Bye, Bye Andromeda! Ich bin weg, so schön es auch war…

Nun ist es soweit, ich bin bei der aktuellen Staffel angekommen und kümmere mich grade um den „Brennpunkt Eastside“. Bevor ich aber hier im Blog thematisch wirklich bei den Jülziish durchstarten kann, muss ich mich abschließend um Andromeda und die liebe Mirona kümmern.

Zunächst einige Zeilen zu Rüdiger Schäfer’s Abschlussroman „Abschied von Andromeda“. Der Roman brachte uns neue Erkenntnisse bezüglich Kreell, Crea und dem Creaversum…und das meines Erachtens nicht zu knapp. Was sich zuvor bereits angedeutet hatte wurde von Rüdiger bestätigt: die Crea sind nicht die mies gelaunten Invasoren, denen es Spaß macht, Völker in einem anderen Universum (oder einer anderen Dimension…so klar ist das Stand NEO 170 noch nicht) zu überfallen, zu töten und einen Lebensraum zu erobern, mit dem sie letztlich nicht viel anfangen können. Viel mehr reagieren die Crea genau so, wie die Meister der Insel auf die Bedrohung, die durch den Aufriss entstanden ist. Auch im Creaversum kommt es zu Redrifts, welche verheerende Auswirkungen haben. Genau wie die Meister der Insel nehmen die Crea die Gegenseite als Aggressor wahr und scheinen sich für einen Krieg gerüstet zu haben.

Schau an, schau an…die aus der ganz frühen EA bekannte Schwarz-Weiß-Sicht auf die Dinge bröselt in NEO immer mehr. Die Meister der Insel sind nicht die skrupellosen Despoten, die man als Altleser im Kopf hatte und nun sind auch noch die von Mirona Thetin, bzw. ANDROS, als ultimativer Feind hochstilisierten Crea eine Spezies, mit denen eine Verständigung möglich ist.

Gut so, denn so trivial funktioniert das Universum ja leider nicht wirklich.

Was ich an Rüdigers Roman wirklich schön fand, ist die Tatsache, dass er mit einem Knalleffekt, sprich einer ordentlichen Raumschlacht, startet, jedoch mit unerwartet klarer Verständigung endet. Als Leser gerät man zu Beginn tatsächlich ins Zweifeln, ob die angedeutete Verständigung zwischen Crea und Perry Rhodan doch nur eine Momentaufnahme war, welche sich später als Seifenblase entpuppt. Für einige Seiten hatte ich das Gefühl, dass Andromeda und damit auch die Milchstraße wirklich auf einen Krieg zusteuern. Am Ende des Romans und damit der Mirona-Staffel relativiert sich dieser Eindruck dann doch stark.

Was nehme ich noch mit? John Marshall bleibt als terranischer Botschafter in Andromeda, die Meister der Insel sind eine Art Zwangsverbündete, das komische Hin- und Her zwischen Tani Hanafe und Tim Schablonski findet (endlich) ein Ende und wo Tuire Sitareh steckt wissen wir noch immer nicht. Ich denke aber der taucht bald wieder irgendwo auf, wo man ihn am wenigsten vermutet. 🙂

Noch zwei Sätze zu Hanafe und Schablonski: Grundsätzlich ganz nett eingebaut, aber mein persönlicher Geschmack war dieser Teil der Story nicht. Speziell Tani’s zickiges Gebahren hat mich ziemlich genervt…deshalb das „endlich“.

Die Mirona-Staffel hatte meiner Meinung nach deutliche Höhen und kleinere Tiefen. Insgesamt hat mich Andromeda in seiner neuen Fassung durchaus gefesselt und die Darstellung der Meister der Insel fand ich absolut spitze. Egal welcher der Meister im Fokus stand, waren die Charakterdarstellungen gelungen. Ich fand Trinar Molat großartig, da er mir tatsächlich wie ein aus der EA entlaufener Meister vorkam. Aber auch Mirona Thetin, welche eine große Tiefe bekommen hat oder Proht Meyhet wurden als faszinierende und sehr facettenreiche Personen dargestellt. Das hat mir ausgesprochen gut gefallen.

Überhaupt finde ich die Charakterdarstellungen in der Mirona-Staffel sehr gelungen. Bis in die kleineren „Nebenrollen“ war das stimmig. Ich denke zum Beispiel an den kleinen, naiven Ingenieurslehrling Alexander Kapescu oder an Baar Lun. Das hat mir großen Spaß gemacht.

Die Crea-Idee finde ich sehr spannend. Ein wenig erinnert mich das Konzept natürlich an die Druuf aus der EA, allerdings schon deutlich verändert und moderner. Anteilig hat mich die Stimmung an „Alien“ denken lassen, war halt schon düster.

Grandios fand ich übrigens auch Hak Gekkoor. Der hat mich, man möge es mir verzeihen, in Kombination mit Faktor II irgendwie an Star Wars erinnert…die beiden waren ein wenig wie der Imperator und Darth Vader. So wunderbar fiese Bösewichte braucht es dann eben doch! Die Lösung, mit der Faktor II „entsorgt“ wurde war dabei der krönende Abschluss. Ich bin sehr gespannt ob man von Gekkoor nochmal was hört, ich hoffe es sehr.

Was mich ein wenig, aber wirklich nur ein wenig störte, war die scheinbar endlose Hetzjagd auf die MAGELLAN. Das Spielchen „Gegner findet MAGELLAN, MAGELLAN entkommt mit größter Mühe“ wurde mir etwas zu oft gespielt. Aber das ist Jammern auf hohem Niveau! Auch diese Anteile waren insgesamt trotzdem gut zu lesen. Mehr „Gemeckere“ habe ich im großen Rahmen auch gar nicht.

Ich war abschließend gesagt, überrascht, wie viele ethische und moralische Überlegungen in dieser Staffel angestellt wurden. Wie ich schon sagte, geht NEO hier ganz bewusst vom Kozept gut/böse weg und beschreibt auch die Antagonistern sehr ambivalent. Bemerkenswert finde ich dazu folgenden Ausspruch von Mirona Thetin in NEO 170, Seite 142:

>>Wollen Sie mir mir über philosophische Prinzipien diskutieren?<<, fragte Thetin. >>Wir alle schaffen uns unsere Tatsachen. Zu mehr ist dieser winzige Klumpen aus Nervenzellen, den wir in unserem Schädel mit uns herumschleppen, gar nicht fähig. Das Leben ist einfach – erst die Intelligenz macht es kompliziert. Wenn Sie das einmal begriffen haben, gibt es keine Geheimnisse mehr.<<

Da liegt tatsächlich viel Wahrheit drin…

Unser lieber „Beuteterraner“ Atlan zitiert auch in diesem NEO immer wieder gern altarkonidische Weißheiten. Im Gedächtnis geblieben (vermutlich weil er sie gebetsmühlenartig wiederholte) ist mir folgende:

>>Gestern Abend starb die Vergangenheit. Heute Morgen wurde die Zukunft geboren.<<

Hach, wie poetisch! 🙂 Aber ich finde dieses Zitat ist ein perfekter Schlusssatz, denn das trifft in etwas angepasster Form für mich auf die Mirona-Staffel und die Blues-Staffel zu.

In diesem Sinne: Ich freue mich auf die Jülziish und werde natürlich fleißig weiter schreibseln! Man liest sich.

PS: Ich versuche mich ja aktuell an einer NEO-Fortsetzungsgeschichte. Wer mag findet sie oben im Menü unter „Eine galaktische Odysee“. 🙂

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2 Gedanken zu “Bye, Bye Andromeda! Ich bin weg, so schön es auch war…

  1. Rüdiger Schäfer Juni 26, 2018 / 7:19 am

    Vielen Dank für die Blumen! 🙂

    Ich freue mich immer, wenn das, was wir uns bei einer Konzeption denken, auch tatsächlich beim Leser ankommt. Tatsächlich sind die Zeiten der Antagonisten, die einfach nur „böse“ sind, vorbei. Auch ein Faktor II tut das, was er tut, nicht ohne Grund, nicht ohne klare Motivation.
    Für mich sind die Motive einer Figur immer das Herz jeder Konzeption und jeder Charakterisierung. Und je außergewöhnlicher die Handlung ist, desto stärker und damit glaubwürdiger muss das Motiv sein, das sie bedingt.

    Ansonsten wünsche ich Dir viel Spaß in der Eastside – die Bezeichnung Jülziish kennen wir bei NEO allerdings nicht 🙂

    Beste Grüße.

    Rüdiger

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    • fessinho Juni 27, 2018 / 11:28 am

      Die Blumen sind absolut verdient, also gerne! 🙂

      Mir ist natürlich bewusst, dass auch Faktor II eine klare Motivation hat. Allerdings ist er aus für mein Empfinden derjenige, der am meisten an die Meister der Insel aus der EA erinnert.

      Dass die Jülziish in NEO anders heißen, habe ich mit Verwunderung zur Kenntnis genommen. Bisher erschließt sich mir der Sinn nicht ganz und es fühlt sich ein wenig wie „NEO muss unbedingt anders sein“ an. Aber da kommt bei mir vermutlich der sogenannte „Altleser“ durch 😉 Abgesehen davon ist der Start auf jeden Fall sehr dynamisch und gut zu lesen. Ich bin auf den weiteren Verlauf gespannt.

      Viele Grüße

      Sven

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