Der Kristallpalast von Oliver Plaschka – Ausflug ins fiktive London des 19. Jahrhunderts

Ich war mal wieder ein wenig „offtopic“ unterwegs. Diesesmal sogar in einem mir komplett fremden Genre: Steampunk. Oliver Plaschka habe ich versprochen, im Anschluß ein paar Zeilen zu seinem Buch zu schreiben und das werde ich hiermit erledigen. 🙂

Das Buch kam sogar mit einer Widmung daher, vielen Dank! 🙂

Worum geht es?

Zunächst einmal vielen Dank an Oliver Plaschka, der mir ein Exemplar von „Der Kristallpalast“ zur Verfügung gestellt hat, damit ich ein wenig darüber berichte. Oliver kannte ich bisher nur als gelegentlichen Perry Rhodan NEO Autor und war somit durchaus gespannt, was er sonst noch schreibt. Zudem war es für mich der erste literarische Ausflug in Richtung Steampunk. Ich wusste vorher nur sehr grob, was da thematisch auf mich zukommt und war dementsprechend kribbelig auf das Buch.

Zu erwähnen sei noch, dass an dem Roman noch zwei weitere Autoren mitwirkten, nämlich Alexander Flory und Matthias Mösch, wobei ich nicht zu sagen vermag, welchen Anteil welcher Autor jeweils daran hatte. Ich gehe aber davon aus, dass Plaschka den Löwenanteil geschrieben hat.

Inhaltlich sei hier – mit möglichst wenig Spoilerei – zusammengefasst, dass das Buch sich hauptsächlich im London des 19. Jahrhunderts bewegt und aus der Sicht dreier, sehr unterschiedlicher Charaktere geschrieben wurde. In allen drei Fällen wurde die Perspektive der ersten Person gewählt, wodurch eine erhebliche Nähe zu den drei Akteuren erzeugt wird. Den vierten Part macht das Tagebuch einer Expedition durch den indischen Dschungel aus, welches ein komplett anderes Szenario schildert. Hier fühlte ich mich eher an Indiana Jones erinnert als an Steampunk. 🙂

Der Plot dreht sich im Groben um den namengebenden Kristallpalast, der zur Weltausstellung in London erbaut wird sowie um einige ganz besondere „Kristalle“, welche spezielle Fähigkeiten verleihen und die achterbahnartige Jagd nach selbigen. Langweilig wird es in diesem Roman nie, durch die ständig wechselnden Perspektiven entsteht ein abwechlungs- und ereignisreiches sowie buntes Hin- und Her, Auf- und Ab.

Wie hat mir der Kristallpalast gefallen?

Wie oben erwähnt war der Roman meine erste Begegnung mit dem Thema Steampunk. Ich bin völlig unbelastet eingestiegen und muss zugeben, dass ich nach einhundert Seiten erstmal ein wenig entmutigt war. Steampunk schien so gar nicht meins zu sein. Ich fand zunächst die Charaktere anstrengend, das Setting verwirrend, wusste nicht, wer was warum tut und überhaupt…

Aber ein angefangenes Buch einfach weglegen geht aus Prinzip bei mir nicht, also las ich tapfer weiter. Zum Glück, wie sich herausstellte, denn es wurde aus meiner Sicht immer besser. Die Geschichten der drei Akteure fügten sich ineinander, das Tagebuch war eine willkommene Abwechslung, die gleichzeitig ein wenig Hintergrundwissen vermittelte und der Spannungsbogen wuchs gegen Ende tatsächlich exponentiell nach oben. Die letzten einhundert Seiten konnte ich im Gegensatz zu den ersten kaum mehr unterbrechen.

Die Geschichte an sich ist natürlich sehr stark Geschmacksache. Ich persönlich fand sie nett, aber nicht mehr. Allerdings muss ich dazu sagen, dass ich zukünftig vermutlich die Finger von Steampunk lassen werde. Das ist irgendwie nicht ganz mein Genre. Wer grundsätzlich Spaß daran hat, ist aber mit „Der Kristallpalast“ sehr gut bedient denke ich.

Was ich sehr schön fand, war das detailreich geschilderte und sehr gut recherchierte Londoner Stadtleben um 1850 und die damit verbundenen Besonderheiten und Verhaltensweisen der Charaktere. Das war bunt, teilweise schrill, aber immer spaßig zu lesen und hat dem Geschehen viel Leben eingehaucht.

Auch die angehängte Kurzgeschichte hat mir nochmal viel Freude bereitet, da zwei der sympatischsten Figuren einige Jahrzehnte später nochmals aufgegriffen wurden. Ich mag solche „wie-war-das-Schicksal-zu-Charakter-XY“-Dinger. Super! 🙂

Fazit:

Dafür, dass Steampunk zuvor für mich ein weißes, unbeschriebenes Blatt war und ich feststellen musste, dass es auch nicht ganz mein Genre ist, hatte ich trotzdem ab etwa der Hälft des Buches durchaus größeren Spaß beim Lesen. Auch wenn ich zukünftig (vermutlich) keine Steampunk-Bücher mehr lesen werde (man soll ja niemals nie sagen…), möchte ich die Erfahrung dieses Romans keinesfalls missen.

Kann ich es empfehlen? Denjenigen, die das Genre mögen: ja unbedingt, ich glaube ihr werdet große Freude daran haben! Denen, die Steampunk wie ich nicht kennen: probiert es aus, bei mir hakt es wie mehrfach gesagt eher an der Thematik an sich, als am – objektiv betrachtet – wirklich guten Roman. 🙂

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Die Expokraten schicken NEO in eine neue Epoche und wir treffen den „Mann aus Glas“

Lange haben wir darauf gewartet und hingefiebert: nach dem großen Jubiläum der Erstauflage feierte nun auf NEO einen runden, großen Band. Perry Rhodan NEO mit der Nummer 200 lag ab dem 17. Mai 2019 im Handel und ich konnte mich dank Abo sogar schon am 16. Mai darüber freuen. Als Abonnent gab es sogar ein wirklich schönes Gimmick oben drauf, nämlich eine wunderschöne Sternenkarte mit einer Übersicht der bekannten Milchstraßensysteme und Planeten sowie der neuen, terranischen Kolonien.

Wunderschöne Sternenkarte zur NEOversum-Milchstraße und der „lokalen Blase“

Nun geht es also in eine neue Epoche, nachdem ANDROS besiegt wurde und – Überraschung – Perry entgegen der Prophezeiung von ES überleben durfte 😉

Worum geht es in „Mann aus Glas“?

Wie das mit einem Staffelstart so ist, gäbe es hier so einige Dinge aufzuzählen. Nach einem Zeitsprung sowie dem Start einer ganz neuen Epoche natürlich nochmal umso mehr. Vielleiht nur die wichtigsten Eckpunkte: unser Unsterblicher hat ein schickes neues Flaggschiff bzw. Protektorenschiff mit einem aus der Erstauflage recht bekannten Namen. Eine wichtige Rolle spielen Perrys Sohnemänner, die inzwischen natürlich erwachsen sind, ein gewisser „Mann aus Glas“, der ebenfalls aus der EA bekannt ist, hier aber ganz neu interpretiert wird, der Kaiser von Olymp hat seinen ersten Auftritt und auch andere bekannte Namen treten erstmals in Erscheinung. Wer es genauer wissen möchte liest wie immer hier nach:

https://www.perrypedia.proc.org/wiki/Mann_aus_Glas

Wie hat mir „Mann aus Glas“ gefallen?

Der Epochenstart ist meines Erachtens gut gelungen. Es war vielleicht kein riesiges Feuerwerk und ging relativ gemächlich los, aber das war nach dem furiosen Staffelende auch eine gute Entscheidung. Der Leser wird langsam in die neuen Gegebenheiten des Jahres 2088 eingeführt. Wichtige Entwicklungen werden geschildert, wichtige Personen (neu) vorgestellt, denn die vergangenen Jahrzehnte haben natürlich auch mit den bekannten Handlungsträgern etwas gemacht. Ein paar Dinge werden (noch) nicht aufgeklärt, wie zum Beispiel (ACHTUNG SPOILER) die Abwesenheit von Team Leyden, welche nicht weiter erwähnt werden. Ein paar neue Fragen werden aufgeworfen, wie zum Beispiel „Wo kommen diese liduurischen Zellaktivatoren her, bei denen man in den Winterschlaf gehen muss und wer hat sie bekommen?“. Was ich sehr schön fand, war die immer wieder eingestreute Erwähnung alter, nicht unsterblicher Charaktere und was aus ihnen geworden ist. Der Eine genießt seinen Ruhestand, der Nächste hat in hohem Alter eine neue Funktion übernommen etc. Da geht dem NEO-Leser das Herz auf. Wie gesagt, der Start in die neue Epoche ist gelungen und nun kann es richtig losgehen. Voller Vorfreude harre ich der kommenden NEOs von denen mit Nummer 201 der erste heute im Briefkasten liegen sollte…durch meinen Fuerteventura-Urlaub bin ich mit dieser Besprechung total in Verzug… 🙂

Was war nicht ganz so gelungen?

Ganz ehrlich gesagt möchte ich hier überhaupt nicht rummeckern. Es gab für mich wenige, bis gar keine größeren Kritikpunkte. NEO 200 war ein grundsolider Epochenstart und ich warte jetzt die Entwicklung gespannt ab, bevor ich anfange zu mosern. 😉

Fazit:

Das große Jubiläum hat mir wirklich gut gefallen. Natürlich war es kein Feuerwerk wie NEO 199. Das war aber auch weder zu erwarten, noch zu wünschen. Stattdessen wurden wir sanft in die neue Zeit eingeführt, einige alte Charaktere wurden liebevoll in den Ruhestand verabschiedet und ein paar neue hatten ihren Auftritt. Mir hat das viel Spaß gemacht und ich freue mich auf mehr.  

Für einen gelungenen und grundsoliden Epochenstart gibt es von mir 7 von 10 Punkten.

Die Expokraten brennen ein Feuerwerk ab, und zwar „Am Ende aller Tage“

Große Vorfreude, große Erwartungen und ein wenig Skepsis ob der vielen offenen Fragen hielten sich im Vorfeld dieses Epochenfinales bei mir die Waage. Die Vorfreude war durchaus berechtigt, die Erwartungen wurden zu großen Teilen erfüllt, allerdings hatte auch meine Skepsis ihre Berechtigung. Aber dazu später mehr.

Worum geht es in „Am Ende aller Tage“?

Der Titel passt hervorragend zu einem Roman, der die Ereignisse von 85 Millionen (Handlungs-) Jahren abschließt, oder? Ich persönlich fand das sehr treffend. Natürlich geht es im Staffel- und Epochenfinale um den Abschluss des großen Feldes um den Konflikt zwischen ANDROS und ES, das Ende des sogenannten Ringens, darum, ob die Menschheit weiter existieren darf oder pulverisiert wird und ein bisschen auch darum, welche Haupt- und Nebenfiguren noch über die Klinge springen müssen. Ganz viel Stoff für ganz knappe 160 Seiten wie ich finde.

Die ausführliche Zusammenfassung findet ihr wir immer hier:

https://www.perrypedia.proc.org/wiki/Am_Ende_aller_Tage

Wie hat mir „Am Ende aller Tage“ gefallen?

Vorneweg: insgesamt sehr gut! War der Abschluss perfekt? Nein, aus meiner Sicht nicht…aber wer oder was ist schon wirklich perfekt? War der Abschluss spannend, unterhaltend, mitreißend und im Großen und Ganzen rund und gelungen? Aus meiner Sicht definitiv! Unsere Expokraten haben hier ein echtes Feuerwerk abgebrannt. Um das etwas klarer zu besprechen muss ich (zumindest ein wenig) spoilern:

Dass unser guter, alter Perry irgendwie überlebt war wohl so ziemlich jedem, der in irgendeiner Weise mit der Materie vertraut ist, klar. Wie er das schafft, fand ich persönlich etwas eigen, siehe unten, aber klar war es. Dass Tuire Sitareh über die Klinge springen soll oder muss, wurde vorher oft genug erwähnt. Allerdings bleibt diese Tür – zumindest einen winzigen Spalt breit – offen, denn sein endgültiger Tod wurde nicht erwähnt! Ich glaube zwar nicht daran und es wäre auch schwierig, das glaubhaft zu verkaufen, aber ein wenig hoffe ich noch immer, dass der olle Aulore wieder auftaucht. Ich mochte diese Figur immer sehr gerne.

Insgesamt kommt das Finale mit erstaunlich wenigen – bestätigten – Toten aus, nämlich mit genau einem: Huang Wei, der für ein Täuschungsmanöver von ES in den Tod ging. Alle anderen sind wohlauf.

Die verschiedensten Handlungsfäden wurden von Rüdiger und Rainer in diesem Band zusammengeführt. Angefangen von der Frühzeit von NEO bis hinein in die aktuelle Staffel. Ich finde, dass die beiden das sehr schön gelöst haben und tatsächlich das Spielfeld einmal komplett freigeräumt haben für die neue, kommende Epoche. Mir hat dieser NEO wahnsinnig viel Spaß gemacht und ich habe ihn „in einem Rutsch“ gelesen, was bei mir eher selten vorkommt. Ein paar kleine ABERs gibt es dann allerdings doch noch:

Was war nicht ganz so gelungen?

Mir fehlten ein paar Dinge in diesem Abschluss. Zunächst einmal: wo zur Hölle sind Eric Leyden, Abha Prajapati und Luan Perparim? Die wurden mit Tro Khon so effektvoll aus der Handlung geschrieben, dass ich mir absolut sicher war, dass sie irgendwie mit einem Knalleffekt im Abschlussband auftauchen. Aber keiner davon, auch nicht Tro Khon. Am Ende dachte ich, ich habe ein paar Seiten ausgelassen. Das hat mich ziemlich irritiert und ich hoffe, dass diese Figuren wieder auftauchen, denn sie stillschweigend zu vergessen würde mich wirklich ärgern. Das macht ihr nicht liebe Expokraten oder? Ihr wollt mich nicht ärgern, oder? 😉

Dann ist da diese Sache mit dem Geschenk von Avandrina di Cardelah auf dem Mars. Da war doch was? Ich dachte auch hier, dass wir noch mehr erfahren, vermute und hoffe aber stark, dass das in NEO 200 erfolgt. Hier kann ich noch ganz gut akzeptieren, wenn das später geklärt wird, beim Leyden-Team bin ich – wie gesagt – mehr irritiert.

Ein weiterer offener Handlungsfaden: dieses komische Artefakt aus NEO 188, welches Icho Tolot damals unter Einsatz seines Lebens und eines seiner Herzen Massmer Tronkh entwendet hat. Danach hat man von dem Ding nie mehr gehört! Dabei schien es in dem Roman so ungemein wichtig und geheimnisvoll. Was war das denn? Da habe ich seitdem drauf gewartet, denke aber, dass ich auch weiter warten werde…und zwar erfolglos. 😦

Zu guter (oder schlechter) Letzt: Rhodans Rettung durch Atlan und Mirona. Ganz ehrlich ist das für mich irgendwie haarsträubend an selbigen herbeigezogen gewesen. Es herrscht das absolute hyperphysikalische Chaos, die Verrytsphäre ist angeblich das einzige Schiff, welches sich Palagola nähern kann und das dabei nicht sofort zerbröselt. Es wird sogar explizit erwähnt, dass auch Schaltschiffe der Meister der Insel Probleme bekommen…und dann, kurz vor Perrys Exitus finden die beiden Turteltauben den Terraner in seinem ultimativen Anti-ANDROS Schiffchen, welches auseinanderfällt und retten ihn per spontan aufgebautem Halbraumtunnel, Millisekunden bevor es tatsächlich pulverisiert wird…

Mir war das zu viel seltsamer Zufall. Versteht mich nicht falsch, ich weiß selber keine viel bessere Lösung, aber diese war mir zu konstruiert. Allerdings muss ich es auch nicht besser machen, ich bin ja kein Autor, geschweige denn Expokrat. 😉

Fazit:

Bei aller Kritik – ich finde die muss erlaubt sein – hat mich NEO 199 wahnsinnig gut unterhalten und hat die meisten Handlungsfäden zu einem würdigen und sinnvollen Abschluss gebracht. Es gab das nötige Feuerwerk, es gab Pathos, es gab Überraschungsmomente (wenn auch nicht so viele wie ich dachte) und es gab ein happy End. Wie gesagt würde ich nicht von perfekt sprechen, von sehr gut aber allemal. Daher für das Staffel- und Epochenfinale:

8 von 10 Punkten.

Nun ist die Vorfreude auf NEO 200 angesagt…Kolonien, das heißt Siganesen, Plophoser, Epsaler und viele mehr. Dazu Tekener und „der Mann aus Glas“. Was für NEO-Aussichten! 🙂