Kai Hirdt auf dem „Pfad des Auloren“

Ein Roman, auf den ich mich schon viele Wochen freute (da er ja leider auch schon viele Wochen bei mir auf dem Nachtschrank lag…) und der meine Erwartungen trotz etwas wackligem Start absolut erfüllt hat.

Zum Start: der Einstieg hat mich reichlich irritiert. Ich musst erstmal in „Lockruf des Kreells“ nachlesen, ob ich jetzt falsche Erinnerungen abgespeichert habe oder ob da was schiefgelaufen ist. Meine Erinnerung täuschte mich nicht, Ruben Wickenhäuser beschreibt auf den Seiten 91 und 92 wie der Aulore Tuire Sitareh nach seinem Aufenthalt im Kreell wieder erwacht. Sitareh ist hier zwar nicht in der Lage, auf Erinnerungen zuzugreifen, die er vor der Trennung von der MAGELLAN noch nicht hatte, aber er hatte komplett alle Erinnerungen der letzten sechs Jahre, also seit er im Sol-System aufgetaucht ist. Nun wacht er in „Der Pfad des Auloren“ zu besagtem Start also erneut auf…und siehe da, er weiß zunächst nicht wer er ist, wer Perry Rhodan ist oder sonst irgendetwas, was er eigentlich wissen sollte. Hier hat vermutlich entweder die Absprache zwischen den Autoren nicht gut funktioniert, die Exposés waren ungenau oder einer der beiden hat den Aufwachvorgang im Alleingang anders beschrieben. Alle drei Gründe finde ich als Leser etwas ärgerlich, da ich solche logischen Brüche, die auch noch so offensichtlich und einfach vermeidbar wären, nicht mag. Wenn ich Perry Rhodan oder eben Perry Rhodan NEO lese, möchte ich gut unterhalten werden, in fremde Welten eintauchen und nicht darüber nachdenken müssen, warum etwas plötzlich komplett anders ist als im Roman zuvor. Ich bin bei Leibe kein Leser, der an allem rumkritisieren muss, manches gefällt mir besser, manches schlechter, aber das ist alles okay. Diese gröberen Brüche finde ich aber schlicht schade, weil sie, wenn auch nur kurzzeitig, meinen Lesefluss und -genuss ausbremsen.

So…nun habe ich aber wirklich genug kritisiert, das hat „Der Pfad des Auloren“ nämlich im Großen und Ganzen gar nicht verdient! Der Roman war alles in allem ein Hochgenuss im NEOversum! Tuire Sitareh, inzwischen eine meiner Lieblingsfiguren, erwacht wie schon erwähnt aus seinem „Kreell-Winterschlaf“, ist um Jahrzehnte gealtert und erzählt nach kurzen Anlaufschwierigkeiten seine Geschichte seit Andromeda und der Trennung von der MAGELLAN.

Der Romantitel schrie ja im Voraus schon „Offenbarungen“ in die Welt hinaus. Diese gab es…zum Teil jedenfalls. Das ist gut so und war genau richtig dosiert. Tuire Sitareh lebt als Figur ja ein wenig vom Mythos, der um ihn existiert. Seine Vergangenheit liegt großteils im Dunkeln, er selbst kennt seinen Auftrag nicht und ist so oft durch Zeit und Raum gereist, dass es unklar ist, wie alt er ist, geschweige denn zu welchem Zeitpunkt er geboren wurde.

Also zu meinen üblichen Spoilern: Tuire flieht von Multidon, trifft dabei auf mehrere Meister der Insel, die ihn offenbar kennen. Das ist die erste Überraschung, wird aber nicht weiter aufgeklärt. Sicher ist, dass die Meister von ihm wissen, von seinem Auftrag, welchen er von ES bekommen hat, er selbst aber nicht kennt und dass sie aus irgendeinem Grund die Möglichkeit haben, seinen Darojib zu manipulieren. Dass der Memeteranzug sich von Faktor XI aus der Distanz beeinflussen lässt, ist schon ein Hinweis darauf, dass da noch deutlich mehr Querverbindungen existieren, als bisher angenommen.

Nachdem er Multidon nach einem Kampf gegen einen Baphometen in einem gestohlenen Situativ verlässt, halb tot mit gebrochenen Knochen im ganzen Körper, landet er über Umwege bei ausgewanderten Aachaonen, welche versuchen über die Transmitterstrecken einen neuen Heimatplaneten zu finden. Aufgrund fehlender Kenntnisse der entsprechenden Codes konnten sie aber bis zu Tuires Ankunft nur wenige Strecken nutzen. Mit seiner Hilfe gelingt es, einen Großteil des Netzes nutzbar zu machen. Tuire, welcher eine Liebschaft mit der führenden Aachaonin beginnt, entschließt sich nach einem Erinnerungsschub an sein Leben vor der Zeit als Instrument von ES, in die Milchstraße zurückzukehren. Dieser Entschluss ist allerdings auch von Achtapet, der KI seines Darojib befeuert.

In seinem Erinnerungsschub erfährt er, dass er von einem Planeten namens Triman stammt, ursprünglich Tuire Magira heißt und kurz vor der Hochzeit mit seiner großen Liebe Tira stand. Als einfacher Bauer hatte er sich in sie verliebt und sie sich in ihn, was in ihrer Familie nicht besonders positiv aufgenommen wurde.

Der Darojib macht ihm Hoffnung, dass Tira noch leben könnte, da Sitareh in der Zeit hin- und hergereist ist.

Nachdem er die Aachaonen durch den Sonnentransmitter verlassen hat, kommt er beim Sonnensechseck im Zentrum Andromedas heraus, von welchem er weiter Richtung Milchstraße reisen will. Hier trifft er auf den gespeicherten Geistesinhalt des ehemaligen Faktor XI – Kolin Uns – welchen er für seine Unterstützung in den Darojib überführen muss. Dabei erfährt er in einem weiteren Erinnerungsschub, dass er vor einer nicht ganz klaren Zeitspanne auf Taui – oder Ul wie der Planet wohl tatsächlich früher hieß – nicht nur versuchte, die Zeitbomben zu entschärfen, wie ihm seine bisherigen Erinnerungen weißmachen wollten, sondern, dass er zuvor für das Auslösen selbiger verantwortlich war. Sein verzweifelter Versuch sie zu entschärfen, nachdem er von einem gewissen Laoshi erfahren hat, was sie bei Auslösung bewirken werden, nämlich dass keiner der Millionen Mehandor auf dem Planeten jemals existiert haben wird, scheitert knapp. Er erhält daraufhin den Beinamen „Schlächter von Ul“.

Mit dieser erschütternden Erkenntnis reist Sitareh durch das Sonnensechseck weiter in die Milchstraße, kommt in der Eastside raus und wird von Blues attackiert. Kolin Uns überwältigt Achtapet und übernimmt mithilfe des Darojib die Kontrolle über Tuires Körper. Er tötet viele der Blues mit Sitarehs bloßen Händen, ohne dass dieser es verhindern kann.

Im gemeinsamen Kampf mit seinem geistigen Begleiter Thaynar gegen Kolin Uns kommt es zu einem weiteren Erinnerungsschub.

In diesem erfährt er, dass am Tage der anstehenden Hochzeit ein Komet vom Himmel fiel, Thaynar plötzlich in seinem Geist auftauchte und er, nachdem er durch Thaynar verwirrt die Hochzeit gesprengt hatte, von den Brüdern seiner zukünftigen Frau verprügelt und mit dem „Raben“, welcher ein Achtapet – ein Unglücksvogel – ist, gebrandmarkt wurde. Anschließend verließ er seine Heimat um seiner Tira keine Schande zu bereiten. Dass die KI des Darojib ebenfalls Achtapet heißt ist irgendwie bezeichnend…

Mit einem Trick können Sitareh, Thaynar und Achtapet Kolin Uns besiegen. Sie schaffen es sich in Kreell einschließen zu lassen. In den folgenden, subjektiv als Jahrhunderte empfundenen Monaten, gelingt es den drei geistig Verbündeten, Kolin Uns Geistesinhalt aus dem Darojib zu löschen. Als Sitareh aus dem Kreellblock befreit wird, ist vom Meister der Insel laut Tuire nichts mehr übrig.

Das in Andromeda gegebene Versprechen des Darojib, ihm sein komplettes Gedächtnis zurückzugeben, hält dieser (noch) nicht ein. Denn Sitareh hat seinen Auftrag noch nicht erfüllt…

Warum ich den Inhalt in diesem Fall so ausführlich zusammenfasse? Weil ich ihn einfach wahnsinnig spannend und gut fand! Außerdem ist er vermutlich extrem wichtig für die weitere Geschichte des Auloren. Sitareh oder Mariga wird durch die eingestreuten Hintergründe greifbarer als Individuum aber gleichzeitig noch ein wenig mysteriöser als ohnehin schon. Großartig! Kai Hirdt schreibt wie immer flüssig und in einer Weise, die den Leser fast schon zwingt ohne Pause immer weiter zu lesen. Auch das ist einfach großartig.

Insgesamt bin ich von „Der Pfad des Auloren“ bis auf die beschriebene Startproblematik wirklich begeistert. Dafür gibt es von mir 9 / 10 Punkten. 🙂

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s