reisende vor den Gefahren des Weiterfluges zu schützen. Natürlich bohren Perry und Co. ein wenig weiter und bekommen heraus, dass das Kompariat großräumig von Dunkelleben befallen ist. Überraschung! 🙂

Natürlich begeben sich Rhodan, Merkosh, Tekener mit seiner unvermeidlichen Schwester Jessica sowie die Bull-Legacy (dieser Name nervt mich! Warum siehe unten…) Zwillinge auf eine Rettungsmission auf den Planeten. Laut Merkosh muss nur der „schreiende Stein“ zerstört werden um die Impulse zu unterbrechen. Das klappt nach einem alptraumhaften Dschungelspaziergang zwar, aber Sophie Bull-Legacy kommt dem Steinchen zu nahe und verliert – wortwörtlich – die Sprache. Sie entwickelt eine Aphasie und kann nicht mehr verbal kommunizieren.

Das Transitionstriebwerk ist unterdessen wieder einsatzbereit und auch wenn es für Rhodan mit großem Risiko verbunden ist, beschließt die Führungscrew den Sprung zu wagen. Es soll weiter Richtung Lashat gehen.

Wie hat mir „Der schreiende Stein“ gefallen?

Ich fand den Roman wie schon gesagt erfrischend anders. Ein Indiz für die Qualität ist in diesem Fall auch, dass ich ihn „am Stück“ weggelesen habe, was schon seit einigen NEOs nicht mehr der Fall war.

Ich persönlich finde, dass das Setting mit den Alpträumen, die alle sehr bildgewaltig geschildert werden, eine tolle Abwechslung war. Die Probleme der Mannschaft und die psychische Belastung sind nahezu greifabr für den Leser und man leidet ein Stück weit mit.

Mir ist bewusst, dass es bei einigen Lesern zu einem Aufschrei kommen wird (und zum Teil schon kam, wenn ich mir Facebook so ansehe), ich persönlich war aber absolut gefesselt und hatte großen Spaß an NEO 211. Die beiden Autorinnen haben hier ein tolles Mischwerk aus Rhodan-SF und ein wenig Horror abgeliefert, was trotz des ungewohnten Settings für mich total stimmig war.

Was war nicht ganz so gelungen?

Da gibt es nur wenig, was mir nicht gefallen hat. Eine Sache hat mich aber tatsächlich ein wenig genervt: „Bull-Legacy“!

Während bei allen anderen Protagonisten der Name in gewohnter Weise genutzt wurde (mal nur der Vorname, mal nur der Nachname, mal der volle Name), war bei den Zwillingen auffällig, dass sie fast immer mit vollem Namen genannt wurden. Den SInn habe ich nicht verstanden, aber das macht „Bull-Legacy“ vermutlich zum meistgelesenen Namen des Romans und ging mir an der einen oder anderen Stelle schon auf den Keks. Wenn gegen Ende des Romans im ersten Satz der volle Name einer Schwester steht, muss im zweiten Satz die andere nicht auch mit vollem Namen erwähnt werden. Zu dem Zeitpunkt hat man als Leser schon begriffen, dass die den gleichen Doppelnamen tragen. 😉

Das ist vielleicht etwas kleinlich, aber mich hat es im Lesefluss das eine oder andere Mal gestört.

Fazit:

Ein NEO, der so ganz anders war als so ziemlich alle 210 Stück zuvor, der mir ganz persönlich aber sehr viel Spaß gemacht hat. Mir ist bewusst, dass viele meine Meinung nicht teilen werden, aber so ist das halt mit dem Geschmack. 😉

Michelle Stern und Lucy Guth sind auf der „Mission auf Mimas“

Neue Epoche, neue Staffel, neue Autorin. Passt, also gespannt ran ans Werk. Mission auf Mimas klang als Titel erstmal nach einem geheimen Einsatz auf dem Saturn-Mond. Im Nachhinein finde ich den Titel irgendwie unpassend, aber dazu später mehr.

Das Titelbild vermittelt einen netten Eindruck des Medomondes Mimas

Worum geht es in „Mission auf Mimas“?

Wie der Titel verrät, spielt ein Großteil der Handlung auf Mimas, wo – wie in der Erstauflage – ein großer medizinischer Komplex entstanden ist. Der im Vorgänger gefangengenommene Iratio Hondro liegt da paralysiert herum und wird unerlaubterweise einfach wach. Dann bricht natürlich das eine oder andere Chaos aus, aber dazu lest ihr hier mehr:

https://www.perrypedia.proc.org/wiki/Mission_auf_Mimas

Wie hat mir „Mission auf Mimas“ gefallen?

Wenn ich ganz ehrlich bin nicht ganz so gut. Ich hatte etwas zu kämpfen, fand den Einstieg recht zäh und das Thema, welches den Roman wie ein roter Faden durchzieht, ist auch nicht so ganz meins. Das bedeutet nicht, dass NEO 201 schlecht geschrieben oder total verrockt ist, aber ich hatte ganz persönlich so meine Mühe.

Was mir gefallen hat, war vor allem, dass es weitere Hintergrundinformationen zu den Entwicklungen der vergangenen Jahrzehnte gab. Drei Träger der ominösen Winterschlaf-Zellaktivatoren wurden kundgetan, die Entwicklung der terranischen Mutanten wird in eine neue (alte) Richtung gelenkt und es werden biografische Daten zu einem gewissen Iratio Hondro offenbart. Das war neben der Haupthandlung schön eingeflochten.

Was war nicht ganz so gelungen?

Fangen wir beim Titel an: der erschließt sich mir nicht ganz, wer hat denn da auf Mimas eine „Mission“? Aus meiner Sicht wäre „Jagd“ oder „Chaos“, von mir aus auch „Alarm“ oder „Flucht von Mimas“ passend gewesen, aber sei es drum.

Wichtiger ist – und an dieser Stelle folgen kleine SPOILER – dass das Thema der geistigen Beeinflussung mich nur bedingt fesseln kann, das war in der EA auch schon seit jeher so. Overhead, Suggestoren, Hypnos und auch die ollen Cappins waren mir immer suspekt. Das Ganze wurde zwar von den beiden Autorinnen ordentlich geschildert, trotzdem hat es mich nicht so ganz mitgenommen. Die ungeheure Macht, die Hondro scheinbar besitzt, erscheint mir im ersten Moment etwas „too much“. Ich bin gespannt, was sich daraus noch entwickelt und wie diese Verdunklung erklärt wird, aber die Gabe an sich gefällt mir wenig. Trotz alledem glaube ich, dass aus Hondro ein interessanter Antagonist werden kann, wenn es gelingt, seine Fähigkeiten nicht zu sehr ausufern zu lassen. Wobei ich das eben hier schon fast zu viel fand.

Fazit:

Thematisch nicht ganz meins, „handwerklich“ gut geschrieben und trotz aller Kritik ein ordentlicher Einstieg für Lucy Guth. Ich hoffe sie bekommt die Chance ihr Können in thematisch anders ausgerichteten NEOs erneut unter Beweis stellen zu können.

Aufgrund der oben beschriebenen persönlichen Abneigung gegen das Hauptthema und die aus meiner Sicht übertriebene Darstellung Hondros gibt es von mir heute nur 4,5 von 10 Punkten. Aber wie gesagt habe ich große Hoffnung, dass daraus etwas wachsen kann, was mir auch wieder mehr Spaß bereitet. 😉