Vom Regen in die Traufe – oder von Andromeda in die Eastside

Da sind wir nun: die Eastside der Michstraße! Jülziish, ähhh ach ne, die heißen ja jetzt Azaraq. Warum eigentlich? Naja, egal…also: Azaraq, die von Reginald Bull schnell Blues getauft werden (das ist identisch zur EA), Molkex und hier (Milchstraße) wie dort (Andromeda): Kreell. Aber der Reihe nach…

Nachdem unser aller Freundin Mirona die MAGELLAN mit den Koordinaten aller (wirklich aller?) Sonnentransmitter durch das Sonnensechseck schickte, kam sie dummerweise nicht im Milchstraßenzentrum, sondern in der Eastside raus. Wieder einmal fast handlungsunfähig, mit beschädigter Positronik und weiteren technischen wie menschlich-medizinischen Problemen (kommt einem langsam bekannt vor oder?), tauchen plötzlich Diskusschiffe auf, die relativ unfreundlich reagieren und zur Kapitulation auffordern. Erst der Einsatz der Transformkanone, welcher dazu führt, dass eines der Azaraq-Schiffe seine Molkex-Panzerung verliert, führt zu Verhandlungen und einer Einladung auf den Heimatplaneten der Gataser, welche ein sogenanntes Gelege der Azaraq darstellen. Hier gilt also scheinbar zunächst das Gesetz des Stärkeren.

Die darauf folgenden Beschreibungen der gatasischen Kultur sind wirklich gelungen und angenehm zu lesen, allerdings passiert nicht viel mehr, als dass die Terraner hingehalten werden. Nach und nach wird klar, dass die Gataser nur scharf auf die Transformkanone sind.

Als Gucky im Keller des Regierungsbezirkes einen gewissen Tuire Sitareh in einem Kreellblock entdeckt (habe ich nicht vor Kurzem geschrieben, dass der bald wieder unerwartet auftaucht? 🙂 ), eskaliert die Situation. Die Delegation der Terraner um Rhodan, Bull, Tolot und Gucky flieht über den Umweg der UAC, einer Korvette, zurück zur MAGELLAN. Sitareh nehmen sie natürlich mit, denn unseren Perry überkommt ein schlechtes Gewissen, dass er Tuire in Andromeda zurückgelassen hatte.

Auch die MAGELLAN ergreift die Flucht, wird aber von einer Übermacht kurz darauf gestellt und Rhodan muss kapitulieren.

Soweit die Kurzzusammenfassung, jetzt das Fazit: Ich bin ein wenig enttäuscht. zunächst einmal stellt sich mir die Frage, warum die mächtige MAGELLAN schon wieder halb schrottreif irgendwo ankommen muss. Das ist langsam ein Konzept, was mir schwer im Magen liegt. Das Ding scheint ausgesprochen anfällig zu sein und das als „bestes Schiff, dass die Menschheit je gebaut hat“. Die zweite Frage, die ich mir (zugegeben als Altleser) stellen musste war: „Warum zum Henker heißen die Jülziish plötzlich Azaraq?“. Das fühlt sich beim besten Willen nach „NEO muss einfach aus Prinzip anders sein als die EA“ an. Zum Selbstzweck finde ich das nicht sinnvoll, aber das ist vermutlich Geschmacksache. Der Roman selber war keineswegs schlecht geschrieben, aber meines Erachtens etwas zu vorhersehbar. Mir war schon beim plötzlichen Gesinnungswandel des Ober-Blue klar, dass das am Ende eskaliert und dass die, Zitat Gucky, „Tellerköpfe“ nur auf die Transformkanone aus sind. Als der Ilt dann „vertraute Mentalimpulse“ aus dem Keller wahrnahm, musste ich sofort an Sitareh denken. Zufall? Intuition? Oder einfach zu vorhersehbar? Das mag jeder selber beurteilen.

Die Beschreibung der gatasischen Kultur hat mir, wie oben beschrieben, insgesamt recht gut gefallen. Natürlich war das nur ein Schlaglicht, aber ein durchaus interessantes und gut zu lesendes. Der Rahmen des Romans war für mich aber wie gesagt leider etwas enttäuschend. Nicht, dass die Handlung komplett schlecht gewesen wäre, aber ich hatte mir einfach mehr Neues erwartet, nicht nur einen neuen Namen für die Jülziish (ja, da muss ich drauf rumreiten :D).

Ich hoffe, nein ich bin überzeugt, die kommenden Bände erfüllen meine Erwartungen mehr.

Für die leider nicht so ganz erfüllten Erwartungen von NEO 171 bekommt „Brennpunkt Eastside“ von mir 4,5 / 10 Punkten.

PS: Das frage ich mich schon länger, wann haben die Terraner eigentlich die Deflektortechnik entwickelt? Die war irgendwann einfach da, während in den Anfangszeiten von NEO meiner Erinnerung nach nicht mal die Arkoniden Deflektoren hatten und sich mit Mimikribeschichtungen halfen. Spontaner Technikschub? 🙂

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Bye, Bye Andromeda! Ich bin weg, so schön es auch war…

Nun ist es soweit, ich bin bei der aktuellen Staffel angekommen und kümmere mich grade um den „Brennpunkt Eastside“. Bevor ich aber hier im Blog thematisch wirklich bei den Jülziish durchstarten kann, muss ich mich abschließend um Andromeda und die liebe Mirona kümmern.

Zunächst einige Zeilen zu Rüdiger Schäfer’s Abschlussroman „Abschied von Andromeda“. Der Roman brachte uns neue Erkenntnisse bezüglich Kreell, Crea und dem Creaversum…und das meines Erachtens nicht zu knapp. Was sich zuvor bereits angedeutet hatte wurde von Rüdiger bestätigt: die Crea sind nicht die mies gelaunten Invasoren, denen es Spaß macht, Völker in einem anderen Universum (oder einer anderen Dimension…so klar ist das Stand NEO 170 noch nicht) zu überfallen, zu töten und einen Lebensraum zu erobern, mit dem sie letztlich nicht viel anfangen können. Viel mehr reagieren die Crea genau so, wie die Meister der Insel auf die Bedrohung, die durch den Aufriss entstanden ist. Auch im Creaversum kommt es zu Redrifts, welche verheerende Auswirkungen haben. Genau wie die Meister der Insel nehmen die Crea die Gegenseite als Aggressor wahr und scheinen sich für einen Krieg gerüstet zu haben.

Schau an, schau an…die aus der ganz frühen EA bekannte Schwarz-Weiß-Sicht auf die Dinge bröselt in NEO immer mehr. Die Meister der Insel sind nicht die skrupellosen Despoten, die man als Altleser im Kopf hatte und nun sind auch noch die von Mirona Thetin, bzw. ANDROS, als ultimativer Feind hochstilisierten Crea eine Spezies, mit denen eine Verständigung möglich ist.

Gut so, denn so trivial funktioniert das Universum ja leider nicht wirklich.

Was ich an Rüdigers Roman wirklich schön fand, ist die Tatsache, dass er mit einem Knalleffekt, sprich einer ordentlichen Raumschlacht, startet, jedoch mit unerwartet klarer Verständigung endet. Als Leser gerät man zu Beginn tatsächlich ins Zweifeln, ob die angedeutete Verständigung zwischen Crea und Perry Rhodan doch nur eine Momentaufnahme war, welche sich später als Seifenblase entpuppt. Für einige Seiten hatte ich das Gefühl, dass Andromeda und damit auch die Milchstraße wirklich auf einen Krieg zusteuern. Am Ende des Romans und damit der Mirona-Staffel relativiert sich dieser Eindruck dann doch stark.

Was nehme ich noch mit? John Marshall bleibt als terranischer Botschafter in Andromeda, die Meister der Insel sind eine Art Zwangsverbündete, das komische Hin- und Her zwischen Tani Hanafe und Tim Schablonski findet (endlich) ein Ende und wo Tuire Sitareh steckt wissen wir noch immer nicht. Ich denke aber der taucht bald wieder irgendwo auf, wo man ihn am wenigsten vermutet. 🙂

Noch zwei Sätze zu Hanafe und Schablonski: Grundsätzlich ganz nett eingebaut, aber mein persönlicher Geschmack war dieser Teil der Story nicht. Speziell Tani’s zickiges Gebahren hat mich ziemlich genervt…deshalb das „endlich“.

Die Mirona-Staffel hatte meiner Meinung nach deutliche Höhen und kleinere Tiefen. Insgesamt hat mich Andromeda in seiner neuen Fassung durchaus gefesselt und die Darstellung der Meister der Insel fand ich absolut spitze. Egal welcher der Meister im Fokus stand, waren die Charakterdarstellungen gelungen. Ich fand Trinar Molat großartig, da er mir tatsächlich wie ein aus der EA entlaufener Meister vorkam. Aber auch Mirona Thetin, welche eine große Tiefe bekommen hat oder Proht Meyhet wurden als faszinierende und sehr facettenreiche Personen dargestellt. Das hat mir ausgesprochen gut gefallen.

Überhaupt finde ich die Charakterdarstellungen in der Mirona-Staffel sehr gelungen. Bis in die kleineren „Nebenrollen“ war das stimmig. Ich denke zum Beispiel an den kleinen, naiven Ingenieurslehrling Alexander Kapescu oder an Baar Lun. Das hat mir großen Spaß gemacht.

Die Crea-Idee finde ich sehr spannend. Ein wenig erinnert mich das Konzept natürlich an die Druuf aus der EA, allerdings schon deutlich verändert und moderner. Anteilig hat mich die Stimmung an „Alien“ denken lassen, war halt schon düster.

Grandios fand ich übrigens auch Hak Gekkoor. Der hat mich, man möge es mir verzeihen, in Kombination mit Faktor II irgendwie an Star Wars erinnert…die beiden waren ein wenig wie der Imperator und Darth Vader. So wunderbar fiese Bösewichte braucht es dann eben doch! Die Lösung, mit der Faktor II „entsorgt“ wurde war dabei der krönende Abschluss. Ich bin sehr gespannt ob man von Gekkoor nochmal was hört, ich hoffe es sehr.

Was mich ein wenig, aber wirklich nur ein wenig störte, war die scheinbar endlose Hetzjagd auf die MAGELLAN. Das Spielchen „Gegner findet MAGELLAN, MAGELLAN entkommt mit größter Mühe“ wurde mir etwas zu oft gespielt. Aber das ist Jammern auf hohem Niveau! Auch diese Anteile waren insgesamt trotzdem gut zu lesen. Mehr „Gemeckere“ habe ich im großen Rahmen auch gar nicht.

Ich war abschließend gesagt, überrascht, wie viele ethische und moralische Überlegungen in dieser Staffel angestellt wurden. Wie ich schon sagte, geht NEO hier ganz bewusst vom Kozept gut/böse weg und beschreibt auch die Antagonistern sehr ambivalent. Bemerkenswert finde ich dazu folgenden Ausspruch von Mirona Thetin in NEO 170, Seite 142:

>>Wollen Sie mir mir über philosophische Prinzipien diskutieren?<<, fragte Thetin. >>Wir alle schaffen uns unsere Tatsachen. Zu mehr ist dieser winzige Klumpen aus Nervenzellen, den wir in unserem Schädel mit uns herumschleppen, gar nicht fähig. Das Leben ist einfach – erst die Intelligenz macht es kompliziert. Wenn Sie das einmal begriffen haben, gibt es keine Geheimnisse mehr.<<

Da liegt tatsächlich viel Wahrheit drin…

Unser lieber „Beuteterraner“ Atlan zitiert auch in diesem NEO immer wieder gern altarkonidische Weißheiten. Im Gedächtnis geblieben (vermutlich weil er sie gebetsmühlenartig wiederholte) ist mir folgende:

>>Gestern Abend starb die Vergangenheit. Heute Morgen wurde die Zukunft geboren.<<

Hach, wie poetisch! 🙂 Aber ich finde dieses Zitat ist ein perfekter Schlusssatz, denn das trifft in etwas angepasster Form für mich auf die Mirona-Staffel und die Blues-Staffel zu.

In diesem Sinne: Ich freue mich auf die Jülziish und werde natürlich fleißig weiter schreibseln! Man liest sich.

PS: Ich versuche mich ja aktuell an einer NEO-Fortsetzungsgeschichte. Wer mag findet sie oben im Menü unter „Eine galaktische Odysee“. 🙂

Beute und Jäger – NEO 166 war irgendwie wie Achterbahn fahren…

Nach berufsbedingter Lesepause habe ich das Wochenende (neben der Befriedung  meiner kreischenden Töchtern durch einen Ausflug an den See) zur Vollendung von NEO 166 – Beute und Jäger genutzt. Dieser NEO hat es mir nicht so ganz leicht gemacht und ich hatte während des Konsums mehrfach das Gefühl in einer Achterbahn zu sitzen.

Die ersten hundert Seiten als langweilig zu bezeichnen wäre sicher ziemlich unfair, wirklich langweilig waren sie auch nicht. Allerdings war das Lesen für mich mühsamer als seit langer Zeit bei NEO gewohnt. Aber dann! ABER DANN! Dann war Herr Endler der Meinung, den zuvor etwas langsamen Bummelzug auf mindestens Mach 4 beschleunigen zu müssen!

Die sich natürlich auf den ersten einhundert Seiten anbahnende Raumschlacht zwischen dem Hetzgeschwader von Faktor II, der PE-hilfreich und der MAGELLAN sowie der im letzten Moment dazustoßenden FERNAO und der DOLAN (ja, das Schiff von Icho Tolot heißt DOLAN und ist laut Beschreibung auch noch genau DAS! Geile Sache oder? 🙂 ) war ein unglaubliches Feuerwerk! Wie Arno Endler die Facetten der Schlacht aus vielen verschiedenen Perspektiven in teilweise sehr kurzen und immer wieder wechselnden Abschnitten schildert war knallermäßig. Da wechselt der Blickwinkel vom Piloten einer Dragonfly im direkten Kampf mit einem Schiff des Hetzgeschwaders, der Rettungsaktion hunderter Paddlerkinder durch Autum Legacy (diese Schreibweise hat sich inzwischen scheinbar etabliert), dem Kampf um die Stabilität des Libraschirms von Tim Schablonski, den Paddlern und Tani Hanafe und der Kamikaze-Rettungsaktion eines Korvettenkommandanten namens „Schmidti“ und seiner LITTLE SCHMIDT CORVETTE zu den „Klängen“ von „Ring of Fire“! Wahnsinn!

Merkt man, dass mich diese Raumschlacht irgendwie begeistert hat? 🙂 Bei aller Überschwenglichkeit sei aber auch gesagt, dass der komplette Roman die Gesamthandlung nur marginal weitergebracht hat und somit durchaus unter den Schmähruf des „Lückenfüllers“ fallen könnte. Die Situation vor und nach diesem Roman hat sich nur insofern entwickelt, dass die FERNAO und die MAGELLAN wieder vereint sind, Tolot mit seiner DOLAN zur Unterstützung eilte und sowohl die Paddler, als auch die MAGELLAN (mal wieder) angeschlagen sind. Außerdem sind vom Hetzgeschwader erneut einige Schiffe entkommen, so dass wir möglicherweise ein weiteres Mal von Hak Gekkoor hören werden. Dessen Perspektive hat mir auf den letzten Seiten übrigens gefehlt, da er zuvor penibel aufgebaut wurde. Schade, aber vielleicht fehlten da einfach die nötigen Seiten…

Was ich in der Tat nicht ganz nachvollziehen konnte, war Rhodans Versuch am Ende Tolot zu bändigen, der in seinem Mutterinstinkt ein Schiff des Hetzgeschwaders nach dem anderen aus dem All pustete. Humanität hin oder her, aber die wollten schlicht alle Terraner und Paddler auslöschen und ohne den rücksichtslos kämpfenden Tolot wäre das wohl auch gelungen.

Dann wäre da abschließend noch die Sache mit Strahltimansturmderphotonen. Dieser Name…wer hat sich den nur ausgedacht? Würde mich wirklich interessieren, war das Herr Endler selbst oder stand das Ding SO im Exposé? 🙂 Ich hatte da irgendwie ein Ende mit größerem Knalleffekt erwartet, aber letztlich war das trotzdem eine nette Nebenhandlung.

Ich finde die beste Zusammenfassung für diesen insgesamt großartigen „Lückenfüller“ ist:

I fell into a burning ring of fire,

I went down, down, down

and the flames went higher.

And it burns, burns, burns,

the ring of fire,

the ring of fire.

In diesem Sinne auf zu NEO 167 und dann hoffentlich inhaltlich neuen Enthüllungen!

Fazit:

Insgesamt: achterbahnartige 7/10 Punkten