Ruben Wickenhäuser „lockt mit Kreell“

…und das durchaus erfolgreich möchte ich meinen. Der Roman war Ruben’s Debüt für Perry Rhodan NEO, ich kannte ihn zuvor noch gar nicht. Daher zunächst ein paar Worte zum Autor bevor ich zum Inhalt komme.

Ich habe den Stil von Ruben Wickenhäuser als ausgesprochen erfrischend empfunden. Seine Darstellung der einzelnen Personen war sehr glaubwürdig und er hat eindeutig ein Händchen für Gucky! Den NEO-Gucky habe ich lange nicht so lebhaft und gut erlebt wie in „Lockruf des Kreells“! Aber auch seine Darstellung der einzelnen Blues fand ich wirklich gut. Ich hoffe, wir bekommen noch mehr von ihm zu lesen, danke für diese sehr unterhaltsamen 160 Seiten!

Zum Inhalt: aus meiner Sicht, bzw. meiner Erinnerung, gab es ein paar Unstimmigkeiten und Logikfehler. Einer soll an dieser Stelle benannt werden: in den beiden vorigen Romanen wurden die Azaraq (ja…ich nutze jetzt diesen seltsamen Namen…) als Volk ohne Handelsmentalität geschildert. Hier haben wir plötzlich Prospektoren, Geschachere um Molkex und den Wusch nach persönlichem Reichtum. Klar könnte man argumentieren, dass wir mit den Tentra die dritte Volksgruppe der Blues kennenlernen und diese andere Verhaltensweisen zeigen. Allerdings wird sich die tief verankerte Grundmentalität, dass es keinen persönlichen Besitz gibt und jeder sich überall bedienen kann, nicht komplett von der der Gataser oder der Hanen unterscheiden…oder etwa doch?

Aber Schwamm drüber, der Roman an sich war zu gut um sich über Kleinigkeiten zu ärgern. Die MAGELLAN fliegt auf dem Weg nach Droo Karuuhm in ein System der Tentra ein und bekommt mit, wie sich eine planetare Katastrophe ereignet. Ausgelöst durch die Überheblichkeit oder Dummheit zweier, sich duellierender Raumschiffskapitäne, gibt es auf dem Prospektorenplaneten einen Asteroideneinschlag. Auf dem Planeten leben Blues, welche Molkex schürfen sowie ein eingeborenes, eher primitives Volk namens Hemasch, mit dem die Blues bis zur Katastrophe Handel treiben.

Nach dem Einschlag, unter dem die Blues auf dem Planeten ebenso zu leiden haben wie die Hemasch, bricht ein Konflikt zwischen den beiden Gruppen aus, der sich zu einem Krieg auszuweiten scheint. Die Hemasch geben, korrekterweise, den Blues die Schuld am Einschlag und der Vernichtung einer ihrer Städte.

In dieser Situation tritt die MAGELLAN auf den Plan. Perry beschließt, wie wir ihn kennen, dass es die Pflicht der Terraner ist, Hilfe zu leisten. Nebenbei wird ein Impuls vom Planeten aufgefangen, der dazu führt, dass der Darojib von Tuire Sitareh sich gelb verfärbt. Dies wird als Warnzeichen aufgenommen und soll natürlich erforscht werden…die Terraner sind wie immer neugierig. Sitareh wurde zuvor aus dem Kreellblock befreit, ist aber noch nicht bei Bewusstsein.

Rhodan macht sich also mit der FERNAO auf den Weg direkt auf dem Planeten zu helfen und den Impuls zu erforschen, begegnet dabei sowohl Blues als auch Hemasch, kann den Konflikt nach einigen Schwierigkeiten beenden, den Tentra die Heilung gegen den gelben Tod bringen und findet mit Gucky und der Hilfe zweier Blues auch den Ursprung des Impulses, nämlich einen großen Kreellblock in welchem augenscheinlich viele insektenartige Wesen leben und sich darin bewegen! Bei der Überlegung den Block mit in die FERNAO zu nehmen, was Eric Leyden vehement fordert, kommen die Gefährten zu dem Schluß, dass dies deutlich zu gefährlich sei. Daher ziehen sie, nachdem Messungen vorgenommen wurden, wieder ab.

Tuire ist inzwischen erwacht, kann sich jedoch zunächst an keine Einzelheiten seit seiner Trennung von den Terranern in Andromeda erinnern.

Der Blue Jepprafomm, welcher erst von den Terranern, genauer gesagt von Gucky, gerettet wurde und diese dann auf dem Planeten tatkräftig unterstützte, schließt sich der MAGELLAN an und das Schiff fliegt weiter Richtung des ursprünglichen Zieles Droo Karuuhm.

Meine grobe Zusammenfassung kann natürlich in keiner Weise die wirklich spürbar düstere Stimmung des Romanes wiedergeben. Atmosphärisch war das wirklich gelungen und hat mir großen Spaß gemacht. Inhaltlich gab es keine ganz großen Erkenntnisse, aber das ist ja nicht immer notwendig für ein gelungenes Leseerlebnis. Im nächsten Roman darf ich mich nun auf Kai Hirdt und den „Pfad des Auloren“ freuen. Das klingt verdächtig nach einigen „AHA“-Erlebnissen und Romane von Kai lösen immer Vorfreude in mir aus. Freue mich auch dieses Mal drauf!

„Lockruf des Kreells“ bekommt sehr gute 7 von 10 Punkten (bei inhaltlich höherer Relevanz für die Gesamthandlung wären es eher mehr gewesen) und setzt damit weiter die positive Entwicklung der Staffel fort. 🙂

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NEO 172 – Susan Schwartz schreibt über den gelben Tod

Die Zeit ist knapp, ich komme wenig zum Lesen, aber NEO 172 habe ich grade eben beendet. „Der gelbe Tod“ von Susan Schwartz war vom Lesegfühl ein ziemliches „Gehetze“ durch das vorliegende Thema. Häufig habe ich die Handlung im Zeitraffer vorbeifliegen sehen. Das impliziert mir als Leser irgendwie, dass eigentlich mehr zu erzählen gewesen wäre, aber leider nicht ausreichend Seiten zur Verfügung standen.

Das finde ich irgendwie schade, denn grundsätzlich hinterläßt der Roman ein  angenehmes Gefühl in mir. Ich habe mehr über die Blues (ich weigere mich weiter sie bei diesem seltsamen neuen Eigennamen zu nennen…) gelernt, ebenfalls über Molkex und dessen Verarbeitung. Perry und Co. kommen der Rettung von Tuire aus seinem Kreellblock einen guten Schritt näher und insgesamt wird die blue’sche Kultur immer „runder“. Das hat mir wirklich gut gefallen. Wie gesagt, dass an einigen Stellen mehrere Tage in zwei Absätzen behandelt worden zu sein scheinen, finde ich schade, denn Frau Schwartz hat an den Stellen, an denen sie den Platz hatte (oder sich genommen hat) wirklich tolle Eindrücke hinterlassen.

Nun habe ich am ersten Band der Blues-Staffel ja ein wenig rumgemosert. Zu einhundert Prozent bin ich auch in diesem Fall nicht begeistert, was neben dem beschriebenen Tempoproblem vor allem daran liegt, dass ich einige Dinge schwer nachvollziehen kann.

Erstens: der gelbe Tod wird ausgelöst durch die Entnahme eines Enzyms bei Blues-Kindern bis zum Alter von zehn Jahren. Diesen kausalen Zusammenhang bemerken die Herrschaften, welche, wenn man alle Gelege zusammen nimmt, wohl in die hohen Milliardenzahlen gehen dürften, leider nicht. Schön und gut…aber irgendwann haben die damit doch mal angefangen! Kurz danach müsste die Krankheit eingesetzt haben. Da kommt irgendwann doch das dümmste Sternenvolk mal darauf, dass dieser Zusammenhang besteht oder nicht? Man kann sicher argumentieren, dass die Blues mit dem Tod eher rational umgehen und mit der Erkrankung ebenso. Allerdings gilt das offenbar nicht für alle, wie uns das Beispiel des Blue, welcher Tifflor als erstes „Versuchsobjekt“ diente zeigt. Er war am Boden zerstört, da er sein Lebenswerk nicht ansatzweise erfüllt sah. Da er kein Einzelfall sein dürfte bei Milliarden und Abermilliarden von Blues, hätte auch mal irgendwer auf die Idee kommen dürfen, die entsprechende Forschung anzuregen finde ich. Die generelle Weigerung an eine Heilung zu glauben wurde ja ebenfalls in zwei Absätzen über Bord geworfen…

Zweitens: Ein weiterer mir ziemlich unklarer Vorgang ist, wie um alles in der Welt die Blues auf die Idee gekommen sind, Kreell / Molkex mit Katlyk, also dem Enzym der Blues-Kinder zu behandeln, um es form- und verarbeitbar zu machen. Ist da irgendwann ein Babyblue (das ist mal eine coole Bezeichnung hihi ) ausgerutscht, hat sich an einem Stück Kreell den Hals aufgeschrammt und sein Enzym darüber vergossen, wobei ein erwachsener Blue merkte, dass das Zeug plötzlich weich wie Gummi ist? Seid mir nicht böse liebe Expokraten, aber das finde ich irgendwie an den Haaren herbeigezogen (zugegeben, meine Herleitung ist natürlich genau das 🙂 ).

Aber: vielleicht folgt ja doch noch eine sinnvolle Erklärung und ich haue mir dann gegen die Stirn und sage „Ach sooooo, jetzt macht das alles Sinn!“ 🙂

Abgesehen von diesen Unstimmigkeiten gefiel mir „Der gelbe Tod“ aber durchaus ganz gut und im Gegensatz zum Vorgängerband war er für mein persönliches Empfinden auch erheblich angenehmer zu lesen. Die Staffel scheint langsam Fahrt aufzunehmen und ich bin durchaus gespannt, was Tuire irgendwann zu erzählen hat und was in der Eastside noch Feines passiert. Also dann, auf zum „Lockruf des Kreell“!

Der gelbe Tod bekommt von mir übrigens 5,5 / 10 Punkten. Einen mehr als „Brennpunkt Eastside“. Da ist eine Tendenz erkennbar oder? 😉

 

Vom Regen in die Traufe – oder von Andromeda in die Eastside

Da sind wir nun: die Eastside der Michstraße! Jülziish, ähhh ach ne, die heißen ja jetzt Azaraq. Warum eigentlich? Naja, egal…also: Azaraq, die von Reginald Bull schnell Blues getauft werden (das ist identisch zur EA), Molkex und hier (Milchstraße) wie dort (Andromeda): Kreell. Aber der Reihe nach…

Nachdem unser aller Freundin Mirona die MAGELLAN mit den Koordinaten aller (wirklich aller?) Sonnentransmitter durch das Sonnensechseck schickte, kam sie dummerweise nicht im Milchstraßenzentrum, sondern in der Eastside raus. Wieder einmal fast handlungsunfähig, mit beschädigter Positronik und weiteren technischen wie menschlich-medizinischen Problemen (kommt einem langsam bekannt vor oder?), tauchen plötzlich Diskusschiffe auf, die relativ unfreundlich reagieren und zur Kapitulation auffordern. Erst der Einsatz der Transformkanone, welcher dazu führt, dass eines der Azaraq-Schiffe seine Molkex-Panzerung verliert, führt zu Verhandlungen und einer Einladung auf den Heimatplaneten der Gataser, welche ein sogenanntes Gelege der Azaraq darstellen. Hier gilt also scheinbar zunächst das Gesetz des Stärkeren.

Die darauf folgenden Beschreibungen der gatasischen Kultur sind wirklich gelungen und angenehm zu lesen, allerdings passiert nicht viel mehr, als dass die Terraner hingehalten werden. Nach und nach wird klar, dass die Gataser nur scharf auf die Transformkanone sind.

Als Gucky im Keller des Regierungsbezirkes einen gewissen Tuire Sitareh in einem Kreellblock entdeckt (habe ich nicht vor Kurzem geschrieben, dass der bald wieder unerwartet auftaucht? 🙂 ), eskaliert die Situation. Die Delegation der Terraner um Rhodan, Bull, Tolot und Gucky flieht über den Umweg der UAC, einer Korvette, zurück zur MAGELLAN. Sitareh nehmen sie natürlich mit, denn unseren Perry überkommt ein schlechtes Gewissen, dass er Tuire in Andromeda zurückgelassen hatte.

Auch die MAGELLAN ergreift die Flucht, wird aber von einer Übermacht kurz darauf gestellt und Rhodan muss kapitulieren.

Soweit die Kurzzusammenfassung, jetzt das Fazit: Ich bin ein wenig enttäuscht. zunächst einmal stellt sich mir die Frage, warum die mächtige MAGELLAN schon wieder halb schrottreif irgendwo ankommen muss. Das ist langsam ein Konzept, was mir schwer im Magen liegt. Das Ding scheint ausgesprochen anfällig zu sein und das als „bestes Schiff, dass die Menschheit je gebaut hat“. Die zweite Frage, die ich mir (zugegeben als Altleser) stellen musste war: „Warum zum Henker heißen die Jülziish plötzlich Azaraq?“. Das fühlt sich beim besten Willen nach „NEO muss einfach aus Prinzip anders sein als die EA“ an. Zum Selbstzweck finde ich das nicht sinnvoll, aber das ist vermutlich Geschmacksache. Der Roman selber war keineswegs schlecht geschrieben, aber meines Erachtens etwas zu vorhersehbar. Mir war schon beim plötzlichen Gesinnungswandel des Ober-Blue klar, dass das am Ende eskaliert und dass die, Zitat Gucky, „Tellerköpfe“ nur auf die Transformkanone aus sind. Als der Ilt dann „vertraute Mentalimpulse“ aus dem Keller wahrnahm, musste ich sofort an Sitareh denken. Zufall? Intuition? Oder einfach zu vorhersehbar? Das mag jeder selber beurteilen.

Die Beschreibung der gatasischen Kultur hat mir, wie oben beschrieben, insgesamt recht gut gefallen. Natürlich war das nur ein Schlaglicht, aber ein durchaus interessantes und gut zu lesendes. Der Rahmen des Romans war für mich aber wie gesagt leider etwas enttäuschend. Nicht, dass die Handlung komplett schlecht gewesen wäre, aber ich hatte mir einfach mehr Neues erwartet, nicht nur einen neuen Namen für die Jülziish (ja, da muss ich drauf rumreiten :D).

Ich hoffe, nein ich bin überzeugt, die kommenden Bände erfüllen meine Erwartungen mehr.

Für die leider nicht so ganz erfüllten Erwartungen von NEO 171 bekommt „Brennpunkt Eastside“ von mir 4,5 / 10 Punkten.

PS: Das frage ich mich schon länger, wann haben die Terraner eigentlich die Deflektortechnik entwickelt? Die war irgendwann einfach da, während in den Anfangszeiten von NEO meiner Erinnerung nach nicht mal die Arkoniden Deflektoren hatten und sich mit Mimikribeschichtungen halfen. Spontaner Technikschub? 🙂

Bye, Bye Andromeda! Ich bin weg, so schön es auch war…

Nun ist es soweit, ich bin bei der aktuellen Staffel angekommen und kümmere mich grade um den „Brennpunkt Eastside“. Bevor ich aber hier im Blog thematisch wirklich bei den Jülziish durchstarten kann, muss ich mich abschließend um Andromeda und die liebe Mirona kümmern.

Zunächst einige Zeilen zu Rüdiger Schäfer’s Abschlussroman „Abschied von Andromeda“. Der Roman brachte uns neue Erkenntnisse bezüglich Kreell, Crea und dem Creaversum…und das meines Erachtens nicht zu knapp. Was sich zuvor bereits angedeutet hatte wurde von Rüdiger bestätigt: die Crea sind nicht die mies gelaunten Invasoren, denen es Spaß macht, Völker in einem anderen Universum (oder einer anderen Dimension…so klar ist das Stand NEO 170 noch nicht) zu überfallen, zu töten und einen Lebensraum zu erobern, mit dem sie letztlich nicht viel anfangen können. Viel mehr reagieren die Crea genau so, wie die Meister der Insel auf die Bedrohung, die durch den Aufriss entstanden ist. Auch im Creaversum kommt es zu Redrifts, welche verheerende Auswirkungen haben. Genau wie die Meister der Insel nehmen die Crea die Gegenseite als Aggressor wahr und scheinen sich für einen Krieg gerüstet zu haben.

Schau an, schau an…die aus der ganz frühen EA bekannte Schwarz-Weiß-Sicht auf die Dinge bröselt in NEO immer mehr. Die Meister der Insel sind nicht die skrupellosen Despoten, die man als Altleser im Kopf hatte und nun sind auch noch die von Mirona Thetin, bzw. ANDROS, als ultimativer Feind hochstilisierten Crea eine Spezies, mit denen eine Verständigung möglich ist.

Gut so, denn so trivial funktioniert das Universum ja leider nicht wirklich.

Was ich an Rüdigers Roman wirklich schön fand, ist die Tatsache, dass er mit einem Knalleffekt, sprich einer ordentlichen Raumschlacht, startet, jedoch mit unerwartet klarer Verständigung endet. Als Leser gerät man zu Beginn tatsächlich ins Zweifeln, ob die angedeutete Verständigung zwischen Crea und Perry Rhodan doch nur eine Momentaufnahme war, welche sich später als Seifenblase entpuppt. Für einige Seiten hatte ich das Gefühl, dass Andromeda und damit auch die Milchstraße wirklich auf einen Krieg zusteuern. Am Ende des Romans und damit der Mirona-Staffel relativiert sich dieser Eindruck dann doch stark.

Was nehme ich noch mit? John Marshall bleibt als terranischer Botschafter in Andromeda, die Meister der Insel sind eine Art Zwangsverbündete, das komische Hin- und Her zwischen Tani Hanafe und Tim Schablonski findet (endlich) ein Ende und wo Tuire Sitareh steckt wissen wir noch immer nicht. Ich denke aber der taucht bald wieder irgendwo auf, wo man ihn am wenigsten vermutet. 🙂

Noch zwei Sätze zu Hanafe und Schablonski: Grundsätzlich ganz nett eingebaut, aber mein persönlicher Geschmack war dieser Teil der Story nicht. Speziell Tani’s zickiges Gebahren hat mich ziemlich genervt…deshalb das „endlich“.

Die Mirona-Staffel hatte meiner Meinung nach deutliche Höhen und kleinere Tiefen. Insgesamt hat mich Andromeda in seiner neuen Fassung durchaus gefesselt und die Darstellung der Meister der Insel fand ich absolut spitze. Egal welcher der Meister im Fokus stand, waren die Charakterdarstellungen gelungen. Ich fand Trinar Molat großartig, da er mir tatsächlich wie ein aus der EA entlaufener Meister vorkam. Aber auch Mirona Thetin, welche eine große Tiefe bekommen hat oder Proht Meyhet wurden als faszinierende und sehr facettenreiche Personen dargestellt. Das hat mir ausgesprochen gut gefallen.

Überhaupt finde ich die Charakterdarstellungen in der Mirona-Staffel sehr gelungen. Bis in die kleineren „Nebenrollen“ war das stimmig. Ich denke zum Beispiel an den kleinen, naiven Ingenieurslehrling Alexander Kapescu oder an Baar Lun. Das hat mir großen Spaß gemacht.

Die Crea-Idee finde ich sehr spannend. Ein wenig erinnert mich das Konzept natürlich an die Druuf aus der EA, allerdings schon deutlich verändert und moderner. Anteilig hat mich die Stimmung an „Alien“ denken lassen, war halt schon düster.

Grandios fand ich übrigens auch Hak Gekkoor. Der hat mich, man möge es mir verzeihen, in Kombination mit Faktor II irgendwie an Star Wars erinnert…die beiden waren ein wenig wie der Imperator und Darth Vader. So wunderbar fiese Bösewichte braucht es dann eben doch! Die Lösung, mit der Faktor II „entsorgt“ wurde war dabei der krönende Abschluss. Ich bin sehr gespannt ob man von Gekkoor nochmal was hört, ich hoffe es sehr.

Was mich ein wenig, aber wirklich nur ein wenig störte, war die scheinbar endlose Hetzjagd auf die MAGELLAN. Das Spielchen „Gegner findet MAGELLAN, MAGELLAN entkommt mit größter Mühe“ wurde mir etwas zu oft gespielt. Aber das ist Jammern auf hohem Niveau! Auch diese Anteile waren insgesamt trotzdem gut zu lesen. Mehr „Gemeckere“ habe ich im großen Rahmen auch gar nicht.

Ich war abschließend gesagt, überrascht, wie viele ethische und moralische Überlegungen in dieser Staffel angestellt wurden. Wie ich schon sagte, geht NEO hier ganz bewusst vom Kozept gut/böse weg und beschreibt auch die Antagonistern sehr ambivalent. Bemerkenswert finde ich dazu folgenden Ausspruch von Mirona Thetin in NEO 170, Seite 142:

>>Wollen Sie mir mir über philosophische Prinzipien diskutieren?<<, fragte Thetin. >>Wir alle schaffen uns unsere Tatsachen. Zu mehr ist dieser winzige Klumpen aus Nervenzellen, den wir in unserem Schädel mit uns herumschleppen, gar nicht fähig. Das Leben ist einfach – erst die Intelligenz macht es kompliziert. Wenn Sie das einmal begriffen haben, gibt es keine Geheimnisse mehr.<<

Da liegt tatsächlich viel Wahrheit drin…

Unser lieber „Beuteterraner“ Atlan zitiert auch in diesem NEO immer wieder gern altarkonidische Weißheiten. Im Gedächtnis geblieben (vermutlich weil er sie gebetsmühlenartig wiederholte) ist mir folgende:

>>Gestern Abend starb die Vergangenheit. Heute Morgen wurde die Zukunft geboren.<<

Hach, wie poetisch! 🙂 Aber ich finde dieses Zitat ist ein perfekter Schlusssatz, denn das trifft in etwas angepasster Form für mich auf die Mirona-Staffel und die Blues-Staffel zu.

In diesem Sinne: Ich freue mich auf die Jülziish und werde natürlich fleißig weiter schreibseln! Man liest sich.

PS: Ich versuche mich ja aktuell an einer NEO-Fortsetzungsgeschichte. Wer mag findet sie oben im Menü unter „Eine galaktische Odysee“. 🙂

Halbfinale in Andromeda – NEO 169 Dunkle Welt Modul

Allgemeines:

So langsam geht es Richtung Finale in der Mirona-Staffel und damit nähere ich mich in großen Schritten den aktuellen Themen in Perry Rhodan NEO.

Für NEO 169 „Dunkle Welt Modul“ habe ich relativ lang gebraucht, was zum einen an beruflichen und privaten Verpflichtungen, zum anderen am Roman selbst lag. Nicht, dass er schlecht gewesen wäre, aber irgendwie hatte ich zeitweise das Gefühl, dass das Lesen in diesem Fall wie das Waten durch sumpfigen Untergrund war…relativ zäh. Wie gesagt, der Roman von Rainer Schorm war ganz sicher alles andere als schlecht und das zähe Gefühl war vermutlich auch dem Umstand geschuldet, dass ich irgendwie nicht „in eins weg“ lesen konnte.

Zum Inhalt:

Der Verbund aus PE-hilfreich und MAGELLAN fliegt in die Ödnis ein um Modul zu erreichen, die FERNAO fliegt wiedermal fröhlich voraus. Die hyperphysikalischen Verhältnisse erschweren die Reise kräftig (das war ja zu erwarten) und auf Modul selbst finden sich gleich zwei Meister der Insel, ein katastrophal verheerter Planet und eine Bestie, welche zunächst in Kreel eingeschlossen ist.

Die Verhandlungen mit Faktor III, der zur Verstärkung Faktor VII mitbringt, stehen im Mittelpunkt, werden gefühlt aber von besagten Faktoren dazu genutzt um Rhodan und Co. vor Augen zu führen, dass nicht alle Meister als Monster ohne Gewissen durchgehen. Das gelingt auch tatsächlich recht gut und die beiden Meister erscheinen in einem anderen Licht. Das habe ich aus der EA ganz anders in Erinnerung, da waren meines Erachtens so gut wie alle Meister relativ skrupellose und verachtenswerte Gesellen…ist aber schon einige Jahre her bei mir. 🙂

Zu den Verhandlungen oder besser den Umständen muss ich an dieser Stelle Eric Leyden zitieren nachdem die Bestie Agor Phuurk sich nach mutmaßlichen Jahrhunderten aus dem Kreelblock befreit hat und das Leyden-Team nur knapp seinem Zorn entkam:

Nachdem sie alle wieder in der Kaverne standen, sagte Eric Leyden leise: >>Es würde mich nicht wundern, wenn er unter diesen Umständen wahnsinnig geworden wäre.<< Er hustete. >>Wir müssen den anderen Bescheid geben. Hier läuft eine durchgedrehte Bestie durch die Gegend, auf der Suche nach etwas, woran sie sich abreagieren kann. Perry Rhodan wird begeistert sein. Das ist genau die richtige Umgebung für schwierige Verhandlungen.<<

Letztlich bedarf es auch eines Haluters, zweier Meister der Insel und eines Posbi sowie der Tatsache, dass Agor Phuurk körperlich durch den Aufenthalt im Kreel stark angeschlagen war, die Bestie zu bezwingen. Bestien sind wirklich unfreundliche Gesellen.

Interessant ist, dass laut Proht Meyhet ANDROS die Bestien wohl gezüchtet hat um als Krieger in das Creaversum vorzustoßen. Somit scheint die Seite des Einsteinuniversums der Aggressor zu sein…das wird noch hochinteressant! Was will ANDROS im oder aus dem Creaversum?

Perry Rhodan erfährt außerdem von den Vorgängen auf dem irdischen Mond und beschließt, nachdem ihm Faktor III versichert, keine Ahnung vom Verbleib der Menschheit zu haben, mit der MAGELLAN schnellstmöglich in die Milchstraße zurückzukehren.

Gegen Ende des Romans spitzen sich die Ereignisse noch einmal deutlich zu. Atlan und Mirona Thetin erscheinen auf der Bildfläche als es Tolot und Leyden gerade gelingt, ein stabiles Tor in das Creaversum zu öffnen. Als der erste Funkkontakt erfolgt und Rhodan sowie Atlan Verhandlungen beginnen, erscheint ein fremdes Objekt im Übergang zur Fremddimension. Jetzt können die Verhandlungen in alle Richtungen wirklich Fahrt aufnehmen…

Fazit:

Ich hatte wie gesagt meine Probleme damit, diesen Roman zügig zu lesen. Das bedeutet aber nicht, auch wenn ich mich wiederhole, dass er schlecht war. Wir erfahren viele Hintergründe, auch über den Untergang der Moduls zum Beispiel, der nicht ganz so ablief, wie von Baar Lun angenommen. Der Spannungsbogen wird zum Ende nochmal kräftig angehoben, so dass nun eine echte Vorfreude auf das Staffelfinale bei mir besteht.

Direkt danach freue ich mich fast noch mehr auf die Blues! 🙂

7/10 Punkte für einen für mich anstrengenden aber trotzdem guten NEO

Unsterblichkeit – Fluch oder Segen?

Die relative Unsterblichkeit ist ja sowohl in der klassischen Perry Rhodan Serie als auch bei Perry Rhodan NEO ein wichtiges und zentrales Thema. Wie auch sonst sollten die Protagonisten und auch manche Antagonisten dem Leser über so lange Zeiträume erhalten bleiben? Allerdings gehen die beiden Serien trotzdem sehr unterschiedlich an das Thema heran.

Während die Unsterblichkeit in der klassischen Serie, der sogenannten EA, speziell in der Frühphase das ultimative Ziel von Rhodan und seinen Kumpels war, ist das bei NEO anders…und vor allem viel reflektierter. Der gute alte Perry Rhodan der EA ging zielstrebig voran, bekam nach Lösen des galaktischen Rätels eine Zelldusche und später seinen Zellaktivator. Bedenken hatte er keine, es galt einfach das eigene Leben und das seiner engsten Vertrauten zu verlängern. Mögliche Schattenseiten wurden entweder ausgeblendet oder nicht bedacht.

Der NEO-Rhodan tickt da komplett anders. NEO-Rhodan lehnte gleich zweifach das Angebot der Unsterblichkeit ab!

„Wie kommt man denn auf solch eine absurde Idee?“ könnte man sich nun fragen und ich gebe zu, auch ich fragte mich genau das im ersten Moment. Besonders, da ich den EA-Perry immer ein wenig „beneidet“ habe. Wer will nicht ewig leben, oder?

So einfach ist es dann aber ja tatsächlich doch nicht und das musste auch unser EA-Perry im Laufe seines Jahrtausende zählenden Lebens immer wieder schmerzhaft erfahren. Denn Unsterblichkeit bedeutet nicht, dass man vor dem Verlusten geliebter Menschen gefeit ist. Ganz im Gegenteil. Wer sich nicht komplett isolieren will und trotz der relativen Unsterblichkeit Beziehungen eingeht, verliert zwangsläufig immer und immer wieder Personen aus dem näheren, persönlichen Umfeld. Jeder von uns, der schon einen geliebten Menschen verloren hat weiß, dass das eine Erfahrung ist, die man möglichst nicht so häufig machen möchte. EA-Perry hat sie weiß ES schon öfter gemacht, als ein gewöhnlicher Mensch vermutlich aushalten könnte. Mehrere Ehefrauen, Kinder, enge Freunde und jahrhundertelange Wegbegleiter, welche starben, getötet wurden oder einfach verschwanden.

Noch dramatischer traf es einzig Gucky. Der Ilt ist unsterblich und der letzte seiner Art. Die Dramatik dahinter ist kaum überschaubar. Wer diese Vorstellung auf sich selbst bezieht würde möglicherweise schon aufgrund der Aussicht verzweifeln. Doch auch Gucky hat sich protestlos den ZA umhängen lassen…und leidet noch immer unter den erlittenen Verlusten, welche größer kaum sein könnten.

Nun sieht die Lage in NEO wie gesagt etwas anders aus. NEO-Rhodan wollte zweimal die olle Unsterblichkeit nicht haben! Einige der Gründe habe ich oben beschrieben, allerdings kommt für ihn noch dazu, dass er sich nicht instrumentalisieren lassen wollte. Instrumentalisieren von einer höheren Wesenheit, deren Ziele für ihn nicht zu überblicken sind. Trotzdem trägt er inzwischen einen ZA. Aus der Not heraus, dass er sonst „seine“ Menschheit nicht hätte retten können. Ein gutes Gefühl bereitet ihm dieses Gerät jedoch nicht. In dem Bewusstsein, dass er es nie mehr ablegen kann, ohne kurz darauf sein Dasein zu beenden, plagen ihn Zweifel ob die Entscheidung letztlich richtig war.

Auch überkommen ihn immer wieder Gewissensbisse in Bezug auf Thora und seine Kinder (ja…in NEO haben Thora und Perry gleich mehrere Kinder und die sind bisher nicht mal abtrünnig oder bösartig! Ihr Erstgeborerer heißt zwar auch Thomas, allerdings mit Nachnamen nicht Cardiff… 🙂 ). Wenn Thora irgendwann alt und grau ist und seine Kinder ebenfalls ihr Leben beenden, wird er weiter jung und vital durch das Universum streifen. Welches Recht hat er dazu und warum haben es andere Personen nicht?

Ein weiterer Protagonist, der gegen seinen Willen und völlig unverhofft „konserviert“ wurde ist Reginald Bull. Bei NEO, wie ich in einem früheren Beitrag schrieb, biologisch erst viel später, aber ebenfalls ohne sein Einverständnis. In diesem Fall war es nicht ES, sondern Mirona Thetin, die ihm die Zelldusche verpasste.

Womit wir bei unsterblichen Antagonisten wären. Die Meister der Insel sind in NEO, vielleicht abgesehen von der einen oder anderen Ausnahme wie Faktor II, nicht die typischen „bösen Monster“, welche nur aus Spaß an der Freud Völker versklaven oder Individuen umbringen. Sie verfolgen ein Ziel, welches an und für sich sogar aller Ehren wert ist, für welches sie aber auch über Leichen(berge) gehen. Die Unsterblichkeit hat ihren Beitrag dazu geleistet, dass sich die Meister von den Sterblichen so sehr entfernten, dass diese Opfer für sie nichts als notweniges Übel sind. Wir sprechen hierbei wohlgemerkt nicht von dem einen oder anderen Einzelwesen, sondern von ganzen Völkern und Planeten, welche ausgelöscht oder manipuliert wurden.

Mirona Thetin, Faktor I, sieht sich selbst als Monster und möchte eigentlich keines sein. Faktor II sieht andere Lebewesen bestenfalls als Mittel zum Zweck, ob persönlicher oder dem oberen Ziel dienlicher Zweck ist ihm dabei egal. Besagter Faktor II isolierte sich über die Jahrtausende immer mehr, um emotionale Bindungen vollständig zu vermeiden. Entsprechend traurig mutet seine Existenz zum Handlungszeitpunkt dann an. Auch das ist eine Auswirkung der Unsterblichkeit…

Nun…wenn mich jemand fragt, ob ich einen Zellaktivator annehmen würde, würde ich lügen, wenn ich sagen würde „nie im Leben!“. Die Verlockung des ewigen Lebens ist eben doch groß. Allerdings würde ich wohl auch nicht sofort zusagen. Dieser NEO-Blick auf die Unsterblichkeit ist faszinierend anders als in der EA, aber durchaus nachvollziehbar und sehr reflektiert.

Wäre Unsterblichkeit nun ein Fluch oder ein Segen? So genau vermag ich das nicht zu beantworten, ich denke sie ist wäre bisschen von beidem…gut, dass ich diese Entscheidung nicht treffen muss! 🙂

 

Sherlock-Schablonski und die MAGELLAN-Morde

Ich zitiere an dieser Stelle mal Kai Hirdt’s Kommentar unter meinen Tweet, dass NEO 168 – Die MAGELLAN-Morde ansteht: „Ah, der Sherlock-Schablonski-Roman. 🙂 Viel Spaß, der ist recht wohlgeraten!“

Nachdem ich ihn nun in relativ kurzer Zeit verschlungen habe, kann ich mich guten Gewissens Kai’s Einschätzung anschließen. Durchaus wohlgeraten. 🙂

Mir gefiel ja bereits im vorherigen NEO die tolle Beschreibung der Gaids durch Madeleine Puljic, welche Kai Hirdt hier weiterführt. Das seltsame Gleichgewicht zwischen Friedfertigkeit und überspitztem Gerechtigkeitssinn werden überdeutlich ausgeführt und sind aus menschlicher Sicht sicherlich paradox. Aber: Gaids sind eben keine Menschen!

Der Roman ähnelt im Großen und Ganzen einem Krimi-Thriller mit SciFi-Mantel, was aber der Qualität in keiner Weise abträglich ist. Der Chefingenieur der MAGELLAN, Tim Schablonski versucht sich als Ermittler, um seiner unter Mordverdacht gefallenen (Ex-)Freundin zu helfen. Dass das nicht komplett glatt läuft ist dem Umstand geschuldet, dass er eben Ingenieur ist und kein Detektiv.

Außerdem erfahren wir einige neue Details zum Thema Crea und Kreel, die diese extradimensionalen Phänomene noch unheimlicher erscheinen lassen. Altleser der EA werden aber langsam einen Verdacht entwickeln, wohin die Reise geht. Das geht zumindest mir so…

Ich persönlich habe ja ein wenig darauf gewartet, dass einer der Protagonisten mal auf die Idee kommt, den Gedankeninhalt der Verdächtigen durch Gucky prüfen zu lassen, allerdings hätte das dem Roman natürlich den Boden weggezogen. Daher verstehe ich durchaus, dass er nicht zum Einsatz kam…wäre ich Schablonski, hätte ich den Ilt aber einfach mal angerufen. 🙂

Dass ganz am Ende noch eine nicht ganz unwichtige Figur der Staffel den Löffel abgibt, hat mich tatsächlich ein wenig überrascht, auch wenn grundsätzlich damit zu rechnen war, dass das passiert. Nur die Art und Weise sowie der Zeitpunkt haben mich kalt erwischt. Das war das Sahnehäubchen auf den Erdbeerroman. 😀

Fazit zu den MAGELLAN-Morden:

Wieder einmal hat mich ein NEO wunderbar unterhalten. Kai Hirdt gehört ohnehin zu meinen Lieblingsautoren im Rhodan-Team (NEO wie EA) und hat auch dieses Mal einen Roman geliefert, der flüssig und ohne Längen eine spannende Story erzählt hat. Danke dafür!

Nun geht es scheinbar wirklich weiter Richtung Ödnis und Faktor III. Ich freue mich!

Hier gibt es sehr gute 7,5/10 Punkten!

NEO 167 – „Die Grenzwächter“ oder das possierliche Paarungsverhalten der Gaids

„Weiter, immer weiter!“ sagen sie beim FC Bayern München und das gilt natürlich auch für meine Aufholjagd…möchte ja irgendwann mal über aktuellere NEO-Themen schreiben. 🙂

Madeleine Puljic hat da ein wirklich interessantes und faszinierendes Stückchen NEO abgeliefert! Die Beschreibung der über alle Maßen friedfertigen Zivilisation der Gaids, welche sich trotz Drohungen des Sternenreiches von Andrumidia vor einen Haufen ihnen unbekannte Flüchtlinge stellen und sie schützen (Na? Einfluss aktueller, politischer Themen? 🙂 ) und dabei so hohe moralische Ansprüche an sich selbst haben, dass sogar unserem Perry ganz schwindelig wird, war schon ziemlich gut!

Auch die Charakterschilderung des jungen Musterschülers Alexander Kapescu hat mir riesigen Spaß gemacht. Wie dieser sicherlich kluge und hochbegabte, gleichzeitig aber auch herzerfrischend naive und trottelige „Junge“ durch den Außeneinsatz stolpert war schon recht amüsant. Besonders die subjektiv gefärbten Schilderungen aus seiner Perspektive waren großes Kino.

Das Highlight des Romans war für mich aber zweifellos die Beschreibung des Paarungsverhaltens der Gaids. Zur Vorgeschichte: Rhodan und Co. haben in einem Restaurant von einem sogenannten „Paarungsbruder“ gehört und wollen von ihrem Stadtführer wissen, was es damit und mit den beobachteten, öffentlichen „Gruppenaktivitäten“ in Sandgruben auf sich hat…

Hierzu muss ich einfach zitieren:

„Jequooi [Anmerkung: besagter Stadtführer, seines Zeichens ein Gaid] … >>Ganz genau. Eine Fortpflanzungsgruppe besteht normalerweise aus bis zu sechs Gaids beiderlei Geschlechts<< […]

Pelok [ein Paddler] prustete los […] >>Wie?<< fragte er >>Also so … alle auf einmal?<< […]

Jequooi >>Dazu kann es gelegentlich kommen, ja.<<„

Dann erzählt er ein wenig darüber, dass es ziemlich unhöflich ist, die Schwester eines Paarungsbruders mitzubringen, ohne denjenigen vorher um Erlaubnis zu fragen und schwadroniert weiter:

„>>Möglicherweise kannte er die Schwester seines Paarungsbruders noch nicht und wusste nicht, wen er da in die Gruppe holte. Und falls der Bruder zu dem Zeitpunkt gerade beschäftigt oder ohnmächtig war…<<

>>Was? Wieso denn ohnmächtig?<< Rhodan bereute seine Frage sofort. Zu viele Details.

Aber nun war sie gestellt und Jequooi beantwortete sie […] >>Nun, wenn ein Gaid einen Höhepunkt erfährt, verliert er das Bewusstsein.<<

>>Das klingt ja furchtbar.<< Pelok schüttelte sich.

>>Im Gegenteil, das ist überaus angenehm! Und schmeichelhaft für den Partner. Ich selbst falle mehrmals am Tag in Ohnmacht …<<

Pelok steckte sich die Hände in die Ohren. Nach Paddlerart, sodass sie bis zum Handgelenk in seinem Schädel verschwanden, damit er sich direkt das Trommelfell zuhalten konnte. Rhodan beneidete ihn.“

Ich schwöre, ich habe laaaange nicht so sehr gelacht, während ich im Bett liegend las! Meine Frau hat mich schon angesehen, als hätte ich einige Vurguzz zuviel gehabt. 🙂

Die Beschreibung der Interaktion zwischen drei Wesen von drei verschiedenen Sternenvölkern mit komplett unterschiedlichem kulturellem Hintergrund ist schlich köstlich! Danke Madeleine! 😀

Handlungstechnisch bringt uns der Band wenig, aber immerhin etwas vorwärts. Die MAGELLAN nähert sich nun langsam doch noch dem Treffpunkt mit Faktor III, auf dem Planeten der Gaids werden in Bezug auf die Crea beunruhigende Entdeckungen gemacht und Mirona Thetin sowie Atlan treten mal wieder, wenn auch nur kurz, in Erscheinung.

Mein Fazit: Auch wenn die Handlung etwas verlangsamt erscheint (nicht speziell in diesem Band, sondern insgesamt in der Mirona-Staffel), möchte ich den Roman von Frau Puljic nicht missen, da er mich wunderbar unterhalten hat und das ist schließlich der Grund warum ich den alten Perry lese! 🙂

Fazit:

Aufgrund der großen Spaßes den ich hatte: 8,5/10 Punkten!

Beute und Jäger – NEO 166 war irgendwie wie Achterbahn fahren…

Nach berufsbedingter Lesepause habe ich das Wochenende (neben der Befriedung  meiner kreischenden Töchtern durch einen Ausflug an den See) zur Vollendung von NEO 166 – Beute und Jäger genutzt. Dieser NEO hat es mir nicht so ganz leicht gemacht und ich hatte während des Konsums mehrfach das Gefühl in einer Achterbahn zu sitzen.

Die ersten hundert Seiten als langweilig zu bezeichnen wäre sicher ziemlich unfair, wirklich langweilig waren sie auch nicht. Allerdings war das Lesen für mich mühsamer als seit langer Zeit bei NEO gewohnt. Aber dann! ABER DANN! Dann war Herr Endler der Meinung, den zuvor etwas langsamen Bummelzug auf mindestens Mach 4 beschleunigen zu müssen!

Die sich natürlich auf den ersten einhundert Seiten anbahnende Raumschlacht zwischen dem Hetzgeschwader von Faktor II, der PE-hilfreich und der MAGELLAN sowie der im letzten Moment dazustoßenden FERNAO und der DOLAN (ja, das Schiff von Icho Tolot heißt DOLAN und ist laut Beschreibung auch noch genau DAS! Geile Sache oder? 🙂 ) war ein unglaubliches Feuerwerk! Wie Arno Endler die Facetten der Schlacht aus vielen verschiedenen Perspektiven in teilweise sehr kurzen und immer wieder wechselnden Abschnitten schildert war knallermäßig. Da wechselt der Blickwinkel vom Piloten einer Dragonfly im direkten Kampf mit einem Schiff des Hetzgeschwaders, der Rettungsaktion hunderter Paddlerkinder durch Autum Legacy (diese Schreibweise hat sich inzwischen scheinbar etabliert), dem Kampf um die Stabilität des Libraschirms von Tim Schablonski, den Paddlern und Tani Hanafe und der Kamikaze-Rettungsaktion eines Korvettenkommandanten namens „Schmidti“ und seiner LITTLE SCHMIDT CORVETTE zu den „Klängen“ von „Ring of Fire“! Wahnsinn!

Merkt man, dass mich diese Raumschlacht irgendwie begeistert hat? 🙂 Bei aller Überschwenglichkeit sei aber auch gesagt, dass der komplette Roman die Gesamthandlung nur marginal weitergebracht hat und somit durchaus unter den Schmähruf des „Lückenfüllers“ fallen könnte. Die Situation vor und nach diesem Roman hat sich nur insofern entwickelt, dass die FERNAO und die MAGELLAN wieder vereint sind, Tolot mit seiner DOLAN zur Unterstützung eilte und sowohl die Paddler, als auch die MAGELLAN (mal wieder) angeschlagen sind. Außerdem sind vom Hetzgeschwader erneut einige Schiffe entkommen, so dass wir möglicherweise ein weiteres Mal von Hak Gekkoor hören werden. Dessen Perspektive hat mir auf den letzten Seiten übrigens gefehlt, da er zuvor penibel aufgebaut wurde. Schade, aber vielleicht fehlten da einfach die nötigen Seiten…

Was ich in der Tat nicht ganz nachvollziehen konnte, war Rhodans Versuch am Ende Tolot zu bändigen, der in seinem Mutterinstinkt ein Schiff des Hetzgeschwaders nach dem anderen aus dem All pustete. Humanität hin oder her, aber die wollten schlicht alle Terraner und Paddler auslöschen und ohne den rücksichtslos kämpfenden Tolot wäre das wohl auch gelungen.

Dann wäre da abschließend noch die Sache mit Strahltimansturmderphotonen. Dieser Name…wer hat sich den nur ausgedacht? Würde mich wirklich interessieren, war das Herr Endler selbst oder stand das Ding SO im Exposé? 🙂 Ich hatte da irgendwie ein Ende mit größerem Knalleffekt erwartet, aber letztlich war das trotzdem eine nette Nebenhandlung.

Ich finde die beste Zusammenfassung für diesen insgesamt großartigen „Lückenfüller“ ist:

I fell into a burning ring of fire,

I went down, down, down

and the flames went higher.

And it burns, burns, burns,

the ring of fire,

the ring of fire.

In diesem Sinne auf zu NEO 167 und dann hoffentlich inhaltlich neuen Enthüllungen!

Fazit:

Insgesamt: achterbahnartige 7/10 Punkten

Reginald Bull ist heute Reg, nicht mehr Bully

Neben Berichten zu den einzelnen Romanen, die ich nach und nach aufzuholen vorhabe, habe ich mir überlegt, dass es vielleicht spannend sein könnte, Personen, die es sowohl in der „Erstauflage“, also dem originalen Perry Rhodan, als auch in Perry Rhodan NEO gibt, gegenüber zu stellen. Vielleicht macht das schon irgendjemand, da ich aber abgesehen vom Heftehaufen eines gewissen Herrn Ingenhoven bisher keine Blogs verfolge, kann ich das nicht beurteilen. 🙂

An dieser Stelle noch eine Warnung an alle, die noch weiter zurück sind als ich oder erst mit NEO starten möchten: Ab hier könnte es den einen oder anderen Spoiler geben.

Weiterlesen in diesem Fall auf eigene Gefahr. 😉

Der Erste der mir bei dieser Rubrik in den Sinn kam ist Perry’s ältester Freund Reginald Bull. In beiden Serien ist Bull seit Band 1 an Rhodans Seite. In beiden Serien ist er der etwas aufbrausende, temperamentvolle Gegenpart zum ruhigen, sachlichen Rhodan und flog mit ihm zum Mond um dort die Arkoniden zu entdecken. So weit, so gut, aber viel spannender sind womöglich die Unterschiede.

Fangen wir bei den Äußerlichkeiten an: während der „originale“ Reginald Bull sich äußerlich (meiner Erinnerung nach) über die Jahrtausende kaum veränderte und so gut wie immer einen kurzen „Bürstenhaarschnitt“ trug sowie gut rasiert dargestellt wurde (auf Abbildungen immer, in den Romanen soweit ich weiß aber auch), trägt der „moderne“ Reginald in NEO plötzlich einen Wikingerbart! Skandalös, dass diese viel jüngere Version es wagt, an dem fest eingebrannten Abbild von „Bully“ zu rütteln, wo sein Stammvater aus dem anderen Universum über ewige Zeiten ein dauerhaft gleiches Profil entwickelte. 😉

Apropos „Bully„: der Spitzname von Reginald Bull im NEOversum lautet „Reg„. Noch so ein „Frevel“ könnte man meinen, aber irgendwie wirkt „Reg“ nach einiger Zeit erheblich normaler und aangemessener als man zunächst meinen möchte. Schließlich stammt Bull aus einem englischsprachigen Teil von Terra, in dem „Bully“ übersetzt soviel heißen kann wie „Der Tyrann“ oder „drangsalieren“…und wer möchte mit einem solchen Spitznamen rumrennen? 🙂

In der Mirona-Staffel von NEO wird er von Gucky dann einmalig als „Bully“ bezeichnet. Dies geschieht allerdings im Rahmen eines respektlosen Kommentars des Ilts und ist wohl auch eher als Hommage an den EA-Bully zu werten, als als tatsächliche Einführung des Paralleluniversum-Spitznamens.

Weitere Unterschiede gefällig? Reg ist bereits früh in seiner Seriengeschichte verheiratet! Er ging eine Beziehung mit seiner Leibwächterin ein, die er zunächst gar nicht haben wollte. Während Bully erst später „zur Ruhe“ kam, wurde Reg relativ früh „gebändigt“. Er hat nebenbei auch auch erste graue Haare, denn die Unsterblichkeit in Form einer Zelldusche bekam er bedeutend später als Bully. Das hatte neben den erwähnten Alterserscheinungen in grauen Farbtönen auch gesundheitlich Auswirkungen. Unser Reg, geboren im Jahr 1999 oder 2000, so genau ist das nicht bekannt, war zum Zeitpunkt seiner (nebenbei unfreiwilligen) Zelldusche bereits 55 oder 56 Jahre alt…und hat schon einen Herzinfarkt hinter sich! Mit solchen medizinischen „Kleinigkeiten“ musste sich Bully nicht rumärgern, dessen Alterungsprozess bereits mit 37 Jahren gestoppt wurde.

In vielen Punkten ähneln sich Reg und Bully trotz alledem und sowohl Ähnlichkeiten als auch Unterscheide machen diese Figur zu einer der spannendsten und wichtigsten Nebenrollen der Serie. Das gilt für „Altleser“, zu denen auch ich mich irgendwie zähle, da mich Perry Rhodan und somit auch Bully seit früher Jugend begleiten, genau wie für reine NEO-Leser. Egal ob Perry Rhodan oder Perry Rhodan NEO, ohne Reginald Bull wären beide Serien ganz sicher nicht die gleichen.