Kai Hirdt – I am (a) Blue!

Hui, war das ne coole Nummer. Kai Hirdt entführt den Leser in „Krisenzone Apas“ in die Welt der Blues. Jetzt sollte man denken, in der Staffel „Die Blues“ ist das ja zu erwarten. Stimmt irgendwie, aber der komplette Roman ist aus der Sicht der Blues geschrieben! Das ergibt beim Lesen ein total anderes Feeling und war wirklich grandios.

Worum geht es in „Krisenzone Apas“?

Ganz grob geht es darum, dass Perry Rhodan mit der FERNAO und den drei Blues „aus der Vergangenheit“ nach Apas fliegt um dort Katlyk gegen das Heilmittel der Choroba nemoc zu tauschen.

Nebenbei liefert Kai Hirdt noch einen sehr lesenswerten Politthriller…in den Hauptrollen die Damen Lukosta und Waikara Atisi sowie deren Gegenspieler Aan Hadralok. Wobei das mit Gegenspieler im Laufe des Romans mehrfach hin- und herschwankt. Wie gesagt, allesamt Blues oder Azaraq, genauer gesagt aus dem Gelege der Apasos.

Während Waikara Atisi als Regierungschefin versucht, einen Krieg gegen die Gataser zu vermeiden – zumindest zum Zeitpunkt der Handlung, denn auch sie will diesen Krieg, nur später – rutscht ihre Tochter Lukosta eher zufällig in eine Regierungsposition. Als ihr Bruder ermordet wird, bittet Waikara ihre Tochter das Ressort Raumfahrt zu übernehmen um die Mehrheit im Rat zu behalten. Lukosta strebt eigentlich keine politische Karriere an, willigt aber ein. Kurz nach dem Auftauchen der FERNAO rettet sie eine Flotte Apaserschiffe aus einer sogenannten „Niederung“ – einer von ihr während der wissenschaftlichen Arbeit entdeckten gravitationellen Anomalie im System. Trotz ihrer Warnung an den Rat hatte der Oberkommandierende der Flotte die Einkesselung der FERNAO befohlen und damit alle Schiffe in Gefahr gebracht.

Nach der Rettung darf sie die ersten Verhandlungen führen und kann sich selbst davon überzeugen, dass das Heilmittel echt ist. Sie begleitet Rhodan, Tifflor, Sud und die drei „historischen“ Apaser auf die Regierungswelt Apas, wo die Verhandlung mit ihrer Mutter Waikara fortgesetzt werden soll. Die Verhandlungen laufen zunächst relativ gut, Waikara behauptet zunächst nur die Hälfte der geforderten Katlykmenge zu haben, gibt aber an, zu versuchen das restliche Katlyk aufzutreiben. In Wirklichkeit hat sie gemeinsam mit ihrem Widersacher Hadralok heimlich 112.000 Tonnen Katlyk beiseite geschafft um zu gegebenem Zeitpunkt eine Flotte mit Molkex ausrüsten zu lassen. Dafür ist die Forschungsflotte vorgesehen.

Nachdem sie sich Zeit erbeten hat, spioniert sie Rhodan und seinen Begleitern mithilfe von genetisch veränderten Insekten nach und findet – genauso wie unabhängig von ihr auch Hadralok – heraus, dass die Terraner das Heilmittel im Zweifel auch anderen Gelegen zur Verfügung stellen wollen. Daraufhin ändert sie ihre Meinung, befiehlt ihrer Tochter, welche das Katlyk mit fünfhundert Forschungsraumern abholen sollte, den Einsatz abzubrechen und bespricht mit Hadralok, dass sowohl Rhodan und seine Gruppe getötet als auch die FERNAO vernichtet werden muss.

Während Hadralok Vorbereitungen zum Angriff auf die FERNAO trifft, lässt Waikara ein Attentat auf Rhodan starten, was jedoch kurz vor Ausführung unterbrochen wird, als die Terraner von einem unautorisiert fliegenden Gleiter gerettet werden. Sie steigen ein, da eine Aufnahme der Unterhaltung zwischen Hadralok und Atisi den Beweis erbringt, dass sie hintergangen werden sollen.

Den Gleiter wiederum schickte Lukosta, welche beschlossen hat, dass die Rettung des Heimatsystems der Apasos wichtiger als der Gehorsam zu ihrer Mutter ist. Daher lädt sie auch weiter das Katlyk ein, nachdem sie die Entstehung einer neuen Niederung entdeckt hat.

Rhodan, Tifflor und Sud treffen nach einer erfolgreichen Flucht kurz vor Abschluss des Katlykdiebstahls bei ihr ein. Zeitgleich bemerkt Hadralok, was auf Kohnla, der Welt mit dem Katlyklager vor sich geht.

Die Lage spitzt sich erwartungsgemäß zu, in der unvermeidlichen Raumschlacht finden sich die Katlykschiffe im Griff der neu entstandenen Niederung wieder und erst ein Kreelleinbruch direkt über Kohnla – der zur Verwüstung des Militärstützpunktes führt – bringt Hadralok dazu, Lukosta zu glauben. Er rettet die Katlykflotte und bittet um Verzeihung. Gleichzeitig wird er persönlich die Flotte zum Treffpunkt mit der FERNAO begleiten.

Nebenbei beschreibt Kai Hirdt auch noch das Schicksal des „nach Hause“ zurückgekehrten „historischen“ Apaso Ussein Parkh, der mit den Veränderungen seiner Heimat kämpft, plötzlich feststellt, dass er durch Zinsen nach siebenhundertachtzehn Jahren steinreich – oder besser molkexreich – geworden ist und am Ende ist er dafür verantwortlich, dass die Machenschaften der Mayat, also des Staatsoberhauptes der Apasos, gestoppt werden. Er kauft kurzerhand den größten Nachrichtensender und lässt über die Korruption von Waikara Atisi berichten. Diese stürzt sich – auch weil sie sich ohnehin im Endstadium der Choroba nemoc befindet – in den Tod. Ihre Tochter übernimmt auf Empfehlung von Aan Hadralok die Nachfolge, da dieser erkannt hat, dass sie tatsächlich nur das Beste für Apas will.

Zu Ussein Parkh hier noch ein kleines Zitat, das mich schmunzelnd weiterlesen ließ:

Bevor Parkh ihre Bekanntschaft jedoch vertiefen konnte, störte ihn ein Signal seines funkelnagelneuen, kreellbesetzten Luxusallzweck-Kommunikationsarmbandes mit funktionsfreien, aber hochwertigen Molkexintarsien […]

Sowas muss man sich erstmal ausdenken. 🙂

Wie hat mir “ Krisenzone Apas “ gefallen?

„Krisenzone Apas“ ist ein super Politthriller mit Blues als Protagonisten. Die politischen Verwicklungen und Ränkespiele unter den blues’schen Machthabern sind beeindruckend plastisch beschrieben, Intrigen und Gleichgültigkeit gegenüber den normalen Bürgern sind ebenso erschreckend wie greifbar geschildert.

Erschreckend trifft der Roman meiner Meinung auch den aktuellen Zeitgeist, in welchem man sich als „normalsterblicher Bürger“ durchaus der Willkür der Politik ausgesetzt fühlen kann.

Mit Lukosta gibt es aber eben auch diesen einen Charakter, der trotz aller Widrigkeiten einfach nach ihrem Gefühl handelt und das Richtige tut. Hier wird das am Ende belohnt…

Insgesamt bin ich schwer begeistert, besonders der Perspektivwechsel hat mir sehr gut gefallen. Die komplette Story aus der Sicht der Azaraq war ungewohnt aber wirklich erfrischend und gut zu lesen. Das war meiner Meinung ein ganz starker NEO!

Was war nicht ganz so gelungen?

Tja…was eigentlich? Auch hier kommt die Gesamthandlung wie in den beiden Vorgängerromanen nur langsam weiter, aber das ist mein einziger Kritikpunkt. Wir mussten nicht noch ein viertes Mal Impos ertragen, der Roman war spannend und immerhin ging es etwas weiter. Darum will ich gar nicht mehr meckern, dafür war das Ding einfach zu gut! 🙂

Fazit:

Für einen wirklich guten SF-Politthriller aus Azaraqsicht gibt es großartige 9,5 / 10 Punkten. Ich war gefesselt von der wirklich wendungsreichen Story und fühlte mich auf beste Art und Weise unterhalten.

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Oliver Plaschka und die Rückwärts-Blues

Ich möchte heute mal mit einem, wie ich finde, spannenden Stilmittel beginnen, dass Oliver Plaschka nutzte. Er hat in die eigentliche Story um die Arche der Memeter und den Versuch diese zu retten, eine Geschichte um ein paar Blues eingebaut, die auf Impos abstürzten und sich in die Kavernen retteten. Dabei verloren nach und nach bis auf drei Blues alle ihr Leben. Die drei erreichten Stasiskapseln und werden viertausend Jahre später von Eric Leyden und Tuire Sitareh wieder aufgeweckt. Aufgebrochen waren sie um das „schwarze Ei“, also das Ovisystem zu finden – als letztes Abenteuer von zwölf todgeweihten Individuen, denn alle litten unter Choroba nemoc.

Das spannende an dieser Nebengeschichte ist, dass Plaschka sie rückwärts erzählt und mit „Zehnter Gesang“ startet, so dass der Leser zuerst erfährt, dass sich die Blues in die Stasis begeben. Ich war zuerst ein wenig irritiert, fand aber nach und nach immer mehr Gefallen daran, die fehlenden zeitlich vorgelagerten Elemente zu erfahren. Das hat Spaß gemacht.

Worum geht es in „Die Kavernen von Impos“?

Tja…worum geht es? Ich fühlte mich irgendwie ein wenig in den Vorgängerroman von Madeleine Puljic zurückversetzt. Denn es passierte wieder recht wenig. Kurz zusammengefasst: Rhodan sitzt mit den Eisbrechern in der Arche fest und verteidigt sie gegen die Hornschreckwürmer, wo es gerade nötig wird.

Leyden, Sitareh und Tolot dringen in die Kavernen unter Impos vor, suchen nach einer Möglichkeit, die Abwehrmechanismen zu reaktivieren und das Erwachen des Suprahet zu verhindern. Dabei entdecken sie eine weitere Form von Kreellwesen, welche Leyden aufgrund ihrer gestaltwandlerischen Fähigkeiten „Morphos“ nennt. Diese helfen letztlich dabei, die Anlage teilweise zu reaktivieren und die Arche im letzten Moment davor bewahren, von den Hornschreckwürmern überrannt zu werden.

Die drei geretteten Blues vom Gelege der Apaser werden von Tifflor behandelt und von der Choroba nemoc befreit. Rhodan setzt seine Hoffnung auf die drei Blues um an ausreichend Katlyk zu kommen, damit die Arche aus dem Kreell befreit werden kann. Außerdem sollen Tolot und Leyden die Memeter erwecken sowie Sitareh mit einem Team aus Technikern und Robotern erneut in die Kavernen steigen um die Anlage komplett zu reaktivieren.

Wie hat mir „Die Kavernen von Impos“ gefallen?

Aufgrund des Aufbaus fand ich den Roman kurzweilig und durchaus spannend. Oliver Plaschka versteht es, die im vorigen Roman aufgebaute Stimmung beizubehalten, die Hornschreckwurmbedrohung ist noch immer „spürbar“ und man wartet mehr oder weniger sehnsüchtig darauf, dass Tolot, Leyden und Sitareh eine Lösung finden.

Toll fand ich die kleine Nebenstory um die Bluesgruppe, welche chronologisch „falschrum“ erzählt wurde.

Was war nicht ganz so gelungen?

Nun…ich muss leider sagen, dass mir jetzt langsam wirklich etwas den Handlungsfortschritt fehlt. Im letzten Roman war das durch die Stimmung noch ausgeglichen und ich kann gut mitgehen, wenn ein NEO mal mehr die Stimmung als die Handlung aufbaut, aber auch in diesem ging es gefühlt einfach nicht vorwärts.

Ich hoffe und glaube ganz fest daran, dass in den drei abschließenden Romanen der Staffel mehr passiert und dass die Handlung doch wieder Fahrt aufnimmt. In der Regel ist das ja gegen Staffelende immer der Fall. Ich bin auf jeden Fall gespannt, da wir mit NEO 178 ja Impos wieder zu verlassen scheinen.

Fazit:

Im Prinzip ist alles gesagt, ein ordentlicher Einzelroman von Oliver Plaschka, kreativer Einbau der „Zweitgeschichte“ aber in Bezug auf die Gesamthandlung war mir das wirklich etwas zu wenig.

Daher gibt es an dieser Stelle von mir „nur“ 5,5 / 10 Punkten. Als Einzelroman, ohne ihn in den Gesamtkontext einzuordnen, würde ich vermutlich mehr geben, gefühlt lag das Problem nicht bei Oliver Plaschka, sondern beim Exposé. Aber auch das ist okay, nicht jeder Roman / jedes Exposé kann immer jeden Leser vom Hocker hauen. 🙂

Madeleine Puljic und die „Arche der Schläfer“

Was am Strand auf Fehmarn begann, endete heute auf meinem heimatlichen Sofa…draußen war es einfach viel zu warm!

Es ist ja inzwischen ein relativ offenes Geheimnis, dass ich unter den NEO-Autoren neben Kai Hirdt besonders Madeleine Puljic schätze (ohne die Leistungen der anderen Autoren schmälern zu wollen, einen tollen Job machen alle). Der – für mich persönlich – aktuelle Roman war nun ein weiteres Exemplar von Madeleine und was soll ich sagen, er hat mir auch in diesem Fall gut gefallen. Ich bin damit übrigens nur noch einen Roman im Rückstand! *juhu*

Worum geht es in „Arche der Schläfer“?

NEO 176 spielt auf Impos, einem der zweiundvierzig Monde von Moloch, auf welchem die DOLAN mitsamt Rhodan, Tolot, Sitareh und Leyden ja im Vorgänger-NEO mehr oder weniger notgelandet ist. Rhodan‘s Team befindet sich zu Beginn bei den Eisbrechern, also der Gruppe von Erwachten aus der Arche.

Handlungstechnisch passiert insgesamt gar nicht so viel, denn man kann die Handlung wie folgt zusammenfassen:

Beim Versuch die Arche wieder flott zu bekommen, stellen Rhodan und Co. in der Zentrale, welche sie mühsam erreichen fest, dass das ohne einen Memeter nicht so einfach ist, da sie die Stasiskapseln der elf noch schlafenden Memeter nicht öffnen können ohne sie eventuell in die Luft zu jagen. Da der einzige wache Memeter – Oxford – aufgrund seiner eingeschränkten Mobilität nicht dabei war, müssen sie also zurück. Dabei erzählt einer der Eisbrecher – Ambrose Escher – seine Geschichte, denn er war auf Terra einer der Memeterpropheten. Dabei erfahren wir, dass er sich fremdgesteuert fühlte und gegen den Einfluss anzukämpfen versuchte. Allerdings zunächst vergeblich.

Auf dem Rückweg wird die Gruppe – wie zuvor auf dem Hinweg auch – von Hornschreckwürmern angegriffen und entkommt nur knapp. Tolot macht sich auf den Weg zur DOLAN um dort Waffen zu produzieren, der Rest der Gruppe harrt aus und verteidigt die Arche gegen die Hornschreckwürmer. Kurz bevor diese den Kampf gewinnen, gelingt es Tolot, Hyperschallwaffen einzusetzen und die kleinen Beißer in Schach zu halten. Dabei entdeckt er zufällig auch noch künstlich angelegte Gänge und Räumlichkeiten unter der Oberfläche von Impos. Offenkundig durch die Memeter angelegt.

Die zuvor als dumm geltenden Hornschreckwürmer erweisen sich in den Kämpfen als ganz und gar nicht dumm und zeigen strategisches Denken. Außerdem berichtet Escher in zwei weiteren Episoden, wie er es am Ende – kurz vor Abreise aus dem Sol-System – schaffte sich dem Memetereinfluss zu entziehen, fast zu fliehen und wie er ein Gespräch der Memeter mitbekam. In diesem Gespräch tauschen sich zwei dieser Wesen darüber aus dass die Menschen willkommene Auffrischungen für den Genpool seien und Escher bekommt außerdem mit, dass ein dringender Notruf eingeht, der die Arche in das Moloch-System beordert, da das Gefängnis des „Suprahet“ zu versagen droht.

Am Ende öffnen Tolot, Sitareh und Leyden einen Zugang zu den „Kavernen von Impos“, was gleichzeitig natürlich der Titel von NEO 177 ist. 🙂

Ach ja, zwischendurch kämpft Sitareh mal wieder gegen den Einfluss von Memetertechnik, nämlich den des Darojion von Oxford. Das ist eine Art abgespeckte Darojib-Version, die nur einen Arm bedeckt. Oxford seinerseits denkt, Sitareh will ihm das Gerät abnehmen und findet ihn daher nicht mehr ganz so sympatisch…

Wie hat mir NEO 176 – „Arche der Schläfer“ gefallen?

Ausgesprochen gut fand ich die vermittelte Stimmung. Madeleine Puljic versteht es, das Gefühl der Bedrohung durch die Hornschreckwürmer allgegenwärtig aufrecht zu erhalten. Die Reaktionen der verschiedenen Handlungsträger sind allesamt unterschiedlich und glaubwürdig in ihren Motiven beschrieben. Den Schreibstil mag ich ja ohnehin, da habe ich nichts zu meckern.

Außerdem bekommen wir in kleinsten Portionen Hintergrundinformationen über die Memeter, die große Bedrohung im Hintergrund und das System. Alles sehr fein zu lesen!

Was war nicht ganz so gelungen?

Es gab die eine oder andere Stele, die ich nicht ganz rund fand. Beispielsweise, dass Taravat, die KI der DOLAN, nicht auf die Idee kam, die Kommunikation nach außen wiederherzustellen und sei es nur einseitig, nämlich so, dass Tolot das Schiff anfunken kann. Wie sollte der arme kleine Haluter denn Taravat‘s Meinung nach das Schiff betreten, wenn er sich nicht bemerkbar machen kann um eine Schleuse zu öffnen? Eigentlich nur mit Gewalt, was er dann ja auch gezwungen ist zu tun…

Außerdem war es vom reinen Inhalt schon relativ dünn. In ganz kurz: Team versucht Arche zu starten, geht nicht. Hornschreckwürmer greifen an, Tolot rennt zur DOLAN, kommt mit Waffen zurück und rettet alle.

Klar, es gab dazwischen noch einige nette Hintergrundinfos und gaaaanz viel Stimmung und Charakterbeschreibung, allerdings hätte ein wenig mehr „Gesamthandlung“ enthalten sein können.

Fazit:

Auch wenn ich ein paar kleinere Kritikpunkte gefunden habe, war das ein wirklich guter NEO. Madeleine Puljic schreibt einfach – für meinen Geschmack – tolle Romane und hat das mit „Arche der Schläfer“ erneut bewiesen.

Aufgrund der kleineren Schwächen gibt es 8 / 10 Punkten. Etwas schwächer als die Vorgänger aber trotzdem auf wirklich gutem Niveau.

Imposante Geschichte um einen imposanten Planeten und seinen Mond „Impos“

Der Urlaub ist in vollem Gange und ich nähere mich immer mehr der aktuellen NEO-Handlung. Um das zu erreichen habe ich gestern „Der Moloch“ von Rainer Schorm verschlungen. Durchaus imposanter Roman. 🙂

Spaß beiseite, die Handlung spielt größtenteils auf Impos, einem Mond des Riesenplaneten „Moloch“ im System bzw. der Sonne „Droo Karuuhm“. Das war ja das ausgewiesene Ziel der MAGELLAN und nach dem Impuls des Darojib haben Rhodan und seine Kumpane es nun also erreicht. Fröhlich ins System einfliegend finden sie eine eiförmige Sonne, einen übergroßen Planeten und 42 Monde vor, die ein ausgesprochen künstlich wirkendes Gebilde ergeben.

In diesem hyperphysikalischen Chaos mitsamt Gravitationsanomalien, natürlich kommt es hier zu größeren Redrifts mit haufenweise Kreell, fliegen Rhodan, Tolot, Leyden und Tuire Sitareh mit der DOLAN den Mond Impos an, welcher als Zielpunkt des Darojibimpulses identifiziert werden kann. Die DOLAN kriegt trotz ihrer fortschrittlichen Technik stärkere Probleme als erwartet und legt eine unsanfte Landung hin. Rhodan und Gefährten gehen auf Erkundungsreise in Richtung des Impulsempfängers.

In einer Zeit davor, wie wir später erfahren in einem Zeitraum von rund drei Jahren, erwachen in der Arche fünf Menschen und ein Memeter aus dem Tiefschlaf, da ihre Schlafkapseln defekt sind. Der ungleichen Gruppe zeigt sich ein, sagen wir mal, unerfreuliches Bild: die AVEDANA-NAU, also die Memeter-Arche mit rund elf Milliarden Menschen an Bord, ist auf Impos abgestürzt und alle außer ihnen schlafen einfach weiter. Die Gruppe hält sich die nächsten Jahre irgendwie über Wasser, ohne die Technik der Arche wirklich nutzen oder manipulieren zu können. Der Memeter unter ihnen ist ein einfacher Techniker ohne nötige Zugangsberechitigungen…schade soweit.

Durch eine weitere Havarie stößt ein Blue zu ihnen und vergrößert damit die Gruppe auf sieben. Sie müssen sich immer wieder sehr aggressiven Biestern erwehren, welche sich durch Kreell und andere Materialien fressen als wäre es Butter. Nur das alte, schwarze Molkex erweist sich als unzerstörbar für diese tausendfüßlerartigen Wesen. Als weitere Möglichkeit sie zu bekämpfen dienen umgebaute Projektilwaffen, welche mithilfe von Molkex Infra- und Hyperschall aussenden und die Angreifer wortwörtlich zum Platzen bringen.

Rhodan’s Gruppe findet unterdessen ein übergroßes Physiotron, welches Eric Leyden direkt umtauft: Physcore, eine Mischung aus Physiotron und „Core“ für Herz, da hier die Impuls zusammenlaufen. Im Inneren des Physcore treffen sie, nach einer Prüfung durch den Wächter, auf mehrere vergeistigte Memeter und erfahren, dass eine „supraheterodynamische Existenz“ die Realität des Universums (oder zumindest der lokalen Gruppe) gefährdet und der Kontrolle durch die Memeter zu entgleiten droht.

Beunruhigt, aber aufgrund der mysteriösen und nebulösen Andeutungen der Memeter auch etwas verwirrt, gehen Rhodan und Co. weiter. Sie entdecken kurze Zeit darauf die Arche, werden auf dem Weg dorthin von der kleinen Gruppe Erwachter vor den „Tausendfüßlern“ gerettet und schaffen es mit knapper Not alle gemeinsam in die Arche.

Soweit zum Inhalt, nun zum Unterhaltungswert: dieser war meiner Meinung nach sehr hoch! Ich konnte NEO 175 nur schwer aus der Hand legen, habe das Taschenheft nahezu in einem Zug durchgelesen. Die drei Handlungsebenen, welche nach und nach zueinander geführt wurden, haben mich alle komplett überzeugt und waren sehr stimmig. Auch hier gab es wieder tolle Charakterbeschreibungen, besonders der Blue Herxxell hat es mir angetan. Die Gesamthandlung geht ebenfalls voran, die Arche ist endlich (wenn auch an erwartet unerwarteter Stelle) gefunden und die „Hornschrecken“ betreten die Bühne. Insgesamt hält Rainer Schorm in seinem Roman das Niveau, welches Kai Hirdt zuvor ja schon sehr nach oben gedrückt hatte.

Ein Zitat möchte ich hier noch aufgreifen, weil ich es zur Situation der Charaktere passend fand, aber auch weil es irgendwie den Zeitgeist trifft:

Sie ist über einhundert Jahre alt, dachte Roscoff frustriert. Ich habe mich immer gefragt, warum alte Menschen zynisch werden. Dabei ist es ganz einfach: Sie haben viel zu viel gesehen. Sie haben Illusionen und Ideale durch Erfahrungen ersetzt…ersetzen müssen. Wenn man sich nichts mehr vormachen kann, findet man sich mit der Welt als bösem Ort ab. Oder man dreht durch.

Sehr philosophisch, möglicherweise sehr wahr und trotzdem eine sehr pessimistische Sicht der Dinge. Auf jeden Fall eine Aussage, über die es sich nachzudenken lohnt wie ich finde.

Ich habe wenig bis nichts zu mosern, also gibt es auch in diesem Fall 9 / 10 Punkten. 🙂

PS: Mein Kritikpunkt aus NEO 173, zu den plötzlich kapitalistischen Blues wird nachträglich in diesem Band erklärt, wenn auch nur rudimentär. Aber immerhin, es fiel wohl auf, dass die Beschreibungen der Blues-Kultur in diesem Punkt…sagen wir ambivalent war. Fein, dass das erläutert wurde! 🙂

Kai Hirdt auf dem „Pfad des Auloren“

Ein Roman, auf den ich mich schon viele Wochen freute (da er ja leider auch schon viele Wochen bei mir auf dem Nachtschrank lag…) und der meine Erwartungen trotz etwas wackligem Start absolut erfüllt hat.

Zum Start: der Einstieg hat mich reichlich irritiert. Ich musst erstmal in „Lockruf des Kreells“ nachlesen, ob ich jetzt falsche Erinnerungen abgespeichert habe oder ob da was schiefgelaufen ist. Meine Erinnerung täuschte mich nicht, Ruben Wickenhäuser beschreibt auf den Seiten 91 und 92 wie der Aulore Tuire Sitareh nach seinem Aufenthalt im Kreell wieder erwacht. Sitareh ist hier zwar nicht in der Lage, auf Erinnerungen zuzugreifen, die er vor der Trennung von der MAGELLAN noch nicht hatte, aber er hatte komplett alle Erinnerungen der letzten sechs Jahre, also seit er im Sol-System aufgetaucht ist. Nun wacht er in „Der Pfad des Auloren“ zu besagtem Start also erneut auf…und siehe da, er weiß zunächst nicht wer er ist, wer Perry Rhodan ist oder sonst irgendetwas, was er eigentlich wissen sollte. Hier hat vermutlich entweder die Absprache zwischen den Autoren nicht gut funktioniert, die Exposés waren ungenau oder einer der beiden hat den Aufwachvorgang im Alleingang anders beschrieben. Alle drei Gründe finde ich als Leser etwas ärgerlich, da ich solche logischen Brüche, die auch noch so offensichtlich und einfach vermeidbar wären, nicht mag. Wenn ich Perry Rhodan oder eben Perry Rhodan NEO lese, möchte ich gut unterhalten werden, in fremde Welten eintauchen und nicht darüber nachdenken müssen, warum etwas plötzlich komplett anders ist als im Roman zuvor. Ich bin bei Leibe kein Leser, der an allem rumkritisieren muss, manches gefällt mir besser, manches schlechter, aber das ist alles okay. Diese gröberen Brüche finde ich aber schlicht schade, weil sie, wenn auch nur kurzzeitig, meinen Lesefluss und -genuss ausbremsen.

So…nun habe ich aber wirklich genug kritisiert, das hat „Der Pfad des Auloren“ nämlich im Großen und Ganzen gar nicht verdient! Der Roman war alles in allem ein Hochgenuss im NEOversum! Tuire Sitareh, inzwischen eine meiner Lieblingsfiguren, erwacht wie schon erwähnt aus seinem „Kreell-Winterschlaf“, ist um Jahrzehnte gealtert und erzählt nach kurzen Anlaufschwierigkeiten seine Geschichte seit Andromeda und der Trennung von der MAGELLAN.

Der Romantitel schrie ja im Voraus schon „Offenbarungen“ in die Welt hinaus. Diese gab es…zum Teil jedenfalls. Das ist gut so und war genau richtig dosiert. Tuire Sitareh lebt als Figur ja ein wenig vom Mythos, der um ihn existiert. Seine Vergangenheit liegt großteils im Dunkeln, er selbst kennt seinen Auftrag nicht und ist so oft durch Zeit und Raum gereist, dass es unklar ist, wie alt er ist, geschweige denn zu welchem Zeitpunkt er geboren wurde.

Also zu meinen üblichen Spoilern: Tuire flieht von Multidon, trifft dabei auf mehrere Meister der Insel, die ihn offenbar kennen. Das ist die erste Überraschung, wird aber nicht weiter aufgeklärt. Sicher ist, dass die Meister von ihm wissen, von seinem Auftrag, welchen er von ES bekommen hat, er selbst aber nicht kennt und dass sie aus irgendeinem Grund die Möglichkeit haben, seinen Darojib zu manipulieren. Dass der Memeteranzug sich von Faktor XI aus der Distanz beeinflussen lässt, ist schon ein Hinweis darauf, dass da noch deutlich mehr Querverbindungen existieren, als bisher angenommen.

Nachdem er Multidon nach einem Kampf gegen einen Baphometen in einem gestohlenen Situativ verlässt, halb tot mit gebrochenen Knochen im ganzen Körper, landet er über Umwege bei ausgewanderten Aachaonen, welche versuchen über die Transmitterstrecken einen neuen Heimatplaneten zu finden. Aufgrund fehlender Kenntnisse der entsprechenden Codes konnten sie aber bis zu Tuires Ankunft nur wenige Strecken nutzen. Mit seiner Hilfe gelingt es, einen Großteil des Netzes nutzbar zu machen. Tuire, welcher eine Liebschaft mit der führenden Aachaonin beginnt, entschließt sich nach einem Erinnerungsschub an sein Leben vor der Zeit als Instrument von ES, in die Milchstraße zurückzukehren. Dieser Entschluss ist allerdings auch von Achtapet, der KI seines Darojib befeuert.

In seinem Erinnerungsschub erfährt er, dass er von einem Planeten namens Triman stammt, ursprünglich Tuire Magira heißt und kurz vor der Hochzeit mit seiner großen Liebe Tira stand. Als einfacher Bauer hatte er sich in sie verliebt und sie sich in ihn, was in ihrer Familie nicht besonders positiv aufgenommen wurde.

Der Darojib macht ihm Hoffnung, dass Tira noch leben könnte, da Sitareh in der Zeit hin- und hergereist ist.

Nachdem er die Aachaonen durch den Sonnentransmitter verlassen hat, kommt er beim Sonnensechseck im Zentrum Andromedas heraus, von welchem er weiter Richtung Milchstraße reisen will. Hier trifft er auf den gespeicherten Geistesinhalt des ehemaligen Faktor XI – Kolin Uns – welchen er für seine Unterstützung in den Darojib überführen muss. Dabei erfährt er in einem weiteren Erinnerungsschub, dass er vor einer nicht ganz klaren Zeitspanne auf Taui – oder Ul wie der Planet wohl tatsächlich früher hieß – nicht nur versuchte, die Zeitbomben zu entschärfen, wie ihm seine bisherigen Erinnerungen weißmachen wollten, sondern, dass er zuvor für das Auslösen selbiger verantwortlich war. Sein verzweifelter Versuch sie zu entschärfen, nachdem er von einem gewissen Laoshi erfahren hat, was sie bei Auslösung bewirken werden, nämlich dass keiner der Millionen Mehandor auf dem Planeten jemals existiert haben wird, scheitert knapp. Er erhält daraufhin den Beinamen „Schlächter von Ul“.

Mit dieser erschütternden Erkenntnis reist Sitareh durch das Sonnensechseck weiter in die Milchstraße, kommt in der Eastside raus und wird von Blues attackiert. Kolin Uns überwältigt Achtapet und übernimmt mithilfe des Darojib die Kontrolle über Tuires Körper. Er tötet viele der Blues mit Sitarehs bloßen Händen, ohne dass dieser es verhindern kann.

Im gemeinsamen Kampf mit seinem geistigen Begleiter Thaynar gegen Kolin Uns kommt es zu einem weiteren Erinnerungsschub.

In diesem erfährt er, dass am Tage der anstehenden Hochzeit ein Komet vom Himmel fiel, Thaynar plötzlich in seinem Geist auftauchte und er, nachdem er durch Thaynar verwirrt die Hochzeit gesprengt hatte, von den Brüdern seiner zukünftigen Frau verprügelt und mit dem „Raben“, welcher ein Achtapet – ein Unglücksvogel – ist, gebrandmarkt wurde. Anschließend verließ er seine Heimat um seiner Tira keine Schande zu bereiten. Dass die KI des Darojib ebenfalls Achtapet heißt ist irgendwie bezeichnend…

Mit einem Trick können Sitareh, Thaynar und Achtapet Kolin Uns besiegen. Sie schaffen es sich in Kreell einschließen zu lassen. In den folgenden, subjektiv als Jahrhunderte empfundenen Monaten, gelingt es den drei geistig Verbündeten, Kolin Uns Geistesinhalt aus dem Darojib zu löschen. Als Sitareh aus dem Kreellblock befreit wird, ist vom Meister der Insel laut Tuire nichts mehr übrig.

Das in Andromeda gegebene Versprechen des Darojib, ihm sein komplettes Gedächtnis zurückzugeben, hält dieser (noch) nicht ein. Denn Sitareh hat seinen Auftrag noch nicht erfüllt…

Warum ich den Inhalt in diesem Fall so ausführlich zusammenfasse? Weil ich ihn einfach wahnsinnig spannend und gut fand! Außerdem ist er vermutlich extrem wichtig für die weitere Geschichte des Auloren. Sitareh oder Mariga wird durch die eingestreuten Hintergründe greifbarer als Individuum aber gleichzeitig noch ein wenig mysteriöser als ohnehin schon. Großartig! Kai Hirdt schreibt wie immer flüssig und in einer Weise, die den Leser fast schon zwingt ohne Pause immer weiter zu lesen. Auch das ist einfach großartig.

Insgesamt bin ich von „Der Pfad des Auloren“ bis auf die beschriebene Startproblematik wirklich begeistert. Dafür gibt es von mir 9 / 10 Punkten. 🙂

Ruben Wickenhäuser „lockt mit Kreell“

…und das durchaus erfolgreich möchte ich meinen. Der Roman war Ruben’s Debüt für Perry Rhodan NEO, ich kannte ihn zuvor noch gar nicht. Daher zunächst ein paar Worte zum Autor bevor ich zum Inhalt komme.

Ich habe den Stil von Ruben Wickenhäuser als ausgesprochen erfrischend empfunden. Seine Darstellung der einzelnen Personen war sehr glaubwürdig und er hat eindeutig ein Händchen für Gucky! Den NEO-Gucky habe ich lange nicht so lebhaft und gut erlebt wie in „Lockruf des Kreells“! Aber auch seine Darstellung der einzelnen Blues fand ich wirklich gut. Ich hoffe, wir bekommen noch mehr von ihm zu lesen, danke für diese sehr unterhaltsamen 160 Seiten!

Zum Inhalt: aus meiner Sicht, bzw. meiner Erinnerung, gab es ein paar Unstimmigkeiten und Logikfehler. Einer soll an dieser Stelle benannt werden: in den beiden vorigen Romanen wurden die Azaraq (ja…ich nutze jetzt diesen seltsamen Namen…) als Volk ohne Handelsmentalität geschildert. Hier haben wir plötzlich Prospektoren, Geschachere um Molkex und den Wusch nach persönlichem Reichtum. Klar könnte man argumentieren, dass wir mit den Tentra die dritte Volksgruppe der Blues kennenlernen und diese andere Verhaltensweisen zeigen. Allerdings wird sich die tief verankerte Grundmentalität, dass es keinen persönlichen Besitz gibt und jeder sich überall bedienen kann, nicht komplett von der der Gataser oder der Hanen unterscheiden…oder etwa doch?

Aber Schwamm drüber, der Roman an sich war zu gut um sich über Kleinigkeiten zu ärgern. Die MAGELLAN fliegt auf dem Weg nach Droo Karuuhm in ein System der Tentra ein und bekommt mit, wie sich eine planetare Katastrophe ereignet. Ausgelöst durch die Überheblichkeit oder Dummheit zweier, sich duellierender Raumschiffskapitäne, gibt es auf dem Prospektorenplaneten einen Asteroideneinschlag. Auf dem Planeten leben Blues, welche Molkex schürfen sowie ein eingeborenes, eher primitives Volk namens Hemasch, mit dem die Blues bis zur Katastrophe Handel treiben.

Nach dem Einschlag, unter dem die Blues auf dem Planeten ebenso zu leiden haben wie die Hemasch, bricht ein Konflikt zwischen den beiden Gruppen aus, der sich zu einem Krieg auszuweiten scheint. Die Hemasch geben, korrekterweise, den Blues die Schuld am Einschlag und der Vernichtung einer ihrer Städte.

In dieser Situation tritt die MAGELLAN auf den Plan. Perry beschließt, wie wir ihn kennen, dass es die Pflicht der Terraner ist, Hilfe zu leisten. Nebenbei wird ein Impuls vom Planeten aufgefangen, der dazu führt, dass der Darojib von Tuire Sitareh sich gelb verfärbt. Dies wird als Warnzeichen aufgenommen und soll natürlich erforscht werden…die Terraner sind wie immer neugierig. Sitareh wurde zuvor aus dem Kreellblock befreit, ist aber noch nicht bei Bewusstsein.

Rhodan macht sich also mit der FERNAO auf den Weg direkt auf dem Planeten zu helfen und den Impuls zu erforschen, begegnet dabei sowohl Blues als auch Hemasch, kann den Konflikt nach einigen Schwierigkeiten beenden, den Tentra die Heilung gegen den gelben Tod bringen und findet mit Gucky und der Hilfe zweier Blues auch den Ursprung des Impulses, nämlich einen großen Kreellblock in welchem augenscheinlich viele insektenartige Wesen leben und sich darin bewegen! Bei der Überlegung den Block mit in die FERNAO zu nehmen, was Eric Leyden vehement fordert, kommen die Gefährten zu dem Schluß, dass dies deutlich zu gefährlich sei. Daher ziehen sie, nachdem Messungen vorgenommen wurden, wieder ab.

Tuire ist inzwischen erwacht, kann sich jedoch zunächst an keine Einzelheiten seit seiner Trennung von den Terranern in Andromeda erinnern.

Der Blue Jepprafomm, welcher erst von den Terranern, genauer gesagt von Gucky, gerettet wurde und diese dann auf dem Planeten tatkräftig unterstützte, schließt sich der MAGELLAN an und das Schiff fliegt weiter Richtung des ursprünglichen Zieles Droo Karuuhm.

Meine grobe Zusammenfassung kann natürlich in keiner Weise die wirklich spürbar düstere Stimmung des Romanes wiedergeben. Atmosphärisch war das wirklich gelungen und hat mir großen Spaß gemacht. Inhaltlich gab es keine ganz großen Erkenntnisse, aber das ist ja nicht immer notwendig für ein gelungenes Leseerlebnis. Im nächsten Roman darf ich mich nun auf Kai Hirdt und den „Pfad des Auloren“ freuen. Das klingt verdächtig nach einigen „AHA“-Erlebnissen und Romane von Kai lösen immer Vorfreude in mir aus. Freue mich auch dieses Mal drauf!

„Lockruf des Kreells“ bekommt sehr gute 7 von 10 Punkten (bei inhaltlich höherer Relevanz für die Gesamthandlung wären es eher mehr gewesen) und setzt damit weiter die positive Entwicklung der Staffel fort. 🙂

NEO 172 – Susan Schwartz schreibt über den gelben Tod

Die Zeit ist knapp, ich komme wenig zum Lesen, aber NEO 172 habe ich grade eben beendet. „Der gelbe Tod“ von Susan Schwartz war vom Lesegfühl ein ziemliches „Gehetze“ durch das vorliegende Thema. Häufig habe ich die Handlung im Zeitraffer vorbeifliegen sehen. Das impliziert mir als Leser irgendwie, dass eigentlich mehr zu erzählen gewesen wäre, aber leider nicht ausreichend Seiten zur Verfügung standen.

Das finde ich irgendwie schade, denn grundsätzlich hinterläßt der Roman ein  angenehmes Gefühl in mir. Ich habe mehr über die Blues (ich weigere mich weiter sie bei diesem seltsamen neuen Eigennamen zu nennen…) gelernt, ebenfalls über Molkex und dessen Verarbeitung. Perry und Co. kommen der Rettung von Tuire aus seinem Kreellblock einen guten Schritt näher und insgesamt wird die blue’sche Kultur immer „runder“. Das hat mir wirklich gut gefallen. Wie gesagt, dass an einigen Stellen mehrere Tage in zwei Absätzen behandelt worden zu sein scheinen, finde ich schade, denn Frau Schwartz hat an den Stellen, an denen sie den Platz hatte (oder sich genommen hat) wirklich tolle Eindrücke hinterlassen.

Nun habe ich am ersten Band der Blues-Staffel ja ein wenig rumgemosert. Zu einhundert Prozent bin ich auch in diesem Fall nicht begeistert, was neben dem beschriebenen Tempoproblem vor allem daran liegt, dass ich einige Dinge schwer nachvollziehen kann.

Erstens: der gelbe Tod wird ausgelöst durch die Entnahme eines Enzyms bei Blues-Kindern bis zum Alter von zehn Jahren. Diesen kausalen Zusammenhang bemerken die Herrschaften, welche, wenn man alle Gelege zusammen nimmt, wohl in die hohen Milliardenzahlen gehen dürften, leider nicht. Schön und gut…aber irgendwann haben die damit doch mal angefangen! Kurz danach müsste die Krankheit eingesetzt haben. Da kommt irgendwann doch das dümmste Sternenvolk mal darauf, dass dieser Zusammenhang besteht oder nicht? Man kann sicher argumentieren, dass die Blues mit dem Tod eher rational umgehen und mit der Erkrankung ebenso. Allerdings gilt das offenbar nicht für alle, wie uns das Beispiel des Blue, welcher Tifflor als erstes „Versuchsobjekt“ diente zeigt. Er war am Boden zerstört, da er sein Lebenswerk nicht ansatzweise erfüllt sah. Da er kein Einzelfall sein dürfte bei Milliarden und Abermilliarden von Blues, hätte auch mal irgendwer auf die Idee kommen dürfen, die entsprechende Forschung anzuregen finde ich. Die generelle Weigerung an eine Heilung zu glauben wurde ja ebenfalls in zwei Absätzen über Bord geworfen…

Zweitens: Ein weiterer mir ziemlich unklarer Vorgang ist, wie um alles in der Welt die Blues auf die Idee gekommen sind, Kreell / Molkex mit Katlyk, also dem Enzym der Blues-Kinder zu behandeln, um es form- und verarbeitbar zu machen. Ist da irgendwann ein Babyblue (das ist mal eine coole Bezeichnung hihi ) ausgerutscht, hat sich an einem Stück Kreell den Hals aufgeschrammt und sein Enzym darüber vergossen, wobei ein erwachsener Blue merkte, dass das Zeug plötzlich weich wie Gummi ist? Seid mir nicht böse liebe Expokraten, aber das finde ich irgendwie an den Haaren herbeigezogen (zugegeben, meine Herleitung ist natürlich genau das 🙂 ).

Aber: vielleicht folgt ja doch noch eine sinnvolle Erklärung und ich haue mir dann gegen die Stirn und sage „Ach sooooo, jetzt macht das alles Sinn!“ 🙂

Abgesehen von diesen Unstimmigkeiten gefiel mir „Der gelbe Tod“ aber durchaus ganz gut und im Gegensatz zum Vorgängerband war er für mein persönliches Empfinden auch erheblich angenehmer zu lesen. Die Staffel scheint langsam Fahrt aufzunehmen und ich bin durchaus gespannt, was Tuire irgendwann zu erzählen hat und was in der Eastside noch Feines passiert. Also dann, auf zum „Lockruf des Kreell“!

Der gelbe Tod bekommt von mir übrigens 5,5 / 10 Punkten. Einen mehr als „Brennpunkt Eastside“. Da ist eine Tendenz erkennbar oder? 😉

 

Vom Regen in die Traufe – oder von Andromeda in die Eastside

Da sind wir nun: die Eastside der Michstraße! Jülziish, ähhh ach ne, die heißen ja jetzt Azaraq. Warum eigentlich? Naja, egal…also: Azaraq, die von Reginald Bull schnell Blues getauft werden (das ist identisch zur EA), Molkex und hier (Milchstraße) wie dort (Andromeda): Kreell. Aber der Reihe nach…

Nachdem unser aller Freundin Mirona die MAGELLAN mit den Koordinaten aller (wirklich aller?) Sonnentransmitter durch das Sonnensechseck schickte, kam sie dummerweise nicht im Milchstraßenzentrum, sondern in der Eastside raus. Wieder einmal fast handlungsunfähig, mit beschädigter Positronik und weiteren technischen wie menschlich-medizinischen Problemen (kommt einem langsam bekannt vor oder?), tauchen plötzlich Diskusschiffe auf, die relativ unfreundlich reagieren und zur Kapitulation auffordern. Erst der Einsatz der Transformkanone, welcher dazu führt, dass eines der Azaraq-Schiffe seine Molkex-Panzerung verliert, führt zu Verhandlungen und einer Einladung auf den Heimatplaneten der Gataser, welche ein sogenanntes Gelege der Azaraq darstellen. Hier gilt also scheinbar zunächst das Gesetz des Stärkeren.

Die darauf folgenden Beschreibungen der gatasischen Kultur sind wirklich gelungen und angenehm zu lesen, allerdings passiert nicht viel mehr, als dass die Terraner hingehalten werden. Nach und nach wird klar, dass die Gataser nur scharf auf die Transformkanone sind.

Als Gucky im Keller des Regierungsbezirkes einen gewissen Tuire Sitareh in einem Kreellblock entdeckt (habe ich nicht vor Kurzem geschrieben, dass der bald wieder unerwartet auftaucht? 🙂 ), eskaliert die Situation. Die Delegation der Terraner um Rhodan, Bull, Tolot und Gucky flieht über den Umweg der UAC, einer Korvette, zurück zur MAGELLAN. Sitareh nehmen sie natürlich mit, denn unseren Perry überkommt ein schlechtes Gewissen, dass er Tuire in Andromeda zurückgelassen hatte.

Auch die MAGELLAN ergreift die Flucht, wird aber von einer Übermacht kurz darauf gestellt und Rhodan muss kapitulieren.

Soweit die Kurzzusammenfassung, jetzt das Fazit: Ich bin ein wenig enttäuscht. zunächst einmal stellt sich mir die Frage, warum die mächtige MAGELLAN schon wieder halb schrottreif irgendwo ankommen muss. Das ist langsam ein Konzept, was mir schwer im Magen liegt. Das Ding scheint ausgesprochen anfällig zu sein und das als „bestes Schiff, dass die Menschheit je gebaut hat“. Die zweite Frage, die ich mir (zugegeben als Altleser) stellen musste war: „Warum zum Henker heißen die Jülziish plötzlich Azaraq?“. Das fühlt sich beim besten Willen nach „NEO muss einfach aus Prinzip anders sein als die EA“ an. Zum Selbstzweck finde ich das nicht sinnvoll, aber das ist vermutlich Geschmacksache. Der Roman selber war keineswegs schlecht geschrieben, aber meines Erachtens etwas zu vorhersehbar. Mir war schon beim plötzlichen Gesinnungswandel des Ober-Blue klar, dass das am Ende eskaliert und dass die, Zitat Gucky, „Tellerköpfe“ nur auf die Transformkanone aus sind. Als der Ilt dann „vertraute Mentalimpulse“ aus dem Keller wahrnahm, musste ich sofort an Sitareh denken. Zufall? Intuition? Oder einfach zu vorhersehbar? Das mag jeder selber beurteilen.

Die Beschreibung der gatasischen Kultur hat mir, wie oben beschrieben, insgesamt recht gut gefallen. Natürlich war das nur ein Schlaglicht, aber ein durchaus interessantes und gut zu lesendes. Der Rahmen des Romans war für mich aber wie gesagt leider etwas enttäuschend. Nicht, dass die Handlung komplett schlecht gewesen wäre, aber ich hatte mir einfach mehr Neues erwartet, nicht nur einen neuen Namen für die Jülziish (ja, da muss ich drauf rumreiten :D).

Ich hoffe, nein ich bin überzeugt, die kommenden Bände erfüllen meine Erwartungen mehr.

Für die leider nicht so ganz erfüllten Erwartungen von NEO 171 bekommt „Brennpunkt Eastside“ von mir 4,5 / 10 Punkten.

PS: Das frage ich mich schon länger, wann haben die Terraner eigentlich die Deflektortechnik entwickelt? Die war irgendwann einfach da, während in den Anfangszeiten von NEO meiner Erinnerung nach nicht mal die Arkoniden Deflektoren hatten und sich mit Mimikribeschichtungen halfen. Spontaner Technikschub? 🙂