Kai Hirdt – I am (a) Blue!

Hui, war das ne coole Nummer. Kai Hirdt entführt den Leser in „Krisenzone Apas“ in die Welt der Blues. Jetzt sollte man denken, in der Staffel „Die Blues“ ist das ja zu erwarten. Stimmt irgendwie, aber der komplette Roman ist aus der Sicht der Blues geschrieben! Das ergibt beim Lesen ein total anderes Feeling und war wirklich grandios.

Worum geht es in „Krisenzone Apas“?

Ganz grob geht es darum, dass Perry Rhodan mit der FERNAO und den drei Blues „aus der Vergangenheit“ nach Apas fliegt um dort Katlyk gegen das Heilmittel der Choroba nemoc zu tauschen.

Nebenbei liefert Kai Hirdt noch einen sehr lesenswerten Politthriller…in den Hauptrollen die Damen Lukosta und Waikara Atisi sowie deren Gegenspieler Aan Hadralok. Wobei das mit Gegenspieler im Laufe des Romans mehrfach hin- und herschwankt. Wie gesagt, allesamt Blues oder Azaraq, genauer gesagt aus dem Gelege der Apasos.

Während Waikara Atisi als Regierungschefin versucht, einen Krieg gegen die Gataser zu vermeiden – zumindest zum Zeitpunkt der Handlung, denn auch sie will diesen Krieg, nur später – rutscht ihre Tochter Lukosta eher zufällig in eine Regierungsposition. Als ihr Bruder ermordet wird, bittet Waikara ihre Tochter das Ressort Raumfahrt zu übernehmen um die Mehrheit im Rat zu behalten. Lukosta strebt eigentlich keine politische Karriere an, willigt aber ein. Kurz nach dem Auftauchen der FERNAO rettet sie eine Flotte Apaserschiffe aus einer sogenannten „Niederung“ – einer von ihr während der wissenschaftlichen Arbeit entdeckten gravitationellen Anomalie im System. Trotz ihrer Warnung an den Rat hatte der Oberkommandierende der Flotte die Einkesselung der FERNAO befohlen und damit alle Schiffe in Gefahr gebracht.

Nach der Rettung darf sie die ersten Verhandlungen führen und kann sich selbst davon überzeugen, dass das Heilmittel echt ist. Sie begleitet Rhodan, Tifflor, Sud und die drei „historischen“ Apaser auf die Regierungswelt Apas, wo die Verhandlung mit ihrer Mutter Waikara fortgesetzt werden soll. Die Verhandlungen laufen zunächst relativ gut, Waikara behauptet zunächst nur die Hälfte der geforderten Katlykmenge zu haben, gibt aber an, zu versuchen das restliche Katlyk aufzutreiben. In Wirklichkeit hat sie gemeinsam mit ihrem Widersacher Hadralok heimlich 112.000 Tonnen Katlyk beiseite geschafft um zu gegebenem Zeitpunkt eine Flotte mit Molkex ausrüsten zu lassen. Dafür ist die Forschungsflotte vorgesehen.

Nachdem sie sich Zeit erbeten hat, spioniert sie Rhodan und seinen Begleitern mithilfe von genetisch veränderten Insekten nach und findet – genauso wie unabhängig von ihr auch Hadralok – heraus, dass die Terraner das Heilmittel im Zweifel auch anderen Gelegen zur Verfügung stellen wollen. Daraufhin ändert sie ihre Meinung, befiehlt ihrer Tochter, welche das Katlyk mit fünfhundert Forschungsraumern abholen sollte, den Einsatz abzubrechen und bespricht mit Hadralok, dass sowohl Rhodan und seine Gruppe getötet als auch die FERNAO vernichtet werden muss.

Während Hadralok Vorbereitungen zum Angriff auf die FERNAO trifft, lässt Waikara ein Attentat auf Rhodan starten, was jedoch kurz vor Ausführung unterbrochen wird, als die Terraner von einem unautorisiert fliegenden Gleiter gerettet werden. Sie steigen ein, da eine Aufnahme der Unterhaltung zwischen Hadralok und Atisi den Beweis erbringt, dass sie hintergangen werden sollen.

Den Gleiter wiederum schickte Lukosta, welche beschlossen hat, dass die Rettung des Heimatsystems der Apasos wichtiger als der Gehorsam zu ihrer Mutter ist. Daher lädt sie auch weiter das Katlyk ein, nachdem sie die Entstehung einer neuen Niederung entdeckt hat.

Rhodan, Tifflor und Sud treffen nach einer erfolgreichen Flucht kurz vor Abschluss des Katlykdiebstahls bei ihr ein. Zeitgleich bemerkt Hadralok, was auf Kohnla, der Welt mit dem Katlyklager vor sich geht.

Die Lage spitzt sich erwartungsgemäß zu, in der unvermeidlichen Raumschlacht finden sich die Katlykschiffe im Griff der neu entstandenen Niederung wieder und erst ein Kreelleinbruch direkt über Kohnla – der zur Verwüstung des Militärstützpunktes führt – bringt Hadralok dazu, Lukosta zu glauben. Er rettet die Katlykflotte und bittet um Verzeihung. Gleichzeitig wird er persönlich die Flotte zum Treffpunkt mit der FERNAO begleiten.

Nebenbei beschreibt Kai Hirdt auch noch das Schicksal des „nach Hause“ zurückgekehrten „historischen“ Apaso Ussein Parkh, der mit den Veränderungen seiner Heimat kämpft, plötzlich feststellt, dass er durch Zinsen nach siebenhundertachtzehn Jahren steinreich – oder besser molkexreich – geworden ist und am Ende ist er dafür verantwortlich, dass die Machenschaften der Mayat, also des Staatsoberhauptes der Apasos, gestoppt werden. Er kauft kurzerhand den größten Nachrichtensender und lässt über die Korruption von Waikara Atisi berichten. Diese stürzt sich – auch weil sie sich ohnehin im Endstadium der Choroba nemoc befindet – in den Tod. Ihre Tochter übernimmt auf Empfehlung von Aan Hadralok die Nachfolge, da dieser erkannt hat, dass sie tatsächlich nur das Beste für Apas will.

Zu Ussein Parkh hier noch ein kleines Zitat, das mich schmunzelnd weiterlesen ließ:

Bevor Parkh ihre Bekanntschaft jedoch vertiefen konnte, störte ihn ein Signal seines funkelnagelneuen, kreellbesetzten Luxusallzweck-Kommunikationsarmbandes mit funktionsfreien, aber hochwertigen Molkexintarsien […]

Sowas muss man sich erstmal ausdenken. 🙂

Wie hat mir “ Krisenzone Apas “ gefallen?

„Krisenzone Apas“ ist ein super Politthriller mit Blues als Protagonisten. Die politischen Verwicklungen und Ränkespiele unter den blues’schen Machthabern sind beeindruckend plastisch beschrieben, Intrigen und Gleichgültigkeit gegenüber den normalen Bürgern sind ebenso erschreckend wie greifbar geschildert.

Erschreckend trifft der Roman meiner Meinung auch den aktuellen Zeitgeist, in welchem man sich als „normalsterblicher Bürger“ durchaus der Willkür der Politik ausgesetzt fühlen kann.

Mit Lukosta gibt es aber eben auch diesen einen Charakter, der trotz aller Widrigkeiten einfach nach ihrem Gefühl handelt und das Richtige tut. Hier wird das am Ende belohnt…

Insgesamt bin ich schwer begeistert, besonders der Perspektivwechsel hat mir sehr gut gefallen. Die komplette Story aus der Sicht der Azaraq war ungewohnt aber wirklich erfrischend und gut zu lesen. Das war meiner Meinung ein ganz starker NEO!

Was war nicht ganz so gelungen?

Tja…was eigentlich? Auch hier kommt die Gesamthandlung wie in den beiden Vorgängerromanen nur langsam weiter, aber das ist mein einziger Kritikpunkt. Wir mussten nicht noch ein viertes Mal Impos ertragen, der Roman war spannend und immerhin ging es etwas weiter. Darum will ich gar nicht mehr meckern, dafür war das Ding einfach zu gut! 🙂

Fazit:

Für einen wirklich guten SF-Politthriller aus Azaraqsicht gibt es großartige 9,5 / 10 Punkten. Ich war gefesselt von der wirklich wendungsreichen Story und fühlte mich auf beste Art und Weise unterhalten.

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