Die Expokraten brennen ein Feuerwerk ab, und zwar „Am Ende aller Tage“

Große Vorfreude, große Erwartungen und ein wenig Skepsis ob der vielen offenen Fragen hielten sich im Vorfeld dieses Epochenfinales bei mir die Waage. Die Vorfreude war durchaus berechtigt, die Erwartungen wurden zu großen Teilen erfüllt, allerdings hatte auch meine Skepsis ihre Berechtigung. Aber dazu später mehr.

Worum geht es in „Am Ende aller Tage“?

Der Titel passt hervorragend zu einem Roman, der die Ereignisse von 85 Millionen (Handlungs-) Jahren abschließt, oder? Ich persönlich fand das sehr treffend. Natürlich geht es im Staffel- und Epochenfinale um den Abschluss des großen Feldes um den Konflikt zwischen ANDROS und ES, das Ende des sogenannten Ringens, darum, ob die Menschheit weiter existieren darf oder pulverisiert wird und ein bisschen auch darum, welche Haupt- und Nebenfiguren noch über die Klinge springen müssen. Ganz viel Stoff für ganz knappe 160 Seiten wie ich finde.

Die ausführliche Zusammenfassung findet ihr wir immer hier:

https://www.perrypedia.proc.org/wiki/Am_Ende_aller_Tage

Wie hat mir „Am Ende aller Tage“ gefallen?

Vorneweg: insgesamt sehr gut! War der Abschluss perfekt? Nein, aus meiner Sicht nicht…aber wer oder was ist schon wirklich perfekt? War der Abschluss spannend, unterhaltend, mitreißend und im Großen und Ganzen rund und gelungen? Aus meiner Sicht definitiv! Unsere Expokraten haben hier ein echtes Feuerwerk abgebrannt. Um das etwas klarer zu besprechen muss ich (zumindest ein wenig) spoilern:

Dass unser guter, alter Perry irgendwie überlebt war wohl so ziemlich jedem, der in irgendeiner Weise mit der Materie vertraut ist, klar. Wie er das schafft, fand ich persönlich etwas eigen, siehe unten, aber klar war es. Dass Tuire Sitareh über die Klinge springen soll oder muss, wurde vorher oft genug erwähnt. Allerdings bleibt diese Tür – zumindest einen winzigen Spalt breit – offen, denn sein endgültiger Tod wurde nicht erwähnt! Ich glaube zwar nicht daran und es wäre auch schwierig, das glaubhaft zu verkaufen, aber ein wenig hoffe ich noch immer, dass der olle Aulore wieder auftaucht. Ich mochte diese Figur immer sehr gerne.

Insgesamt kommt das Finale mit erstaunlich wenigen – bestätigten – Toten aus, nämlich mit genau einem: Huang Wei, der für ein Täuschungsmanöver von ES in den Tod ging. Alle anderen sind wohlauf.

Die verschiedensten Handlungsfäden wurden von Rüdiger und Rainer in diesem Band zusammengeführt. Angefangen von der Frühzeit von NEO bis hinein in die aktuelle Staffel. Ich finde, dass die beiden das sehr schön gelöst haben und tatsächlich das Spielfeld einmal komplett freigeräumt haben für die neue, kommende Epoche. Mir hat dieser NEO wahnsinnig viel Spaß gemacht und ich habe ihn „in einem Rutsch“ gelesen, was bei mir eher selten vorkommt. Ein paar kleine ABERs gibt es dann allerdings doch noch:

Was war nicht ganz so gelungen?

Mir fehlten ein paar Dinge in diesem Abschluss. Zunächst einmal: wo zur Hölle sind Eric Leyden, Abha Prajapati und Luan Perparim? Die wurden mit Tro Khon so effektvoll aus der Handlung geschrieben, dass ich mir absolut sicher war, dass sie irgendwie mit einem Knalleffekt im Abschlussband auftauchen. Aber keiner davon, auch nicht Tro Khon. Am Ende dachte ich, ich habe ein paar Seiten ausgelassen. Das hat mich ziemlich irritiert und ich hoffe, dass diese Figuren wieder auftauchen, denn sie stillschweigend zu vergessen würde mich wirklich ärgern. Das macht ihr nicht liebe Expokraten oder? Ihr wollt mich nicht ärgern, oder? 😉

Dann ist da diese Sache mit dem Geschenk von Avandrina di Cardelah auf dem Mars. Da war doch was? Ich dachte auch hier, dass wir noch mehr erfahren, vermute und hoffe aber stark, dass das in NEO 200 erfolgt. Hier kann ich noch ganz gut akzeptieren, wenn das später geklärt wird, beim Leyden-Team bin ich – wie gesagt – mehr irritiert.

Ein weiterer offener Handlungsfaden: dieses komische Artefakt aus NEO 188, welches Icho Tolot damals unter Einsatz seines Lebens und eines seiner Herzen Massmer Tronkh entwendet hat. Danach hat man von dem Ding nie mehr gehört! Dabei schien es in dem Roman so ungemein wichtig und geheimnisvoll. Was war das denn? Da habe ich seitdem drauf gewartet, denke aber, dass ich auch weiter warten werde…und zwar erfolglos. 😦

Zu guter (oder schlechter) Letzt: Rhodans Rettung durch Atlan und Mirona. Ganz ehrlich ist das für mich irgendwie haarsträubend an selbigen herbeigezogen gewesen. Es herrscht das absolute hyperphysikalische Chaos, die Verrytsphäre ist angeblich das einzige Schiff, welches sich Palagola nähern kann und das dabei nicht sofort zerbröselt. Es wird sogar explizit erwähnt, dass auch Schaltschiffe der Meister der Insel Probleme bekommen…und dann, kurz vor Perrys Exitus finden die beiden Turteltauben den Terraner in seinem ultimativen Anti-ANDROS Schiffchen, welches auseinanderfällt und retten ihn per spontan aufgebautem Halbraumtunnel, Millisekunden bevor es tatsächlich pulverisiert wird…

Mir war das zu viel seltsamer Zufall. Versteht mich nicht falsch, ich weiß selber keine viel bessere Lösung, aber diese war mir zu konstruiert. Allerdings muss ich es auch nicht besser machen, ich bin ja kein Autor, geschweige denn Expokrat. 😉

Fazit:

Bei aller Kritik – ich finde die muss erlaubt sein – hat mich NEO 199 wahnsinnig gut unterhalten und hat die meisten Handlungsfäden zu einem würdigen und sinnvollen Abschluss gebracht. Es gab das nötige Feuerwerk, es gab Pathos, es gab Überraschungsmomente (wenn auch nicht so viele wie ich dachte) und es gab ein happy End. Wie gesagt würde ich nicht von perfekt sprechen, von sehr gut aber allemal. Daher für das Staffel- und Epochenfinale:

8 von 10 Punkten.

Nun ist die Vorfreude auf NEO 200 angesagt…Kolonien, das heißt Siganesen, Plophoser, Epsaler und viele mehr. Dazu Tekener und „der Mann aus Glas“. Was für NEO-Aussichten! 🙂

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Rüdiger Schäfer erzählt die Geschichte von „Tuire“

Im Laufe der Zeit hat sich Tuire Sitareh, der mysteriöse Aulore ohne Gedächtnis, aber dafür mit einem geistigen Begleiter der Sorte „Extrasinn – aber irgendwie anders“, zu einem meiner Lieblingscharaktere bei NEO entwickelt. Immer irgendwie geheimnisumwittert und sich selbst nicht geheuer, hat er mir immer viel Spaß gemacht. Nun heißt der aktuelle NEO „Tuire“, es war also klar um wen es gehen wird. Die Vorfreude war bei mir persönlich riesig , zumal mit Rüdiger Schäfer auch noch einer meiner liebsten NEO-Autoren auf dem Cover steht. Gute Voraussetzungen!

Worum geht es in „Tuire“?

Das geht – glaube ich – durch ohne als Spoiler zu gelten: es geht um die Lebensgeschichte von Tuire Sitareh. Dieses Mal die vollständige Lebensgeschichte. Bruchstücke haben wir nach und nach ja immer mal wieder bekommen, aber hier liegt sie nun offen vor uns: die Story des mysteriösen Auloren. Wir erfahren heuer sogar was ein „Aulore“ eigentlich ist. Das fand ich ja beim Lesen irgendwie grandios gelöst. 🙂

Eine ausführliche Zusammenfassung findet ihr, wie immer, hier:

https://www.perrypedia.proc.org/wiki/Tuire

Wie hat mir „Tuire“ gefallen?

Ehrlich gesagt bin ich beim Schreiben dieser Zeilen noch minimal unschlüssig. An sich würde ich sagen, das war ein sehr starker NEO den Rüdiger da (mal wieder) abgeliefert hat. Die Story hat mich fast durchgehend gefesselt, Tuire Sitareh ist – sagte ich das schon? – ein cooler Charakter, wir werden durch Höhen und gaaaanz tiefe Tiefen seines Lebens geführt und am Ende ist sein Mysterium für den Leser gelöst.

Tuire bekommt in diesem Roman noch mehr Tiefe als er ohnehin schon hatte, flüchtige Bilder seiner Vergangenheit aus vorigen Romanen bekommen einen sinnvollen Kontext – das hat Spaß gemacht.

Was war nicht ganz so gelungen?

Ich fand die Entwicklung des Charakters schon grundsätzlich toll beschrieben, an zwei oder drei Stellen aber irgendwie für meinen Geschmack zu „sprunghaft“…mir fällt kein besseres Wort dafür ein.

Dazu folgender, kleiner SPOILER:

Tuire durchlebt mindestens zwei Mal von jetzt auf gleich sehr gegensätzliche Emotionen wie „Ich bin ein schlimmer Loser“ zu „Ich nehme mein kosmisches Schicksal an, schaka wir schaffen das!“.

Auch wenn sowohl Ernst Ellert als auch Avandrina di Cardelah sicherlich so ihre eigenen, ganz speziellen Möglichkeiten haben, schien mir das doch „per Handauflegen“ irgendwie sehr abrupt.

Dann das Ende des Romans…

Auch hier SPOILERWARNUNG: Ich muss gestehen, dass ich das Ende nur bedingt verstanden habe. ES gesteht Thora, dass er bzw. sie eigentlich gekommen ist um der Arkonidin „persönlich“ zu sagen, dass Tuire und Perry sterben müssen, damit ANDROS besiegt werden kann. Okay…das kann er ja machen, aber warum erzählt er vorher die ausführliche Lebensgeschichte von Tuire Sitareh? Das erschließt sich mir irgendwie nicht zu 100%, aber wer bin ich, dass ich ES verstehen will? 😉

Fazit:

Insgesamt, den Schluss vielleicht mal etwas ausgeklammert, ein wirklich guter NEO. Vielleicht nicht ganz so grandios wie der Vorgänger, aber trotzdem weiter auf dem sehr hohen Niveau der Bestien-Staffel. Rüdiger Schäfer kriegt von mir für „Tuire“ daher

8,5 von 10 Punkten.

Rüdiger Schäfer weiß was passierte „Als ANDROS kam …“

Zunächst einmal: durch die ollen Feiertage habe ich NEO 190 leider erst mit einer Woche Verspätung erhalten, daher auch die sehr späte Rezension…aber was soll’s. 🙂

Also startete ich verspätet aber trotzdem sehr gespannt in das Staffelfinale…stand ja einiges auf dem Programm.

Worum geht es in „Als ANDROS kam …“?

Kurz zusammengefasst passiert das, was sich im vergangenen Roman bereits andeutete: ANDROS und seine kleinen, süßen Bestien erscheinen im Solsystem und sorgen für ein wenig Chaos.

Eine ausführliche Zusammenfassung findet ihr, wie immer, hier:

https://www.perrypedia.proc.org/wiki/Als_ANDROS_kam_…

Wie hat mir „Als ANDROS kam …“ gefallen?

Alles in allem würde ich hier sagen „gut“. Der Roman war spannend, hatte ein paar nette Wendungen, wenn auch keine vollkommen überraschenden und war flüssig zu lesen. Mir hat besonders die Perspektive des kleinen Mädchens aus Frankfurt gefallen, welche Rüdiger wirklich glaubhaft und gut schilderte. Das war „nice“ wie mein Neffe sagen würde.

Es wurden auch einige Dinge zusammengefasst, die sich in den letzten Romanen gesammelt hatten und teilweise wurden sie auch etwas weiterentwickelt. Abgeschlossen wurde dagegen aber irgendwie nicht ganz so viel.

Was war nicht ganz so gelungen?

Damit wären wir auch gleich beim springenden Punkt. Der Roman fühlt sich nicht wie ein Staffelfinale an. Es wird wenig bis gar nichts abgeschlossen, der Roman zeigt sich wie der Rest der Staffel: grundsätzlich mit guten Ansätzen, aber irgendwie etwas „zerfahren“. Die ganze Allianz-Staffel war für mich zum Teil etwas zusammenhanglos und wirr. Dazu kamen – speziell über die letzten drei Romane – wirklich eklatante Logikfehler, die mich genervt haben. Aus meiner Sicht wird das Konstrukt durch NEO 190 zwar etwas, aber nicht wesentlich besser und es bleibt einfach sehr vieles offen und unklar.

Fazit:

Das oben beschriebene Szenario ergibt meines Erachtens allerdings auch eine Chance für die folgende Bestien-Staffel. Denn hier können die Autoren jetzt endlich – wie ja angekündigt – alle Fäden zusammenführen und den großen Block um die Allianz und das Creaversum komplett abschließen. Ich hoffe sehr, dass das gelingt und weniger holprig anmutet als die Allianz-Staffel, welche ich persönlich als die schwächste seit den Meistern der Sonne empfand…und die komischen Sitarakh haben mich damals dermaßen genervt…aber lassen wir das. 🙂

Ich glaube man hätte gut daran getan, in diesem Fall von der festgelegten Staffelgröße von zehn Romanen abzuweichen und eine große 19er Abschlussstaffel daraus zu machen. Das hätte zumindest die Erwatungen in NEO 190 nicht so hoch angesetzt. Meine Erwartungen konnten dadurch bedingt nämlich nur teilweise erfüllt werden.

Schwamm drüber, jetzt geht’s in die Bestien-Staffel und da wird alles viel besser, oder? 🙂

Rüdiger Schäfers Roman war einzeln betrachtet für mich ein sehr ordentlicher, für ein Staffelfinale fehlte mir aber ein bisschen was. Daher gibt es für „Als ANDROS kam …“ 6/10 Punkte.

Kai Hirdt gibt Einblick in „Die Bestie in mir“

Kai Hirdt, Bestien und Icho Tolot auf dem Cover. Das weckt hohe Erwartungen! Das wohl! Ach stop…anderes Universum. 🙂

Aber auch die Leseprobe, welche es vorab gab, hat meine Hoffnung bestärkt, dass nach einem schwachen und einem inhaltlich mittelstarken NEO nun wieder ein richtig guter folgen könnte. Die hohen Erwartungen, ich nehme es hier mal vorweg, konnte der Roman zu großen Teilen, aber nicht komplett halten.

Worum geht es in „Die Bestie in mir“?

Ohne zu viel zu verraten, es geht zu einem nicht unwesentlichen Teil um den inneren Kampf von Icho Tolot, der auf eine für ihn ganz besondere Mission gehen muss. Außerdem erfahren wir was auf Layl vorgeht und – zumindest anteilig – was die Bestien vorhaben. Dass wir in diesem Roman auf Bestien treffen geht vermutlich nicht mehr als Spoiler durch. 🙂

Eine ausführliche Zusammenfassung findet ihr, wie immer, hier:

Perrypedia

Wie hat mir „Die Bestie in mir“ gefallen?

Haluter, Bestien, Action ohne Ende und all das von Kai Hirdt in Szene gesetzt. Was soll ich mehr schreiben, das ist eine explosive Mischung. Wir erfahren auch endlich mal wieder wichtige und für die Kontexthandlung relevante Dinge, was ja in letzter Zeit seltener war. Der Roman schildert außerdem ungewohnt drastisch Gewaltausbrüche. Das ist vielleicht nicht jedermanns Ding, trägt aber in Verbindung mit den Bestien sehr zu Atmosphäre bei. Schließlich sind das schon ziemlich üble Gesellen.

Was war nicht ganz so gelungen?

Achtung kleiner Spoiler:

Gegen Mitte des Romans kam ich mir ein wenig vor wie in einem Actionrollenspiel ála Diablo 3: vier Roboter greifen an – Gucky zerstört sie mit Telekinese – vierundzwanzig Roboter greifen an – Gucky haut die mit super-special-Telekinese auch weg. Eine Bestie greift an – Tolot gesiegt sie per Trick – zwei Bestien greifen an…usw. Das war natürlich actiongeladen, aber irgendwie einen Hauch to much. 😉

Dann ist da noch die Sache mit dem dunklen Schrein. Das zieht sich inzwischen auch ein wenig: zweiter Einsatz auf Layl und die Erkenntnisse halten sich erneut in Grenzen. Mal sehen, ob der Einsatz sich überhaupt gelohnt hat. Ich denke das erfahren wir im nächsten NEO.

Fazit:

Bei all der Kritik in den letzten Wochen – speziell an NEO 186 – möchte und muss ich dieses Mal doch wieder positiver werten. NEO 188 war gut. Das lag nicht nur am Autor, der wie gewohnt eine wirklich gute Leistung erbrachte, sondern in diesem Fall auch am Exposé. Der Roman war insgesamt rund und eine willkommene Abwechslung zu den ganzen Deus ex machina der letzten beiden NEOs. Dass der Einsatz eher schwierig verlief und das Team auch ordentlich was abbekommt macht es viel realistischer und die bedrohliche Atmosphäre war für mich wirklich spürbar. In der Hoffnung, dass es mit beginnendem Staffelfinale in zwei Wochen so weitergeht, freue ich mich schon jetzt auf NEO 189.

Dieser wirklich gelungene NEO bekommt gute 8,5/10 Punkte.

Michelle Stern und Rüdiger Schäfer sind „Im Labyrinth des Geistes“

Klaus N. Frick hatte ja angekündigt, dass zum ersten Mal ein NEO-Roman von einer Autorin und einem Autor gemeinsam geschrieben wurde. Das stimmt zwar nicht, denn Madeleine Puljic und Kai Hirdt haben auch schon einen NEO in Zusammenarbeit abgeliefert, aber gespannt war ich trotzdem. Michelle Stern hatte sich ja bei NEO etwas rar gemacht, ich mag aber ihren Stil zu schreiben. Rüdiger Schäfer ist für mich persönlich seit langer Zeit ohnehin fast über jeden Zweifel erhaben. Daher erwartete ich einen Hammerroman.

Worum geht es „Im Labyrinth des Geistes“?

Zunächst mal: wir haben nur zwei statt vier Handlungsebenen. Dazu wurde die Aufteilung sehr viel angenehmer gestaltet. Immer zwei Kapitel eines Handlungsstranges wurden aneinandergereiht, so dass ein recht flüssiges Lesen möglich war und nicht das Gefühl einer völlig „zerfaserten“ Handlung aufkam, wie ich es bei NEO 184 hatte. Die Handlungsstränge führen zum einen die Geschehnisse um die von den Naiir gefangene Rhodan-Gruppe, zum anderen die Erlebnisse der Rhodan-Söhne auf Luna – genauer gesagt in NATHAN – weiter.

Ein großer Teil des Romans hat sich gelesen wie eine Mischung aus psychedelischem Trip und vielen Kurzgeschichten. Speziell der Strang um Thomas und Farouq Rhodan war speziell.

Eine ausführliche Zusammenfassung findet ihr wie immer hier:

Perrypedia

Wie hat mir „Im Labyrinth des Geistes“ gefallen?

Im Prinzip habe ich das Gefühl zwei Romane einzeln betrachten zu müssen – zu verschieden waren die Handlungsstränge. Fangen wir mit dem Strang von Perry an. Der war extrem aufschlussreich, brachte echte Augenöffner in Bezug auf den kosmischen Überbau von NEO. Hier werden Zusammenhänge hergestellt, dass einem als NEO-Leser nur so das Herz aufgeht. Der Abschlussteil dieser Handlung war wiederrum herzzerreißend und auch wenn das als Minispoiler gewertet werden könnte: Ich konnte mir ein, zwei Tränen nicht verkneifen, was mir nicht peinlich ist, mir aber ausgesprochen selten passiert.

Der zweite Handlungsstrang war eine gefühlte Kurzgeschichtesammlung mit Tom und Farouq Rhodan in verschiedensten virtuellen Situationen und zumindest teilweise mit dem Gefühl, dass die Protagonisten irgendwie auf einem wirren Trip waren. Okay, das ist auf gewisse Weise ja auch wirklich so gewesen ohne damit zu viel zu verraten. Spannend zu lesen allemal, im Vergleich mit dem anderen Teil hatte ich damit aber mehr Schwierigkeiten. Schön war es, dort der einen oder anderen „alten Figur“ nochmal zu begegnen.

Was war nicht ganz so gelungen?

Wie gesagt, die Handlung um Tom und Farouq hat mir persönlich nicht ganz so gut gefallen wie der andere Strang und ich bin immer noch nicht im Klaren darüber – was natürlich so sein soll – worauf das Ganze hinausläuft.

Der Perry-Strang war ebenfalls ein wenig „tripartig“, aus dem Vorgängerroman weiß man ja, dass die Gruppe an eine Laurinmaschine angeschlossen wurde, die die Erinnerungen erforschen soll. Das hat mich auch weniger gestört. Was ich seltsam fand war eher die „Lösung“ des Quarantäne-Problems auf der MAGELLAN…mehr kann ich aber ohne zu spoilern nicht schreiben. 🙂

Fazit:

Grundsätzlich ist der Roman meinen Erwartungen mit ein paar kleineren Abstrichen gerecht geworden. Mein persönlicher Geschmack wurde anteilig genau getroffen, anteilig aber eben mit kleinen Einschränkungen. Wenn ich die Handlungsstränge einzeln werten müsste, würde die Perry-Handlung 8,5 Punkte und die Tom-Handlung 7 Punkte bekommen. Der Schnitt daraus sind 7,75 also gerundete 8 Punkte.

So bekommen Michelle Stern und Rüdiger Schäfer für NEO 185 von mir insgesamt sehr gute 8/10 Punkte!

Rainer Schorm „Im Reich der Naiir“

Ich verbinde ja mit den Romanen von Rainer Schorm ambivalente Gefühle. Irgendwie weiß ich bei ihm vorher nie, was mich erwartet und ob ich mich darauf freuen soll. Ich habe schon sehr gute NEOs von Rainer gelesen, aber leider auch welche die mich weniger begeistern konnten. „Im Reich der Naiir“ war in der Tat irgendwo dazwischen, was aber vor allem an zu vielen Handlungsebenen lag, weniger am Inhalt der Handlung.

Worum geht es „Im Reich der Naiir“?

Wie im Vorgängerroman von Susan Schwartz bietet uns auch dieser NEO mehrere Handlungsebenen an. Wir erleben mit, wie es den Rhodanbengels Tom und Farouq auf Luna ergeht, die Entwicklung von Sol wird weiter geschildert und die MAGELLAN kämpft so mit eigenen Problemen. Nicht zu vergessen die FERNAO, die mal wieder losgelöst vom Mutterschiff unterwegs ist und ein Einsatzkommando auf einem – sagen wir mal ungewöhnlichen – Planeten absetzt.

Eine ausführliche Zusammenfassung findet ihr, wie immer, hier:

Perrypedia

Wie hat mir „Im Reich der Naiir“ gefallen?

Tja, an sich war die Handlung spannend, gut geschrieben und es gab neue Erkenntnisse. Manche sogar mit einem gewissen „WOW-Effekt“. Einzelne Charaktere wie Icho Tolot oder auch die Rhodan-Bengel sind hervorragend beschrieben und haben wirklich Spaß gemacht. Was mich total gefreut hat war, dass Rainer den Dilatationseffekt beschreibt, als die FERNAO mit annähernder Lichtgeschwindigkeit fliegt. Für die Besatzung vergehen Minuten, für den Rest 8,5 Stunden. Das ist ein Thema, welches sonst gern vernachlässigt wird. Great!!!

Was war nicht ganz so gelungen?

Viele Handlungsstränge in einem Roman sind meines Erachtens gefährlich, getreu dem Motto „zu viele Handlungen verderben die Geschichte“…oder waren das Köche? Ach egal…in diesem Fall bin ich unschlüssig.

Zum einen gefällt mir die Handlung der einzelnen Handlungsstränge durchaus gut, besonders auf Luna und auf der MAGELLAN beschreibt Rainer Schorm faszinierende Ereignisse. Auch Rhodans Expedition erlangt Einblicke, die viele Prognosen und Spekulationen erlauben und Lust auf mehr machen. Zum anderen wirkt der Roman aber durch die vier Handlungsebenen auf mich irgendwie zerrissen. Ich bin damit nicht so ganz glücklich geworden, auch wenn die Einzelhandlungen gut waren.

Dann noch etwas, was mich einfach nur etwas genervt hat: auf Seite 40 steht „Die Evakuierung von Vulkan war erfolgreich und wir haben keine Leute verloren“ Keine Leute verloren? Hallo? Zwei komplette Schiffe sind in NEO 183 draufgegangen, einfach weggepustet von der im Roten drehenden Sonne… Ich weiß, dass ist literarisch eine Kleinigkeit und ich bin da vielleicht etwas empfindlich, aber wenn Susan Schwartz ein Schiff mit tausenden Terranern wegbombt, sollte das im Folgeroman auch immer noch so sein, oder? Aber vielleicht hat das doofe Zeitkreell ja die Zeitlinie verändert und das Schiff gerettet? 🙂

Fazit:

Tja, wie gesagt, ich bin mir nicht sicher…an sich gefiel mir die Handlung in drei von vier Handlungssträngen. Der Strang um Merkur war etwas aufgebläht und besaß wenig Inhalt (Achtung Mini-Spoiler!): Merkur wird evakuiert und beim Chasma bildet sich Zeitkreell. Das wäre auch mit deutlich weniger Platz und Aufwand möglich gewesen. Nicht, dass es schlecht geschrieben war, auch die Charaktere sind nett, aber ich fand diese Handlungsebene etwas…wie soll ich sagen…nutzlos? Was sie aber geschafft hat ist, aus einem schon mit drei Ebenen stark gesplitteten Roman ein wahres Puzzlespiel zu bauen. Für meinen Geschmack war das zu viel.

Da die Handlung insgesamt aber trotzdem spannend war, bekommt Rainer Schorm für diesen NEO von mir 6,5/10 Punkte!