NEO 172 – Susan Schwartz schreibt über den gelben Tod

Die Zeit ist knapp, ich komme wenig zum Lesen, aber NEO 172 habe ich grade eben beendet. „Der gelbe Tod“ von Susan Schwartz war vom Lesegfühl ein ziemliches „Gehetze“ durch das vorliegende Thema. Häufig habe ich die Handlung im Zeitraffer vorbeifliegen sehen. Das impliziert mir als Leser irgendwie, dass eigentlich mehr zu erzählen gewesen wäre, aber leider nicht ausreichend Seiten zur Verfügung standen.

Das finde ich irgendwie schade, denn grundsätzlich hinterläßt der Roman ein  angenehmes Gefühl in mir. Ich habe mehr über die Blues (ich weigere mich weiter sie bei diesem seltsamen neuen Eigennamen zu nennen…) gelernt, ebenfalls über Molkex und dessen Verarbeitung. Perry und Co. kommen der Rettung von Tuire aus seinem Kreellblock einen guten Schritt näher und insgesamt wird die blue’sche Kultur immer „runder“. Das hat mir wirklich gut gefallen. Wie gesagt, dass an einigen Stellen mehrere Tage in zwei Absätzen behandelt worden zu sein scheinen, finde ich schade, denn Frau Schwartz hat an den Stellen, an denen sie den Platz hatte (oder sich genommen hat) wirklich tolle Eindrücke hinterlassen.

Nun habe ich am ersten Band der Blues-Staffel ja ein wenig rumgemosert. Zu einhundert Prozent bin ich auch in diesem Fall nicht begeistert, was neben dem beschriebenen Tempoproblem vor allem daran liegt, dass ich einige Dinge schwer nachvollziehen kann.

Erstens: der gelbe Tod wird ausgelöst durch die Entnahme eines Enzyms bei Blues-Kindern bis zum Alter von zehn Jahren. Diesen kausalen Zusammenhang bemerken die Herrschaften, welche, wenn man alle Gelege zusammen nimmt, wohl in die hohen Milliardenzahlen gehen dürften, leider nicht. Schön und gut…aber irgendwann haben die damit doch mal angefangen! Kurz danach müsste die Krankheit eingesetzt haben. Da kommt irgendwann doch das dümmste Sternenvolk mal darauf, dass dieser Zusammenhang besteht oder nicht? Man kann sicher argumentieren, dass die Blues mit dem Tod eher rational umgehen und mit der Erkrankung ebenso. Allerdings gilt das offenbar nicht für alle, wie uns das Beispiel des Blue, welcher Tifflor als erstes „Versuchsobjekt“ diente zeigt. Er war am Boden zerstört, da er sein Lebenswerk nicht ansatzweise erfüllt sah. Da er kein Einzelfall sein dürfte bei Milliarden und Abermilliarden von Blues, hätte auch mal irgendwer auf die Idee kommen dürfen, die entsprechende Forschung anzuregen finde ich. Die generelle Weigerung an eine Heilung zu glauben wurde ja ebenfalls in zwei Absätzen über Bord geworfen…

Zweitens: Ein weiterer mir ziemlich unklarer Vorgang ist, wie um alles in der Welt die Blues auf die Idee gekommen sind, Kreell / Molkex mit Katlyk, also dem Enzym der Blues-Kinder zu behandeln, um es form- und verarbeitbar zu machen. Ist da irgendwann ein Babyblue (das ist mal eine coole Bezeichnung hihi ) ausgerutscht, hat sich an einem Stück Kreell den Hals aufgeschrammt und sein Enzym darüber vergossen, wobei ein erwachsener Blue merkte, dass das Zeug plötzlich weich wie Gummi ist? Seid mir nicht böse liebe Expokraten, aber das finde ich irgendwie an den Haaren herbeigezogen (zugegeben, meine Herleitung ist natürlich genau das 🙂 ).

Aber: vielleicht folgt ja doch noch eine sinnvolle Erklärung und ich haue mir dann gegen die Stirn und sage „Ach sooooo, jetzt macht das alles Sinn!“ 🙂

Abgesehen von diesen Unstimmigkeiten gefiel mir „Der gelbe Tod“ aber durchaus ganz gut und im Gegensatz zum Vorgängerband war er für mein persönliches Empfinden auch erheblich angenehmer zu lesen. Die Staffel scheint langsam Fahrt aufzunehmen und ich bin durchaus gespannt, was Tuire irgendwann zu erzählen hat und was in der Eastside noch Feines passiert. Also dann, auf zum „Lockruf des Kreell“!

Der gelbe Tod bekommt von mir übrigens 5,5 / 10 Punkten. Einen mehr als „Brennpunkt Eastside“. Da ist eine Tendenz erkennbar oder? 😉

 

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2 Gedanken zu “NEO 172 – Susan Schwartz schreibt über den gelben Tod

  1. Marcus (aka Shallun) Juli 29, 2018 / 4:58 pm

    Nachdem ich den neuesten Band der PR-Erstauflage (2971) bereits am Freitag gelesen habe, kann ich jetzt für ein paar Tage um meinen NEO-Rückstand kümmern …
    Diesen Band von Susan Schwartz habe ich gestern und heute gelesen – und kann mich Deinem „Urteil“ weitestgehend anschließen, das Heft war gut zu lesen, die Infos über die Kultur der Blues fand ich spannend – wenngleich sie den Terranern ziemlich leicht in die Hände gefallen sind, ich bin gespannt: gibt es eigentlich viele verschiedene raumfahrende Völker in der Eastside? – die beiden großen „Ungereimtheiten“ sind aber auch mir (negativ) aufgefallen, haben für Stirnrunzeln gesorgt.
    Nur in einem (unwichtigen) Punkt gehen meine Mutmaßungen in eine andere Richtung: Wenn man das Schriftbild (die Schriftgröße) im Heft betrachtet, sieht man, dass sehr großzügig gesetzt wurde – ich habe bei einer Stichprobe auch nur 38 Zeilen je Seite gezählt, bei anderen Heften bin ich auf 40 gekommen – in dem Sinne scheint es nicht so gewesen zu sein, dass der Autorin nicht ausreichend Seiten zur Verfügung gestanden wären, sondern sie hat es eher nicht geschafft, den vorhandenen Platz zu nutzen – eventuell aus Termin-/Zeitproblemen?
    Ergänzen möchte ich noch, dass ich mich über die Erwähnung von Frank Haggard sowie von Leyle gefreut habe (Seite 154) – so etwas stärkt den inneren Zusammenhalt der Serie, das macht für mich PR aus.
    Bin jedenfalls gespannt auf die nächsten Romane – und freue mich auch auf Deine Rezensionen, die ich aber (natürlich) erst nach der Lektüre der Romane lesen kann/lesen werde.

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    • fessinho Juli 30, 2018 / 7:20 am

      Moin,
      ich muss zugeben, darauf habe ich gar nicht geachtet, ist aber ein durchaus interessanter Aspekt. Möglicherweise hast du recht und es lag eher daran, dass der Termindruck zu hoch war.

      Viele Grüße

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